Neue SRF-Dokserie «Heimweh»: Ein bisschen mehr Tiefgang, bitte!

von Lukas Rüttimann

22.9.2018

Die SRF-Serie «Heimweh» kehrt den Spiess um: Für einmal stehen Rückkehrer statt Auswanderer im Fokus. Tief blicken liess die erste Sendung aber noch nicht.

Sendungen über Auswanderer sind seit Jahren ein grosser Hit. Mit gutem Grund: Wer träumt nicht davon, alles hinter sich zu lassen und sein Glück an einem neuen Ort zu versuchen? Privatsender und seit einiger Zeit auch das Schweizer Fernsehen bedienen diese Sehnsucht.

Tatsächlich bietet das TV seinen Zuschauern die Möglichkeit, ganz bequem vom Sofa aus ein bisschen von diesem Traum mitzuerleben. Dabei kann man sich nicht nur am Mut der Protagonisten erfreuen – man muss nicht selten auch über ihre oft grenzenlose Naivität staunen. Unvergessen etwa jene Beiträge, in denen Schweizer ohne jegliche Sprachkenntnisse in wirtschaftlich gebeutelten Ländern meinten, ohne weiteres einen Job zu kriegen.

Umgekehrtes Konzept, gleiches Prinzip

Der neue «SRF bi de Lüt»-Vierteiler «Heimweh» kehrt den Spiess für einmal um. Er zeigt nicht etwa Menschen, die ihre Heimat verlassen – sondern solche, die nach langen Jahren im Ausland zurückkehren. Das Prinzip indes bleibt das gleiche: Man sieht exotische Orte und spannende Menschen in abenteuerliche Lebenssituationen.

Der Auftakt zur Serie blieb denn auch wenig schuldig. Die Berichte über die Ordenschwestern in Tansania, der Einblick in das Familienleben der Arnolds in Nevada, der sympathische Kosovare Shaimir Shala, der in seiner Heimat Wanderungen durchführt – sie alle zeigten spannende Figuren, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen.

Vor allem die Geschichte der 18-jährigen Sina Arnold fesselte. Das SRF-Team begleitete die Urnerin samt Familie an den Graduation Day – und auf einem Ausflug an den berühmten Lake Tahoe. Es würde ihr vorerst letzter sein, denn die junge Schweizerin will nach zehn Jahren USA zurück in die Schweiz, um dort eine Lehre zu beginnen. Statt in der Glitzerwelt von Reno oder Las Vegas die neue Freiheit zu geniessen, geht es für sie also zurück in die Enge des Schächentals. Auf den Verlauf dieser Geschichte darf man wahrlich gespannt sein.

Etwas wenig Tiefe

Visuell bot die erste Folge von «Heimweh» jenen Mix aus Porträt und Reisereportage, der Auswanderer-Shows so attraktiv macht. Etwas schmal auf der Brust war die Sendung jedoch inhaltlich. Wie haben die Protagonisten ihr Leben in einem fremden Land gemeistert? Was waren die Probleme? Worin bestanden die Freuden? Welche Vorurteile haben sich bestätigt, welche nicht? Wie definieren sie Heimat, und was sind die Beweggründe für die Rückkehr?

Solche Fragen wurden bisher kaum oder nur sehr oberflächlich beantwortet. Einzig Kosovo-Flüchtling Shaimir liess tief blicken. Etwa als er von der dramatischen Flucht erzählte und enthüllte, wie knapp die fünfköpfige Familie davor stand, auseinandergerissen zu werden.

Reflexionen dieser Art darf man von einem SRF-Format durchaus erwarten. Der Soap-Opera-Aspekt von Auswanderershows wird auf anderen Kanälen schliesslich schon genug bedient. Immerhin: Drei Sendungen bleiben, um in Sachen Tiefgang noch etwas zuzulegen.

«SRF bi de Lüt – Heimweh» lief am Freitag, 21. September, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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