Wer «Grey's Anatomy» schaut, ist klar im Vorteil

Gil Bieler

14.9.2020 - 11:27

Im Operationssaal wird genauso intensiv geredet wie gearbeitet.
ABC via Getty Images

Mit Schutzmasken ein Gespräch zu führen, ist knifflig: Man sieht ja vom Gesprächspartner nichts ausser den Augen. Um sich in dieser hohen Kunst zu schulen, hilft nur eines: «Grey's Anatomy» schauen. 

So nützlich und sinnvoll Atemschutzmasken auch sind: Sie machen einem das Leben alles andere als einfach. Vor allem die Kommunikation: Seinem Vis-à-vis während eines Gesprächs zu folgen, wenn die halbe Mimik verdeckt ist, wird zu einer Kunst. Von den Augen ablesen, das können leider nur Frischverliebte.

Doch nicht verzagen, es gibt ja noch «Grey‘s Anatomy»: Wer die Spitalherzschmerzserie schaut, ist in unserer neuen Realität klar im Vorteil. Denn auch im OP-Saal herrscht Masken-, aber keine Schweigepflicht. Und so diskutieren die Chirurginnen und Chirurgen, während sie nebenher irre komplizierte Eingriffe vornehmen, allerlei Alltagsdramen.

Und die kommen in «Grey‘s Anatomy» nicht zu knapp. Aktuell läuft Staffel 16 auf SRF, und so weit habe ich das bisher verstanden:

Dr. Meredith Grey, die titelgebende Ärztin, ringt noch immer mit ihren Gefühlen für Dr. Andrew DeLuca, der nur blöderweise gerade seinen Verstand verliert (aber dennoch weiterhin im Spital arbeitet, irgendwie). Gleichzeitig wird sie von einem anderen Chirurgen umgarnt, dessen Name mir gerade nicht einfällt (sorry, bin erst spät in die Serie eingestiegen). Dann ist da Richard Webber, der mit Merediths Mutter einst eine Affäre hatte, aber das nur nebenbei, die Mutter ist mittlerweile ohnehin verstorben, jedenfalls hat auch Dr. Webber mit Realitätsverlust zu kämpfen. Seine Tochter Maggie Pierce, die auch Merediths Halbschwester ist, arbeitet ebenfalls im Grey Sloan Memorial Hospital und hat sich in der letzten Folge Hals über Kopf in eine Affäre mit einem alten Bekannten gestürzt. Dann steckt Dr. Teddy Altman in einem Dilemma, da sie ein Kind von Dr. Owen Hunt erwartet, aber sich noch immer zu Dr. Tom Koracick hingezogen fühlt. Heavy. Und Dr. Jo Wilson ist der Mann abgehauen, einfach so!

Okay, manchmal wird auch ganz ohne Gesichtsschutz getratscht. 
Bild: ABC via Getty Images

All dies und noch weeeeeeeitaus mehr Drama besprechen die Götter und Göttinnen in Weiss wie gesagt oft hinter Schutzmasken. Glauben Sie mir: Wer all diesem Auf und Ab der Gefühle folgen kann, für den wird der nächste Maskensmalltalk beim Einkaufen ein Klacks.

Und eines steht fest: Die Schauspielerinnen und Schauspieler aus «Grey's Anatomy» verdienen allesamt einen Oscar. Nicht nur dafür, dass sie solch komplexe Emotionen trotz Schutzmaske rüberbringen müssen, sondern auch für ihre Vorbildfunktion, was das Maskentragen angeht.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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