Eine wunderbare Liebeserklärung an den Gin

Peter Jauch

29.11.2020 - 00:00

Die leuchtende Gin-Ecke in der Bar 4 Tiere in Zürich.
Bild: Anja Prestel

Die Liebeserklärung ist ziemlich ausführlich ausgefallen – 424 Seiten dick ganz genau. Von der Herstellung über die Geschichte bis hin zum Flaschendesign und den aufregendsten Sorten ist in «Gin – Das Buch» von Peter Jauch alles drin.

Wie bin ich auf den Gin gekommen? Als ich Mitte 20 war, galt Gin nicht als besonders hip und mein Lieblingsgetränk war es auch nicht. Ich denke, mein Gaumen war damals noch nicht bereit für den herb-bitteren Geschmack der Spirituose.

Später bekam der Gin seine Chance doch noch bei mir. Wir schreiben das Jahr 2011: Mit dem Patenonkel meiner jüngsten Tochter, Ricardo Dasio, war ich im Langstrassen-Viertel unterwegs. Wir machten unter anderem einen Abstecher in die erste Zürcher Gin-Bar, das «Dante».

Ricardo empfahl mir einen Monkey 47. Das sei ein neuer Gin, interessanterweise aus dem Schwarzwald und komplett anders interpretiert als herkömmliche Gins. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, wie gesagt, noch nicht viel über Gin. Ich kannte Gordon's, Beefeater, Bombay, Hendrick's – mehr nicht.

Grosse Geschmacksvielfalt

In den folgenden Jahren verkostete ich viele verschiedene Gins und trank mich durch manch eine Barkarte. Die grosse Erleuchtung geschah 2016, als ich im Rahmen meiner Tätigkeit für ein Medienhaus häufiger in Wien weilte. Wien ist eine tolle Stadt mit einem grossartigen Gastronomie- und Bar-Angebot.

In der Nähe des Hotels, in dem ich regelmässig nächtigte, befindet sich die Gin-Bar «Torberg» von Gerald Gsöls. Er führte zu diesem Zeitpunkt bereits über 500 Gins (heute sind es über 600). Nein, ich habe nicht alle probiert, mit der Zeit weiss man schliesslich, was einem schmeckt. Und gerade beim Gin ist die Geschmacksvielfalt so breit wie bei keiner anderen Spirituose.

Sloe & Kaffee im Botanic District in Hamburg: Sloe Gin, Kaffirlimetten-Sirup, Limettensaft und gefrorene Kaffirlimetten-Blätter.
Bild: Anja Prestel

Bei Gsöls, der österreichischen Gin-Koryphäe, habe ich aber nicht nur getrunken, sondern auch regelmässig genau hingehört. So entstand in meinem Kopf irgendwann die Idee für ein Festival, bei dem der Gast in unterschiedlichen Räume Erlebnisse sammeln kann.

Das erste «Gin Erlebnis Festival» fand 2018 in Zürich statt. Mit von der Partie war Daniel Strässle, ein ehemaliger Arbeitskollege. Ihm habe ich es zu verdanken, dass meine Ideen Realität wurden.

«All you can Gin»

Gin ist vielfältig einsetzbar. In der Folge begann ich immer öfter die Spirituose in meine Kochrezepte einzubauen. So hiessen die Speisen, die ich meinen Gästen servierte, plötzlich GINdue, GINolese oder GINsotto.

Aus diesen Verrücktheiten wurde ein «All you can Gin», ein Event-Format mit drei Köchen. Dieses durften wir, also Philipp Wagner, Urs Michel, Luca Mösender und ich, an der Food Zürich 2019 uraufführen.

In jener Zeit reifte in mir der Gedanke, ein Gin-Buch zu realisieren. Aber wie bekommt man ein Erlebnis in ein Buch verpackt? Das war die grosse Frage.

Worte und Haptik kann ein Buch sehr gut. So machte ich mich auf die Suche nach einem ungewöhnlichen Format. Es brauchte Zeit, und zwar eine ganze Menge davon. Schliesslich hatte ich in meinem Leben bisher nur Arbeiten fürs Studium oder Konzepte geschrieben.

Marken und Menschen

Ich wollte in meinem Buch hinter die Marken schauen und Menschen, die tagtäglich für und mit Gin arbeiten, in den Vordergrund rücken. Da ich aber noch nie ein Buch herausgegeben hatte, war mir rasch klar: Eine gute, sehr gute Crew musste her: Fotograf, Buch-Designer und Autoren für die Porträts der Gin-Marken.

Will mit «Gin – das Buch» den Lesenden auf eine Entdeckungsreise nehmen: Peter Jauch.
Bild: zVg

Seit der ersten Ausgabe des «Gin Erlebnis Festivals» bin ich mit den Gründern von Aqua Monaco aus München freundschaftlich verbunden; sie vernetzten mich mit der Münchner Fotografin Anja Prestel und dem Buchdesigner Philipp von Keisenberg. Und ich lernte die Gin-Blogger von Ginvasion, Sebastian Schuster und Vanessa Schwan, kennen. Sie haben sehr viele der über 300 Gin-Porträts geschrieben.

Meine Reisen führten mich in den vergangenen Monaten nach Hamburg, Berlin, München, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart, London, Newcastle, Linz, Ehrenhausen und wieder zurück nach Zürich. Ich tauchte immer tiefer und tiefer ins Thema Gin ein. Jede Reise war spannend, auf jeder Reise lernte ich Neues kennen.

Bis es vor wenigen Wochen so weit war und mein Baby geboren wurde: «Gin – das Buch» hat einen Umfang von 424 Seiten und ein Gewicht von 2,4 Kilogramm.

Bibliografie: «Gin – Das Buch», Peter Jauch, AT Verlag, 424 Seiten, Fr. 59.90 

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