Die Krux mit dem Coronavirus und dem Heuschnupfen

Runa Reinecke

17.3.2020 - 18:00

Wer niest, wird unter Umständen zur Virenschleuder. 
Bild:  iStock

Viele Pollenallergiker sind verunsichert. Haben sie ein erhöhtes Risiko, sich mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 anzustecken oder besteht in Wahrheit ein ganz anderes Problem? 

Der Frühling ist da, die Temperaturen steigen – doch nicht jeder erfreut sich am Spriessen und Blühen auf den Wiesen. Für 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer macht sich der Pollenflug mit einer laufenden Nase, juckenden, geröteten Augen, Niesanfällen, Husten, aber auch durch Abgeschlagenheit bemerkbar.

Nun geraten die ohnehin schon geplagten Pollenallergiker auch noch unter Generalverdacht, an COVID-19 erkrankt zu sein, denn auch Heuschnupfen kann zu Hustenreiz führen.

Zwar gehört das Niesen nicht zu den typischen Symptomen einer COVID-19-Erkrankung. Sind Pollenallergiker aber gleichzeitig Träger von SARS-CoV-2, ergibt sich daraus eine erhöhte Ansteckungsgefahr für Menschen, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung aufhalten.

«Wenn eine infizierte Person mehr niest und die Hygienemassnahmen nicht einhält, ist entsprechend mit einer grösseren Verteilung der Tröpfchen zu rechnen», bestätigt Katrin Holenstein, Mediensprecherin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), «Bluewin».

Therapien beibehalten 

Das BAG empfiehlt, sich von anderen Personen abzuwenden und in ein Nastüechli oder in die Armbeuge zu niesen oder zu husten. Nastüechli sollten – auch nach dem Naseschnäuzen – sofort im Abfallkübel entsorgt und danach die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden.



Doch wie sieht es umgekehrt aus? Müssen Heuschnupfengeplagte eher fürchten, mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt zu werden?

Grundsätzlich hätten Menschen mit Heuschnupfen ein leicht erhöhtes Risiko für virale Infektionen. Dies läge daran, dass in ihrem Körper entzündliche Reaktionen stattfänden, auf die sich Bakterien oder Viren «gerne draufsetzen», wie Prof. Thomas Fuchs, Vizepräsident des Ärzteverbands deutscher Allergologen, auf «swp.de» zitiert wird.

Fuchs geht, genau wie Prof. Karl-Christian Bergmann, Leiter der Stiftung des deutschen Polleninformationsdienstes, nicht von einer Bedrohung für Heuschnupfenallergiker aus. Viel entscheidender ist, wie gut das Immunsystem funktioniert.

«Personen mit einem Heuschnupfen haben keine verminderte immunologische Abwehr», vermeldet Bergmann auf Pollenstiftung.de. Sie seien nicht «immun-geschwächt», und die Abwehr des Immunsystems gegen Bakterien und Viren funktioniere bei ihnen normal.

Verstärkte Reaktion auf Pollen

«Pollenallergiker haben eine verstärkte immunologische Reaktion auf die in der Luft fliegenden Pollen», sagt der Mediziner. Personen, die eine Immuntherapie zur Hyposensibilisierung mit Spritzen, Tabletten oder Tropfen durchführten, sollten diese nicht abbrechen, sondern beibehalten.

Bleibt eine Allergie unbehandelt, vollzieht sich für 30 Prozent der Betroffenen im Laufe der Zeit ein sogenannter Etagenwechsel: Aus der zwar lästigen, aber als harmlos empfundenen Krankheit entwickelt sich ein Asthma, wie «Aha!», das Allergiezentrum Schweiz, berichtet.



Betroffene sollten die ärztlich empfohlene Asthma-Therapie unverändert und konsequent fortsetzen,  und es bedürfe keiner Änderung ihrer medikamentösen Behandlung, erklärt Karl-Christian Bergmann

Die Coronavirus-Krise – eine Chronologie

Zurück zur Startseite