Ein Running-Gag nach dem anderen: So witzig war der «Tatort»

tsch

26.8.2018

Wie mörderisch war «Die robuste Roswita»? Im Weimar-«Tatort» ermittelten Ulmen und Tschirner zwischen Thüringer Kloss-Fabrik und Klo-Geschäft. Eine überaus zotige Kombination.

Seit 2013 spielt der «Tatort» aus Weimar ausgiebig mit Klischees. Hatten sich Christian Ulmen und Nora Tschirner bereits in der ersten Folge der Rostbratwurst («Die fette Hoppe») angenommen, stand beim neuen Auftritt des Duos «Die robuste Roswita» im Mittelpunkt. Und eben die bewies in einem soliden Kulinarik-Krimi, dass Thüringer Klösse (eine Art Kartoffelknödel) nicht nur schmecken, sondern auch tödlich sein können.

Worum gings?

Um den makabren Mord an einem traditionsreichen Thüringer Kloss-Hersteller. Denn selbstverständlich wurde der Chef der «Thüringer Kloss-Welt», Christoph Hassenzahl (Matthias Paul), in seiner eigenen Fabrik im Schockfroster zu Granulat verarbeitet. Verdächtigt wurde seine verschwunden geglaubte und titelgebende Ex-Frau Roswita (Milena Dreissig), die wie aus dem Nichts nach sieben Jahren wieder auftauchte und behauptete, an Amnesie gelitten zu haben. Ihr Liebhaber Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff) soll sie einst gedächtnislos im Hainich aufgefunden und als Klofrau an einer Autobahnraststätte unter seine Fittiche genommen haben.

Und worum gings wirklich?

Um eine zotige Kombination aus Kloss- und Klo-Geschäft. Von der Kloss-Königin zur Klo-Königin: Den Wortwitz bespielte der «Tatort» genüsslich von allen Seiten. Ein weiterer Running-Gag ist der «Soss-Kloss», den Roswita einst erfand. Obwohl dabei die Sosse schon im Kloss enthalten ist, traf die «Weltidee» bei der Firma ihres Mannes nicht gerade auf Gegenliebe. «Wir haben zusammengehört wie Soss und Kloss», schwört dennoch die Verdächtige Roswita.

Gibt es den Soss-Kloss auch in echt?

Eine Wahnsinnsidee, möchte man meinen! Ein Thüringer Kloss, in dem die passende Sosse bereits enthalten ist! «Ich würde es essen», meinte auch Kommissarin Dorn, als ihr die Erfindung vorgestellt wurde. Doch kamen die «Tatort»-Schreiber tatsächlich auf eine patentverdächtige Idee? Ja und Nein. Ein derartiges Produkt existiert tatsächlich noch nicht. Das ist aber auch gut so: Ein echter Thüringer würde das auch vehement ablehnen. Zum Kloss-Genuss gehört das zärtliche Öffnen des Klosses und sein anschliessendes Befüllen mit Sosse nämlich wie der Rennsteig zum Thüringer Wald. Fun Fact: Der grösste Thüringer Kloss aller Zeiten stammt aus dem benachbarten Jena. 365 Kilogramm brachte das Prachtexemplar auf die Waage. Garzeit: acht Stunden.

Wie realistisch ging es sonst so zu?

Wie realitätsnah ein Krimi so sein kann, zeigte eine Begebenheit beim Dreh: Eine ältere Dame verlangte am eigens für eine Szene aufgebauten Bratwurststand in der Weimarer Innenstadt tatsächlich eine echte Thüringer - und musste enttäuscht von dannen ziehen. Ein grosses Lob für die Kulisse, die auch im siebten Fall von Dorn und Lessing sowohl die Klassikerstadt als auch die thüringische Lebensart ebenso überspitzt wie glaubwürdig inszenierte. Ansonsten: Auch den Kloss-Giganten gibt es im grünen Herzen Deutschlands natürlich. Gedreht wurde der «Tatort» nördlich von Weimar in und um das Klossdorf Heichelheim, in dem sich die Klossfabrik Ablig Feinkost und die berühmte «Thüringer Kloss-Welt» samt Kloss-Museum befinden. Aus Ablig wurde Hasselzahl - an die strengen Hygiene-Vorschriften musste sich das 45-köpfige «Tatort»-Team jedoch auch während des Drehs halten.

Wie waren die Ermittler in Form?

Sehr regional. «Es gibt zwei grosse Dinge in Thüringen», belehrte Dorn ihren Partner gleich am Anfang «Ach, gleich zwei?», giftete Lessing zurück, der im Laufe des «Tatorts» von seiner Kollegin sogar noch das ironische Zertifikat verliehen bekam, bald «ein echter Thüringer» zu sein. Ja, wären die bisweilen wirklich witzigen und selbstreferenziellen Dialoge und Absurditäten nicht, könnte der Weimarer «Tatort» fast als zünftiger Regional-Krimi durchgehen. Soundtrack-Vorschlag: YouTube-Phänomen Fritz mit seinem tausendfach geklickten Hit «Thüringer Klösse» («Für Klösse gehe ich meilenweit»).

Ansonsten, wie beim traditionellen Alliterations-Titel, alles wie gehabt: Kira Dorn und Lessing sind und bleiben das zotigste, schlagfertigste und (Geschmacksfrage!) witzigste «Tatort»-Duo. Auf weitere fünf Jahre!

Wie war der «Tatort»?

Kloss- und Klo-Frauen, Discounter-Monopole und Autobahntoiletten-Business, Traktor-Verfolgungsjagden und Vergiftungs-Orgien; zudem ein fiebrig erkälteter Kommissariats-Chef (Thorsten Merten), der zu allem Überfluss noch stundenlang ins Kühlhaus eingesperrt wird; ausserdem der dauerdümmliche Polizist Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey), der jetzt erst versteht, dass er durchaus noch in der Besoldungsgruppe aufsteigen kann: Im solide geschriebenen und humorvoll umgesetzten «Tatort» Weimar präsentiert sich Thüringen in Sachen Kulinarik und krimineller Energie vielfältig - wenn auch nicht sonderlich spannend.

Der neuste «Tatort» lief am Sonntag, 26. August, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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