TV-Kritik

«Ninja Warrior Switzerland»: Die Muskelspiele sind eröffnet

Gion Mathias Cavelty

17.10.2018

«Diese Show ist die härteste der Welt», verkündet eine ziemlich maskuline Off-Stimme im Intro der ersten Ausgabe von «Ninja Warrior Switzerland» am Dienstagabend. TV-Experte Gion Mathias Cavelty hat sich ein Bild gemacht.

Ja – die international erfolgreiche Wettkampfshow «Ninja Warrior» ist gestern auch in der Schweiz angekommen. Premiere feierte sie auf TV24.

Die härteste Show der Welt? War das nicht der «Samschtig-Jass» mit Göpf Egg? Oder der «Literaturclub» mit Elke Heidenreich?

Für alle, die «Ninja Warrior» nicht kennen: Das Ganze ist im Prinzip ein einziges Jump-and-Run-Game, nur dass hier echte Menschen echte monströse Hindernisse überwinden müssen. Möglichst schnell und möglichst in einem Stück.

«Ninja Warrior» startet in der Schweiz

«Ninja Warrior» startet in der Schweiz

Die ursprünglich aus Japan stammende TV-Show «Ninja Warrior» bekommt einen Ableger in der Schweiz. Am Dienstag, 16. Oktober, startet der «härteste TV-Hindernisparcours der Welt» beim Privatsender TV24.

16.10.2018

Kampf um 100'000 Franken

1000 Möchtegern-Ninjas wollten in der Schweizer Ausgabe mitmachen, 160 wurden ausgewählt. Dem Allerhärtesten winkt in der Finalsendung ein Gewinn von 100'000 Franken – allerdings nur, wenn derjenige den Gipfel des sogenannten Mount Midoriyama erklimmt. Was einzig über ein 20 Meter langes, frei baumelndes Seil möglich ist.

Ich habe die Stages (also die gigantischen zusammenhängenden Hindernis-Konstruktionen, die die Kandidaten zu meistern haben) im Hallenstadion in natura gesehen und muss sagen: Keine zehn Pferde könnten mich dazu bringen, auch nur einen Zeh auf den Parcours zu setzen.

Die Schikanen auf der ersten Stage heissen der Reihe nach: Fünfsprung – Kugellift – Cargo-Netz – Steckbrett – fliegende Treppe – eine 4,25 Meter hohe Wand.

Wer versagt, landet im Wasser

Das Lustigste an «Ninja Warrior» sind natürlich jene Athleten, die in ihrem grenzenlosen Ehrgeiz kläglich scheitern und in ein Wasserbecken abstürzen. Und davon gab es in der Auftaktfolge zum Glück jede Menge.

Schon der erste Kandidat (Oberleutnant Jan Gudde aus dem Emmental) landete beim Steckbrett im Pool. Äh ... hat nicht ein helvetischer Verteidigungsminister einmal herumposaunt, wir hätten «die beste Armee der Welt»? Offenbar doch nicht ganz (hoffentlich liest das Wladimir Putin nicht).

Bei Kandidat Paulino Maria Nzinga aus St. Gallen dauerte es auch nicht allzu lange, bis er ins Wasser fiel, nämlich genau eine Sekunde und 36 Hundertstel.

Kandidatin Sabrina aus Deutschland schaffte es dann sogar, mit dem Kopf voll gegen eine Matte zu knallen und sich die Rübe nach dem Auftauchen aus dem Wasser an einem Aluminiumträger gleich noch einmal anzuschlagen, als gutgemeinte Zugabe, sozusagen. Man weiss ja schliesslich, was man seinem Publikum schuldig ist.

Die Live-Kommentatoren Maximilian Baumann (Sohn von «Ventil»-Frank Baumann) und Chris Bachmann (who the heck is Chris Bachmann?) waren auch recht munter drauf: «Z Stirnband isch na cool / aber es liit jetz grad na im Pool», reimte letzterer etwa, nachdem Kandidat Mario spektakulär ins blaue Nass abgestürzt war. Nina Havel (bekannt von «Musicstar») führte zwischendurch relativ entbehrliche Interviews mit den gescheiterten Muskelprotzen.



Parcours zu hart für die Frauen

Von 32 Athleten schafften es 10 in die nächste Runde (eine Frau war leider nicht darunter). Stage 2, auf der unter anderem gigantische Mikado-Stäbe eine Rolle spielten, präsentierte sich dann noch eine ganze Spur derber als Stage 1 (Stichwort: «Himmelsleiter» … holy moly!).

Fazit: Insbesondere für alle Nicht-Sportler unter den Zuschauern ist diese Show das reinste Vergnügen. Sie ist eine Genugtuung für all diejenigen, die zu Schulzeiten im Sportunerreicht immer als Letzte in ein Team gewählt wurden. (Ich selbst wurde immer als Zweitletzter gewählt, weil ein Mitschüler noch unsportlicher war als ich – gut, er hatte nur einen Arm und ein Bein ...)

All die Supersportler, die sich hier vor laufender Kamera auf absolut sehenswerte Weise blamieren, sind TV-Balsam für die Seele. «Morituri te salutant» – «Die Todgeweihten grüssen dich», sagten die Gladiatoren im Circus Maximus im alten Rom doch so schön …

«Ninja Warrior Switzerland» lief am Dienstag, 16. Oktober, um 20.15 Uhr auf TV24. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

«Ninja Warrior Switzerland»: TV-Experte Gion Mathias Cavelty am Promi-Special
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