Max Loong: «Hier fehlt zur Zeit der übliche Vibe, der Freigeist»

Marlène von Arx, Los Angeles

5.9.2020 - 14:00

Keine Events? Kein Problem: «Voice of Switzerland»-Moderator Max Loong nutzte den Sommer in Los Angeles, mit seiner Familie die Stadt neu zu entdecken und seine Winzer-Ausbildung voranzutreiben.

Max Loong sitzt ganz aufgeregt an seinem Computer-Bildschirm in seinem Homeoffice in den Hollywood Hills: «Wie ist es jetzt wohl in der Schweiz? Klappt es mit dem Flug?» Der Schweizer Moderator und Vielflieger steckt seit Monaten coronabedingt in seiner Wahlheimat Los Angeles fest. Aber nun im September will er für das Zürich Film Festival in die Schweiz reisen. Es ist sein erster Moderatorionsjob seit Monaten, denn die Event-Branche wurde von der Coronakrise besonders hart getroffen.

Die geplanten Event-Moderationen im Sommer fielen ebenso weg, wie das Drehen der nächsten Staffel seiner Ärzte-Serie in Singapur. Und dann war da auch noch der 40. Geburtstag im Frühling: «Ich wollte mit Freunden in der Provence feiern, aber das fiel natürlich auch ins Wasser. Nun habe ich die Fete auf nächstes Jahr verschoben.»

Wenigstens konnte er «The Voice of Switzerland» im April noch abschliessen und hatte somit Anfang Jahr noch ein Einkommen. Befreundete Fernseh-Leute aus dem weiten Ausland verfolgten das Finale mit Signalwirkung, denn es war eines der ersten unter Lockdown-Konditionen: «Wir hatten tiefgründige Diskussionen, ob es eine solche Show braucht, wenn es den Leuten so schlecht geht», erinnert sich Max Loong.

«Ich gehörte zu denen, die fanden: Ja, auch wenn wir aus den Wohnzimmern senden mussten, was sicher nicht ideal war.» Ganz am Anfang seiner Karriere erzählte ihm mal ein Mädchen, wie schlecht es ihr ging. Der Freund habe mit ihr Schluss gemacht. Der Job sei auch weg. Das Einzige, was ihr Freude mache, sei seine Sendung auf Viva. Das ist ihm geblieben: «Unterhaltungsshows, Netflix, Social Media – das alles mag nicht jedermanns Sache sein, aber es hilft vielen beim Abschalten.»

Wine-Tasting mit den Kids

Trotz der Flaute im Job ist Max Loong aber alles andere als unterbeschäftigt: Seine Söhne Ryden, 3, und Kayden, der im Oktober 2 Jahre alt wird, halten ihn und seine Frau «Sepi» Sepideh Haftgoli ganz schön auf Trab. Zusammen haben sie die Nachbarschaft in den Hollywood Hills ausgekundschaftet und weniger bekannte Parks in Los Angeles entdeckt. Loong beschreibt sich als vorsichtig, aber nicht paranoid, was das Coronavirus betrifft. Am Anfang hat er Einkäufe noch gereinigt, bevor sie ins Haus kamen. Das tut er nun weniger. Aber ein Freund hatte das Virus: «Er hatte vierzehn Tage Fieber. Das möchte ich nicht erleben.»

Seinem älteren Sohn hat er versucht zu erklären, dass es zurzeit draussen etwas gibt, das krank machen kann: «Aber ich möchte meinen Söhnen nicht verbieten, auf andere Kinder zuzugehen. Deshalb achten wir sehr darauf, dass sie mit den Kindern von Freunden, die das Ganze auch ernst nehmen, nach wie vor Kontakt haben.»

