Zauberhaft, aber gnadenlos: Die SRF-Landfrauen schenken sich nichts

Gion Mathias Cavelty, TV-Experte

17.11.2018

TV-Experte Gion Mathias Cavelty erklärt, warum er den Landfrauen mit Haut und Haar verfallen ist. Aber auch, warum sie ihm manchmal Angst machen.

Auf SRF 1 hat am gestrigen Freitagabend die zwölfte Staffel der «Landfrauenküche» begonnen. Gastgeberin war Christine Egger aus Zihlschlacht im Kanton Thurgau.

In der ersten Szene sah man die atemberaubend schöne Frau, wie sie einen saftigen roten Apfel von einem ihrer insgesamt 600 Apfelbäume pflückte, genau wie Eva im Garten Eden. Und schlagartig wurde mir bewusst, warum ich den Landfrauen so verfallen bin: Es geht um das Urmütterliche, nach dem wir uns alle sehnen.

Inbegriff von Natürlichkeit

Die (Ur-)Mutter: Sie ist unendlich sanft und weich und warm. Sie will einen beschützen. Sie will nur das Beste für einen.

Die (Ur-)Mutter: Sie hat keine aufgespritzten Lippen und keine Silikonbrüste, wie gefühlt 90 Prozent aller Frauen am Bildschirm, und sagt nicht alle zwei Sekunden «bitch» oder «geile Siech» oder «OMFG!!!!»

Sie ist ganz natürlich. Und trägt einen wundervollen Namen wie zum Beispiel Anita Mosimann (je mehr «As» im Namen, desto wundervoller; Christine Egger klingt mit den vielen «Es» leider fast ein bisschen zu spitz). Sie hat einen wohligen Dialekt. Am liebsten würde man in sie «ineschlüüfe» und nie mehr herauskommen, zurück in diese harte, kalte Welt.

Um eine passende Stelle aus dem grossartigen neuen Thriller «Macbeth» des norwegischen Autors Jo Nesbø zu zitieren: «Sie musste selbst zur Sonne werden – oder zu einem Stern. Eine leuchtende Mutter, die sich brennend selbst verzehrte, und anderen dabei das Leben schenkte. Das Zentrum eines Universums, in dem sie verglühte, ja: verglühte.»

Aufopfernd! Das ist sie, die (Ur-)Mutter. Und sie verteidigt die ihren wie eine Löwin. Und dabei kann sie natürlich auch unfassbar grausam werden, wie in der gestrigen ersten Folge von «Landfrauenküche» auch wieder zu sehen war.

Christine gibt alles

Aber von Anfang an: Sonnenaufgang; verträumte Gitarrenklänge ertönen; Christine füttert die Katzen; dann weckt sie ihre zwei kleinen Kinder auf, macht ihnen einen feinen Zmorge mit Brot, Käse und Gonfi. Der Mann bringt frische Milch aus dem Stall und kriegt zur Belohnung einen liebevollen Kuss auf den Mund. Das reine Paradies!

Auf Punkt 12 Uhr hat Christine das Mittagessen für die ganze Familie fertiggekocht; «En Guete mitenand, im schöne Schwiizerland», sagt sie am Mittagstisch, derweil sich die vier Familienmitglieder an den Händen halten.

«Es isch mir no rächt wichtig, dass de Zmittag en guete Zmittag isch mit verschiedene Sache. Gsunde Sache. Und nöd jedes Mal irgendwie nur Spaghetti oder so. Ja. Genau» – was für rührende, fürsorgliche, mütterliche Sätze!

Dann kommen sie angerollt, im Postauto, alle in Hardcore-Tracht: Die sechs anderen Landfrauen der neuen Staffel. Das hohe Gericht.

Für jede hat Christine liebevoll Namenstäfeli gestaltet; der Tisch ist schön mit Blumen geschmückt. Los geht das dreigängige Menü mit der Vorspeise, Thurgauer Mostsuppe mit Käsechips.

Die Kritikerinnen sind unerbittlich 

Ab jetzt wird es, wie angekündigt, brutal. Einfach nur brutal. Und je weiter das Mahl voranschreitet, desto gnadenloser wird es.

«D Chäs-Chips hätt i villicht nid GANZ GENAU so gmacht gha … villicht hätt i es Mü weniger Salz dri do ... und villicht e chli weniger Wii», meint Konkurrenz-Landfrau Katrin Kissling aus Rickenbach SO an einer Stelle.

«D Öpfelstückli hani jetz irgendwie nit so gärn gha» (Zitat von Konkurrenz-Landfrau Anita Mosimann aus Affoltern im Emmental).

«Das Öpfelchüecheli – für mi isch es fascht echli gnueg maschtig gsii» (noch einmal Konkurrenz-Landfrau Katrin Kissling).

«FASCHT ECHLI» – diese zwei Wörter bedeuten selbstredend nichts anderes als das Todesurteil. Zack! Das Fallbeil der Guillotine ist niedergesaust.

Frauen können so unfassbar grausam sein.

Die zwölfte Staffel der «Landfrauenküche» ist am Freitag, 16. November, um 20.05 Uhr auf SRF 1 gestartet. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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