«Die Montagsmaler»: Warum Leonardo da Vinci im Grab rotieren würde

von Gion Mathias Cavelty, TV-Experte

28.8.2018 - 08:40

TV-Experte Gion Mathias Cavelty hat sich schon ungemein auf die Rückkehr der «Montagsmaler» gefreut. Doch warum ihn die Neuauflage noch lange in seinen Albträumen verfolgen wird, erklärt er hier.

Stellen Sie sich bitte vor Ihrem geistigen Auge vor, wie ich mit zittrigen Strichen Folgendes für Sie zeichne: Einen Männerkopf mit gebleckten Zähnen, furchteinflössendem Nussknackergrinsen und wasserstoffblonder Mähne. Wer ist das? Richtig: Guido Cantz, Moderator von «Verstehen Sie Spass?».

Warum «zeichnen», warum «Guido Cantz»?

Warum spreche ich von «zeichnen», warum von «Guido Cantz»? Weil die «Montagsmaler» wieder da sind! Eigentlich müsste die Sendung ja «Montagszeichner» heissen, denn es wird bekanntlich gezeichnet und nicht gemalt. Aber egal. Bei wem ruft die Sendung nicht nostalgische Gefühle hervor? Hundkatzemaus! Sigi Harreis! Schöne Abende im Familienverbund!

Und von «Guido Cantz» spreche ich, weil er durch die Neuauflage der Sendung führt. Zu meinem grossen Bedauern. Denn Cantz hat den Charme eines Androiden, also eines humanoiden Roboters. Und gerade für die «Montagsmaler» wäre ein Moderator, der so menschlich-unperfekt-selbstgestrickt wie möglich ist, eigentlich ein Muss. Sollte er doch ganz den Geist der sympathisch-krakelig-dilettantischen Anti-Kunstwerke widerspiegeln, die im Lauf der munteren Schnellrateshow angefertigt werden.

Eigentlich alles wie immer

Ansonsten ist mehr oder weniger alles gleich geblieben wie vor 300 Jahren – Zitat aus dem Regelwerk: «In einer vorgegebenen Zeit versuchen die gegeneinander antretenden Teams, so viele gezeichnete Begriffe wie möglich zu erraten. Dazu tritt reihum immer ein Kandidat der Mannschaft nach vorn an einen in ein Pult eingelassenen Monitor und malt mit einem Griffel den vorgegebenen Begriff.»

In der Auftakt-Ausgabe vom Montag massen sich zwei Teams: Das Team «Erwachsene Promis» (Ingo Nommsen, Jochen Schropp, Natalie Lumpp, Tina Ruland) und das Team «Nicht-prominente Erwachsene und Kinder» (alle Mitglieder des Musikvereins Bettringen 1900 e. V.).

Nun muss man ehrlich sagen: Die Erwachsenen zeichneten schlecht – aber die Kinder waren auch nicht besser. Ich hätte ja gerne geschrieben: «Die Zeichnungen der Kinder waren clever, pfiffig, kreativ, witzig-spritzig, denen der Erwachsenen haushoch überlegen!» Aber nein: Die Zeichnungen der Kinder waren eine Folter für die Augen.

Etliche Werke sahen aus wie Klobrillen, sollten aber natürlich keine Klobrillen darstellen, sondern Teller. Oder Haargummis. Wassereimer sahen aus wie Pilze oder Toastbrote oder, Zitat, «Kochtopfmützen» (was auch immer das sein soll). Leonardo da Vinci, um nur eine zufällig ausgewählte historische Persönlichkeit zu nehmen, würde im Grab rotieren.

Ein Fiasko – in mehrfacher Hinsicht

Kein Wunder, dass die Kinder in der ersten Runde gegen die Promis mit 25 zu 45 Punkten eine krachende Niederlage einfuhren.

Kinder: Ihr solltet mal eure iPads (oder womit auch immer ihr euch den ganzen Tag lang vergnügt) auf die Seite legen und eine gute, alte Blechschachtel mit Caran-d’Ache-Farbstiften hervornehmen. Wisst ihr übrigens, dass «Caran d’Ache» vom russischen «karandasch» stammt und nichts anderes als «Bleistift» bedeutet? Nein? Das habe ich mir fast gedacht.

Die Zeichnungen, die ich am Montag gesehen habe, werden mich jedenfalls noch lange Zeit in meinen Albträumen verfolgen. Von dem her ist es richtig, dass die neuen «Montagsmaler»-Folgen auf SWR erst von 22.45 bis 23.30 Uhr ausgestrahlt werden, also zu einem Zeitpunkt, wo nur noch die Härtesten der Harten fernsehen. Sonst müsste man sich ernsthaft fragen: Wer programmiert eine Familiensendung zu so einem grotesk späten Zeitpunkt?

(Noch eine Kritik am Rande: Für den Zuschauer bietet sich keine Gelegenheit zum Selber-Mitraten, denn die Namen zu zeichnenden Begriffe sind dauernd eingeblendet. Das ist schade.)

«Die Montagsmaler» lief am Montag, 27. August, um 22.45 Uhr im SWR. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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