Dazu unterhält er die Kids mit gemeinsamen Koch-, Tanz- und Wein-Degustations-Videos, die er auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlicht. Die Kids wachsen dreisprachig auf: Die Hauptsprache ist Englisch, die Mutter- und Nanny-Sprache Farsi und der Papa gibt sich Mühe, so viel wie möglich Schweizerdeutsch mit den Jungs zu sprechen: «Es geht mir weniger um die Sprache, als dass sie einen kulturellen Bezug zur Schweiz bekommen.» Deshalb fuhr er im Winter auch mit der Familie in die Skiferien nach Arosa – was er im Nachhinein als ambitiöses Unterfangen beschreibt. Skianzug an, schwitzen, Pippi gehen, Skianzug aus, frieren, Tantrums: «Vielleicht wartet man doch besser, bis die Kids etwas älter sind. Aber als Schweizer dachte ich, die Kids müssen mit zweieinhalb Jahren auf die Ski – und das war Ryden nun auch.»

Hollywood nicht ganz vom Tisch

Von seinem ursprünglichen Traum, in Hollywood als Entertainer Fuss zu fassen, hat sich Loong in den letzten Jahren immer weiter distanziert. Ganz vom Tisch ist er aber nicht: In der Netflix-Reality-Show «Selling Sunset» sind er und seine Frau als Immobilien-Kunden aufgetreten, weil sie die Besitzer der Makler-Firma kennen: «Seit wir Kinder haben, möchten wir ein grösseres Haus, aber wir suchen nicht sehr ernsthaft, denn der Markt ist noch viel zu teuer», rückt Loong die Realität der Reality-Show schmunzelnd ins richtige Licht. «Wir suchen jedenfalls nicht in der 10-Millionen-Dollar-Preisklasse.» An Hunderte Castings zu fahren, die jedes Mal einen halben Tag auffressen, ohne einen Dollar abzuwerfen, hat er mit 40 keine Lust mehr. Mit Sepi produziert er einen Dokumentarfilm, über den er noch nichts verraten will. «Und klar: Ich könnte mehr Networking in Hollywood betreiben, aber ich habe mich jetzt anders ausgerichtet.»

Dazu gehört der Ausbau seines Hidden Hills Villas Luxus-Resorts in Bali. In den letzten eineinhalb Jahren hat er sich in den Weingebieten Kaliforniens umgeschaut und Kontakte zu den Behörden geknüpft, um die Marke auch in die USA zu bringen. Zurzeit büffelt er für ein dreijähriges Weindiplom. Vor eineinhalb Jahren hatte ihm Sepi einen eintägigen Weinkurs geschenkt und seither saugt er fleissig auf, was es alles über das Wein-Business zu wissen gibt. Am liebsten würde er sein Resort in Paso Robles, gut drei Autostunden nördlich von Los Angeles, bauen – damit er dann mehr zu Hause sein kann, wenn die Kinder zur Schule gehen. «Es gibt noch viele Hürden und die Vorgaben dort sind, dass man das Land auch landwirtschaftlich bewirtschaften muss. So muss ich also zwangsweise zuerst noch Winzer werden», lacht der Wein-Liebhaber.



Die Coronakrise ermöglicht es ihm, das Weinstudium zu intensivieren, während in Bali der Flughafen geschlossen bleibt und die Hidden Hills Villas keine Gäste empfangen können. «Für mich ist das Schlimmste an der Coronakrise die Ungewissheit», so Loong wieder ernst. «Auch hier in Los Angeles fehlt zurzeit der übliche Vibe, und der Freigeist, über seine Projekte zu reden. Wenn man sagen könnte, am 1. Januar kann man wieder voll loslegen, dann geht man halt noch ein paar Monate unten durch. Aber so?»

Eines weiss er jedoch schon jetzt: Ins Fitness-Studio wird er auch nach Aufhebung der Restriktionen nicht mehr zurückkehren. Er hat sich im Homeoffice eine Geräte-Ecke eingerichtet und Rennen kann er in den Hügeln vor der Haustür: «Es stellte sich heraus, dass ich mich zu Hause mehr pusche als in einem teuren Gym.»

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