TV-Kritik

Es ist wieder «Bachelor» – und dem Laien stellen sich Fragen

Gion Mathias Cavelty

22.10.2018

TV-Experte Gion Mathias Cavelty zappt da rein, wo er sich mit seiner Fernbedienung bislang noch nie hingetraut hat. Seine erste Folge von «Der Bachelor» bringt ihn aber ins Grübeln.

Ich (männlich, 44) habe noch nie eine Folge von «Der Bachelor» gesehen. Und ich bin komplett ratlos, nachdem ich diesbezüglich am Montagabend meine Unschuld verloren habe. Da nämlich lief auf 3+ die Auftaktfolge zur neuen Staffel, und – dies vorweg – ich habe von der ersten bis zur letzten Minute durchgehalten.

In meiner Überforderung habe ich Gedankenspiele angestellt wie: Wenn ich der letzte Mann auf Erden wäre und die zwanzig Bachelor-Kandidatinnen die letzten Frauen auf der Welt – was dann?

Oder: Wenn ein Ausserirdischer als einziges Zeugnis unserer Existenz die Folge von gestern zu Gesicht bekäme – müssten dann nicht zwangsläufig seinen gigantischen Glubschaugen explodieren?

Oder: Wenn ich eine der Rosen wäre, die am Ende der Sendung überreicht werden, würde ich vorher nicht lieber blitzartig verwelken, damit ich nicht in der Show vorkommen muss?

An dieser Stelle bin ich echt auf die Hilfe von Profi-«Der Bachelor»-Zuschauerinnen und -Zuschauer angewiesen. Ich habe so viele Fragen! Bitte helft mir!

Diese 20 Kandidatinnen buhlen um «Bachelor» Clive Bucher

Was, wie , wo, hä?

Frage 1: Ich habe es noch nie erlebt, dass mir eine Frau bei der ersten Begegnung prompt ihren blanken Busen zeigt (wie Kandidatin Mia dem Staffel-7-Bachelor Clive Bucher – okay, die Nippel waren mit Sternchen-Aufkleber verdeckt). Habe ich etwas falsch gemacht im Leben?

Frage 2: Was hat das zu bedeuten, wenn eine Horde Bikini-tragender Frauen ihre Gesässbacken rhythmisch auf die Meeresoberfläche klatschen lässt? 

Frage 3: Die Frau von heute ist emanzipiert, so viel habe ich verstanden – und das finde ich auch gut. Wie muss man es dann bewerten, wenn sie (die Frau von heute) sich laut göissend von einem 26-jährigen Aargauer Unternehmer (der bereits oben erwähnte Clive Bucher) vor laufender Kamera mit einer Sektflasche wie in einem Erwachsenenfilm abspritzen lässt?

Frage 4: Wollen Frauen heute alle Nageldesignerin, Influencerin, Barkeeperin, Personalshopperin oder -trainerin werden? Wo sind die modernen Altphilologinnen, Astronominnen oder Assyriologinnen (um nur beim Buchstaben A zu bleiben)?

Frage 5: Wenn ein 26-jähriger Aargauer Unternehmer zu einer Gruppe junger Frauen sagt, dass er sie gleich «tipptopp geschniegelt» sehen will, aber gleichzeitig betont, ihm sei «das Innenleben einer Frau viel wichtiger»: Kommt man da als Frau noch draus?

Frage 6: Wenn der gleiche Mann einer Frau versichert, er sei «spirituell interessiert», aber seine spirituellste Feststellung in zwei Stunden «Also, läbe tuend mir ja beidi» lautet: Könnte man da auf den Gedanken kommen, dass es mit seiner Spiritualität nicht ganz so weit her ist?

Frage 7: Oder tue ich dem Bachelor unrecht? Ist seine spirituellste Feststellung vielleicht gar nicht die oben zitierte, sondern diese (ins Hochdeutsche übertragen):

Bachelor Clive Bucher: «Was spielt die Liebe für dich so 'ne Rolle?»
Kandidatin Julia: «Die Liebe ist eigentlich eine mega grosse, wichtige, schöne Kraft und Energie.»
Clive: «Cool. Ich muss dir ehrlich sagen: Wenn man dich so anschaut, bist du eine wunderschöne Frau. Ich hätte nicht gedacht, dass du mit mir über die Liebe so offen sprechen kannst. Und das finde ich mega cool.»
Julia: «Danke.»

Frage 8: Oder ist am Ende das die spirituellste Feststellung des Bachelor?

Clive: «Worauf könntest du niemals verzichten?»
Kandidatin Jane: «Essen.»
Clive: «Okay. Was wäre wichtiger: Essen oder ich?»
Jane: «Sagen wir: Du.»
Clive: «Jetzt musstest du schon ein bisschen überlegen, hä?»

Frage 9 (direkte Anschlussfrage an Frage 8): Hat Kandidatin Jane nicht vielleicht das Atmen vergessen? Ist das Atmen nicht ein klitzekleinwenig unverzichtbarer als das Essen? Oder gar Clive? Was ist, wenn Clive plötzlich das Atmen vergisst?

Frage 10: Was ist in Zeiten der allgemeinen Klimakatastrophen-Panik von folgendem Cliveschen «Kompliment» an Kandidatin Maria zu halten: «Maria, wenn du lachsch, schmelzed d Iisbärge»?

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Und so weiter und so fort. Ich würde vom «Bachelor»-Stammpublikum gerne noch so viel erfahren. Ich wette, die absoluten Hardcore-Fans wissen schon nach der ersten Folge ganz genau, wem Clive in der letzten Folge die letzte Rose aushändigen wird und warum das so ist et cetera.

Ich tippe jedenfalls auf die ursprünglich aus Polen stammende Muskelprotzin (oder heisst es korrekt Muskelprötzin?) Sylwia als Gewinnerin. Warum? Weil sie Clive ohne mit der Wimper zu zucken zu Brei zerquetschen könnte und auch würde, falls er es wagen sollte, sie vorzeitig abzuservieren. Wäre das nicht eine herrliche Szene? All for Frauenpower!

Die erste Folge der neuen Staffel von «Der Bachelor» lief am Montag, 22. Oktober, um 20.15 Uhr auf 3+. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

TV-Experte Gion Mathias Cavelty hat zum ersten Mal «Bachelor» geschaut. 
Paolo Dutto
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