René Schudel: «Ich gehe ziemlich oft in den McDonald's»

Lukas Rüttimann

10.4.2019 - 10:34

Mit «Schudel’s Food Stories» startet René Schudel diese Woche ein neues TV-Kochformat. Im «Bluewin»-Interview erzählt er auch, was ihn an der aktuellen Ernährungsdiskussion aufregt.

Der gebürtige Berner kochte nicht von Anfang an im Fernsehen. Schudel war eine geraume Zeit Küchenchef in diversen renommierten Restaurants – mitunter im Hotel Eden in Arosa und im Benacus in Unterseen im Kanton Bern. Nach dem «Funky Kitchen Club» und «Flavorites» folgt nun die dritte Kochsendung auf Prosieben.

René Schudel, Kochshows am Fernsehen gibt’s wie Sand am Meer. Was bietet «Schudel’s Food Stories», was man nicht schon gesehen hat?

Ich mache, was mir am Herzen liegt und erfinde das Rad nicht neu. «Food Stories» ist eine Mischung aus meinen vorherigen Kochshows «Funky Kitchen Club» und «Flavorites». Die Idee dahinter ist die: Vor jedem Rezept gab es eine Geschichte. Diese Geschichte wollen wir erzählen. Rezepte sind letztlich nur Navigationshilfen. Dazu ziehe ich Leute aus meinem Umfeld mit ein, deshalb ist das auch meine bisher persönlichste Kochsendung.

Für Ihre erste Sendung zieht es Sie nach Finnland ...

... genau. Es wird aber auch eine Geschichte in Grindelwald geben, weil mein Vater von dort kommt. Oder ich war mit Filmregisseur Michael Steiner in Tel Aviv, als er dort «Wolkenbruch» drehte. Wir haben am Strand von Jaffa einen Hummus aus Sellerie zubereitet. Es geht bei diesen Stories also immer um Food, aber auch um das Charisma, das die beteiligten Personen einbringen. Ein anderer Aspekt ist, dass wir immer draussen am offenen Feuer kochen. Frei nach dem Motto: Wenn der Schudel das unter diesen Umständen fertig bringt, kann ich das zuhause am Herd auch.

Ist das die Definition eines «Lumberjack-Kochs», als den Sie sich bezeichnen?

Das ist tatsächlich eine Erfindung von mir, ich fand, dass der Name lustig klingt(lacht). Ich brauche tatsächlich nur ein Messer und ein Feuer, und dann kann's losgehen. Meine Rezepte sind einfach, verständlich und nachvollziehbar. So kennt man man mich seit vielen Jahren. Ich fand auch, dass mir nach zehn Jahren am TV eine solche Sendung zusteht.



Inwiefern spielt das Thema Entschleunigung beim Outdoor-Kochen eine Rolle?

Das ist sicher ein wichtiger Aspekt. Aber das ist nicht das Hauptthema der Sendung. Manchmal kochen wir auf der Glut, manchmal am offenen Feuer, manchmal auf einem riesigen Grill – bei diesem Format gibt es keine Regeln. Wir machen eine ziemlich herkömmliche Kochsendung, die visuell aber grandios umgesetzt daherkommt und in meinen Augen absolute Netflix-Qualität hat. Die Show soll mitreissen, Lust machen, und ich bin guten Mutes, dass uns das gelingt. Ich hatte jedenfalls noch nie so viele Reaktionen wie auf den Trailer von «Schudel’s Food Stories».

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb Kochsendungen seit Jahren so beliebt sind?

Es ist im Grund ganz einfach. Wir wurden erst zu Menschen, nachdem wir mit Kochen begonnen haben. Das kann man anatomisch belegen: Unsere Vorfahren, die nur Rohkost verzehrt haben, haben fast 70 Prozent ihrer Energie für das Kauen verwendet. Als die Menschen mit Kochen begannen, fand eine soziale und geistige Evolution statt. Dieser Urtrieb spielt hinein, wenn es ums Kochen geht. Dazu kommen die Erinnerungen an die Küche daheim: Ich weiss noch genau, wie es gerochen hat, als meine Mutter Sauerkraut im Dampfkochtopf gemacht hat. Solche prägenden Kindheitserinnerungen hat jeder. Das ist etwas sehr Ehrliches. Und dann gibt’s auch noch den Kunstaspekt.

Den Kunstaspekt?

Ja, ein Maler, Schauspieler oder ein Musiker hat am Ende ein Produkt, das er vorweisen kann. Wir Köche fertigen etwas Vergängliches an. Etwas, das wir nicht verewigen können. Das ist schön. Wir haben jeden Tag eine neue Chance und fangen wieder von vorn an. Doch Kochsendungen sind ein Weg, Gerichte in gewisser Weise festzuhalten.

Sie sparen bei der ersten Sendung weder mit Butter noch mit Salz oder Zucker. Wie wichtig ist es Ihnen, gesund zu kochen?

Wie viel Butter ist für mich nicht die Frage. Die Frage ist, in welcher Qualität und in welchem Zusammenhang man Butter verwendet. Was ist denn schon gesund? Ist es, ein bisschen Butter zu essen – oder ist gesund, einen synthetischen Fettstoff zu verwenden?

Finden Sie die aktuelle Ernährungsdiskussion fehlgeleitet? Jeder Fünfte soll heute aufgrund falscher Ernährung sterben, wie kürzlich vermeldet wurde.

Ich finde einfach, man sollte bei der Ernährungsdiskussion mal wieder den Kopf einschalten und den gesunden Menschenverstand nicht vergessen. Es stimmt zwar, dass sich viele Leute einseitig ernähren. Aber gesunde Ernährung hat auch mit Freude am Essen zu tun. Eine falsche Ernährung wird auch durch ein falsches Gesellschaftsbild ausgelöst. Heute musst du ein Sixpack haben und darfst nur so und so viele Kilos auf die Waage bringen. Da werden Kalorien und Fette gezählt, während in unserer Elterngeneration das wohl eher zu wenig gemacht wurde. Die Kehrseite ist, dass wir heute viel mehr unglückliche Menschen haben, und das ist ganz sicher auch nicht gesund. Man darf gesunde Ernährung nicht auf Fette, Proteine und Carbs reduzieren.



Sie propagieren mehr Freude am Essen?

Absolut. Wenn einer auf seinen Buttergipfel noch Konfitüre und Butter drauf streicht, ist das sicher nicht das Gesündeste. Wenn er das aber einmal die Woche am Sonntagmorgen macht und entsprechend zelebriert, spielt das keine Rolle. Man sollte gesunde und ungesunde Ernährung auf keinen Fall generalisieren. Man macht den Leuten auch zu oft Angst; dabei kann man alles essen, solange es nicht exzessiv ist.

Welche kulinarische Sünde begehen Sie selbst?

Für einen Koch in meinem Alter gehe ich wohl ziemlich oft in den McDonald’s. Aber auch da: Wenn ich um Mitternacht auf der Autobahn Hunger habe, ist es doch etwas Grossartiges, einen Burger essen zu können. Ganz abgesehen davon, dass es in manch einer Dorfbeiz ungesündere Menüs gibt als bei McDonald’s. Man sollte sich und seinem Körper einfach immer genug Erholung gönnen – und zwar in jeder Hinsicht.

«Schudel's Food Stories» läuft am Mittwoch, 10. April, um 18 Uhr auf Prosieben. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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