Albträume, Schnarchen, Krämpfe

Mehrheit der Schweizer*innen schläft eher schlecht als recht

stsc, sda

20.6.2022 - 17:55

Playmobil Spielzeug in der Praxis einer Psychotherapeutin, spezialisiert auf die Therapierung von Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aufgenommen am 27. Februar 2020 in Thalwil. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
63 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen geben an, besser zu schlafen, nachdem sie Sex hatten.
KEYSTONE

Fast zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer werden in der Nacht von mindestens einer Form von Schlafstörung geplagt. Nur knapp die Hälfte gibt an, gut bis sehr gut schlafen zu können.

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20.6.2022 - 17:55

Die Hitze, die auch über Nacht nur unwesentlich nachlässt, raubt vielen den Schlaf. In eine von der Krankenkasse Sanitas mitfinanzierte  Gesundheitsstudie ist diese Erfahrung aber nicht einmal eingeflossen. Zur Qualität ihres Schlafs befragt, gab nur rund die Hälfte an, gut und erholsam zu nächtigen.

Als «nicht bis überhaupt nicht gut» bewertet hingegen jeder und jede Fünfte den eigenen Schlaf. Dies geht aus der von der Krankenversicherung Sanitas finanzierten «Health Forecast»-Studie hervor. An der Befragung nahmen rund 2000 Personen zwischen 18 und 74 Jahren aus allen Landesteilen teil.

Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer klagen noch am seltensten über schlechten bis sehr schlechten Schlaf (19 Prozent). Bei den Romands sind es 26 Prozent, im Tessin gar 32 Prozent. Zudem scheinen Städter mehr Mühe mit ihrem Schlaf zu haben als Menschen, die auf dem Land leben.

Muffel: Die schlechtesten Schläfer

Viel Einfluss auf die Schlafqualität hat offenbar auch, welchen «Gesundheits-Charakter» sich die Befragten selbst zuschreiben: Gesundheits-Muffel klagen deutlich häufiger über schlechten Schlaf als die Gesundheits-Enthusiasten, -Pragmatikerinnen und -Interessierten.

Wie Studien nahelegen, wirken sich schlechter Schlaf und Schlafmangel auf die Gesundheit und das psychische Wohlbefinden aus. So können Schlafprobleme und -mangel etwa Depressionen verstärken, die Antriebslosigkeit verschärfen und zu mehr Unfällen führen. Längerfristig erhöht sich auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie schädlich Schlafmangel sein kann, das wissen der Befragung zufolge viele allerdings nicht.

Albträume rauben Schlaf

Zähneknirschen, Schnarchen und Wadenkrämpfe sind nur ein paar Beispiele der schlafraubenden Faktoren, unter denen die Schweizer*innen leiden. Auch mit Durchschlafstörungen und Einschlafstörungen haben viele zu kämpfen, tendenziell mehr Frauen als Männer.

Von Albträumen wird fast jeder und jede Zehnte so stark geplagt, dass er oder sie dies als Schlafstörung bezeichnen würde. Die Hälfte der Befragten wird mindestens einmal im Jahr von furchteinflössenden Träumen verfolgt. Wenn es möglich wäre, würden knapp die Hälfte gern Träume beeinflussen können und die Regie übernehmen. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar zwei Drittel, bei den über 60-Jährigen hingegen nur ein Drittel.

Die Studienergebnisse des «Health Forecast» flossen ein in das am Dienstag erscheinende Buch mit dem Titel «Das neue Du». Eingebettet sind die Resultate auf gut 400 Seiten mit Tipps, Porträts, