Sandro Brotz: «Gianni Infantino würde ich gerne begrüssen»

Carlotta Henggeler

17.5.2019 - 12:12

Herr der Polit-«Arena»: Sandro Brotz (49) übernimmt ab heute die SRF-Politsendung.
SRF

Sandro Brotz ist der neue Mann in der SRF-«Arena». Warum er gerne Fifa-Boss Infantino einladen würde, warum er zur Premiere einen Stein im Hosensack hat – und wie er heute zu Bundesrat Ueli Maurer steht.

Herr Brotz, Sie wagen sich heute bei SRF erstmals in die «Arena». Sie sind als harter Interviewer bekannt. Können Sie für Ihre neue Herausforderung auch nett sein?
Ich bin doch nett (lacht).

Gut, dann sagen wir: diplomatischer?
Nachfragen heisst ja nicht, dass man nicht nett ist oder eine schlechte Kinderstube hatte. Oder man jemanden an die Wand drücken möchte. Ich sehe meine Aufgabe als Moderator darin, es für den Zuschauer genau wissen zu wollen. Mein Ziel ist es, einen Mehrwert für den Zuschauer zu erreichen – der sich auch fragt, warum der Interviewte die Frage jetzt nicht konkret beantwortet und so etwas auch spürt. Mir ist klar, dass die «Arena» buchstäblich eine andere ist als die «Rundschau» und sich meine Rolle damit verändern wird.



Viel nachzufragen könnte den Diskussionsfluss bremsen.
Es braucht beides. Man muss eine Diskussion, wenn es spannend ist, laufen lassen. Wenn man aber merkt, dass man nicht weiterkommt oder zum nächsten Thema weitergehen sollte, dann muss ich einzugreifen. Das wird ein Balance-Akt. Dafür habe ich neu 70 Minuten Sendezeit und mehr Gäste.

TV-Direktorin Nathalie Wappler findet, Sie seien eine gute Wahl.
Das freut mich, wenn man mich für eine gute Besetzung hält. Aber ich weiss, dass ich das erst beweisen muss.

Vor der heutigen Premiere lastet ein grosser Druck auf Ihren Schultern.
Stimmt, es ist eine Anspannung da. ich versuche allerdings immer, das positiv zu benennen. Druck ist eine Herausforderung, und diese wiederum habe ich gesucht. Nach sieben Jahren bei der «Rundschau» hatte ich Lust auf Neues.

Wie werden Sie in der «Arena» gefordert?
In der ersten Sendung wird man genau drauf schauen, wie macht es der Neue, ist er gleich wie in der «Rundschau»? Oder hat er noch eine andere Klaviatur drauf? Da freue ich mich schon sehr darauf, zeigen zu können, dass ich auch noch andere Seiten besitze, die ich auch noch in diesem Format besser zur Geltung bringen kann, weil das Korsett in der «Arena» durch die Sendelänge und den Gästen weniger eng ist.

Welche andere Seite?
Ich bin ein grosser Freund von leidenschaftlichen Diskussionen, die nicht auf eine persönliche Ebene abzielen, das wird in der «Arena» so sein wie schon in der «Rundschau». Aber man sollte auch zwischendurch mal über etwas lachen können. Das Schöne an unserem Land ist, dass wir in einer direkten Demokratie mit einer Meinungs- und Redefreiheit genau das miteinander «ausbeinlen» können.

Nach nur einer Woche Einarbeitung legen Sie schon los. Das ist sehr sportlich, oder?
Sport ist mir als leidenschaftlicher Jogger und Marathonläufer nicht ganz fremd. Das hilft mir in der Vorbereitungsphase. Wenn du dich für einen Wettkampf vorbereitest, kommst du langsam in einen Tunnel hinein, wenn es dann Richtung Tag X geht. Das ist hier jetzt auch so. Tag X ist gekommen, dann musst du auf darauf vertrauen, dass du das abrufen kannst, was du im Rucksack drin hast.

Die Bandbreite der Themenwahl ist in der «Arena» riesig. Welche interessieren Sie brennend?
Politik spielt in jedem Lebensbereich eine Rolle. Ich freunde mich sehr schnell mit einem Thema an, sobald ich mich in die Materie eingelesen habe. Da habe ich keine Abneigungen. Ich finde, gesellschaftspolitische Themen sollten auch in der «Arena» Platz haben.

Beispiel?
Wenn es um Religion geht oder das Zusammenleben in seinen verschiedenen Formen. Es soll immer mit einer politischen Aktualität verknüpft sein. Eines meiner Vorhaben ist es, in der Sendung Leute dabei zu haben, die nicht nur in der Wandelhalle sind oder Politik in den Räten machen, sondern auch einen Aussenblick einbeziehen. Wie ich es etwa von meinem heutigen Gast erwarte, dem Schriftsteller Lukas Bärfuss.

Welche weiteren Gäste stehen auf Ihrer Einladungsliste zuoberst?
Fifa-Präsident Gianni Infantino würde ich gerne begrüssen und mit ihm über die Entwicklung im Sportbusiness sprechen. Da ist viel in Bewegung, seit er Blatter beerbt hat. Und SBB-Chef Andreas Meyer, nicht nur, weil ich täglich pendle. Generell Leute, welche in entscheidenden und verantwortungsvollen Positionen sind. Sie sollten sich nicht scheuen, Diskussionen in Sendungen zu führen.

Apropos Gäste. In der Vergangenheit gab es hitzige Gespräche mit Bundesrat Ueli Mauerer und SVP-Politiker Christoph Mörgeli.
Kürzlich begegnete mir Ueli Maurer hier im Haus, als er in einer «Arena» von meinem Vorgänger Jonas Projer war. Wir haben kurz miteinander gesprochen und uns die Hand gegeben. Für mich ist das Thema Vergangenheit, das Wortgefecht entstand in einer gewissen Situation. Ich bin zuversichtlich, dass wir miteinander eine Möglichkeit finden, an ein neues Gespräch anzuknüpfen, das weniger hitzig verlaufen wird.

Ist es nicht schwierig, in der «Arena» neutral zu bleiben, seine eigene politische Haltung aussen vor zu lassen?
Muss man neutral sein? Ich glaube eher, man sollte alle gleichbehandeln. Wenn man das unter neutral versteht, dann ja. Man kann durchaus mit einer Haltung im Studio stehen, die nicht politisch gefärbt ist. Aber mit der Haltung, dass man es genauer wissen will. Ich muss nicht meine politische Einstellung vor der Sendung in der Garderobe zurücklassen. Das ist ein professioneller Mechanismus – das hat schon von Anfang an keinen Platz.

Sie sind ein reger Nutzer von Sozialen Medien. Und sagen, für die «Arena» Facebook und Co. noch mehr nutzen zu wollen.
Wir bewegen uns in einem digitalen Zeitalter, bei dem man nicht weiss, in welche Richtung es sich weiterentwickeln wird. Aber die Sozialen Medien bieten uns zahlreiche Möglichkeiten, die Leute zu erreichen. Auch jene, die keine klassischen «Arena»-Zuschauer sind.

Veröffentlichen Sie dann Fotos mit ihrem Sohn beim Fussballspielen?
Nein, ich werde persönlich sein, aber nicht privat. Man wird keine Fotos von meinem Sonntagsmorgenbrunch sehen. Ich will Nähe zulassen, denn ich bin überzeugt, wir müssen im Austausch mit dem Publikum sein. Es bezahlt ja auch unsere Gehälter.

Viele Leute sind Social-Media-süchtig. Können Sie in der Freizeit darauf verzichten?
Mein Umfeld sagt, dass ich gefährdet bin und vermehrt das Handy weglegen soll (lacht). Handyfreie Blöcke fallen mir schwer.

Opernsänger stimmen sich stundenlang vor dem Auftritt ein. Wie sieht Ihr Warm-Up aus?
Mein Ritual wird gleichbleiben, wie bei der «Rundschau». Ich werde vor der Sendung ein paar Kilometer laufen gehen. Ich stelle mir dabei wie ein Skifahrer die Strecke vor, also in meinem Fall: den Sendungsverlauf. Wo sind die heiklen Kurven, wo die gefährlichen «Buggeli», auf die ich aufpassen muss? Die Etappen im Kopf visualisieren, was ich dort für Fragen stellen würde – das gibt mir Ruhe. Spätestens bei Beginn des Signets werde ich aber Herzklopfen haben.

Haben Sie einen Talisman?
Ja, ab und zu habe ich einen Glücksstein im Hosensack. Er wurde mir von einem Menschen geschenkt, der mir viel bedeutet

Ist der Stein bei der Premiere heute dabei?
Ja.

Zuerst die «Rundschau», jetzt die Moderation der «Arena». Journalistisch sind Sie bei SRF in der Champions League angekommen. Sie können nur noch TV-Direktor werden.
Hören Sie auf! (lacht) Ich habe nie eine Laufbahnplanung gemacht. Ich habe immer Herausforderungen angenommen, die mich als Journalist gereizt haben. Die «Rundschau» ist genauso Champions League, wie es die «Arena» ist.

Wie werden Sie sich nach der Premiere belohnen?
Ich denke schon heute daran, was wir nächste und übernächste Woche für Themen wählen könnten. Geistig habe ich schon eine Schublade aufgemacht, in der sich bereits Themen und Gäste befinden. Nach der Premieren-Sendung werde ich mir bestimmt zusammen mit dem «Arena»-Team ein Bier gönnen.

Was wollten Sie als Kind werden?
Archäologe, Knochen auszugraben fand ich spannend, habe viele Bücher darüber gelesen. Wie haben die Menschen vor Jahrmillionen Jahre gelebt, was gab es für Tiere. Heute bin ich ja auch eine Art Archäologe. Ich forsche nach, was sich unter der Oberfläche befindet. Unbewusst geht damit ein Kindheitstraum in Erfüllung.

Viele Themen sind durch die politische Wahlagenda bereits gesetzt. Wie stark können Sie mit ihrem Team eigene Sendeschwerpunkte setzen?
Das ist ein gemeinsamer Prozess. Ich merke jetzt schon nach einer Woche Zusammenarbeit, wie es ist, wenn alle zusammen an einem Thema arbeiten. Da ist viel Denkarbeit dahinter, es kommen viele Ideen rein. Das empfinde ich als sehr fruchtbar.


«Arena - Das EU-Puzzle» läuft heute, Freitag, um 22.25 Uhr auf SRF1. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach Ausstrahlung anschauen.

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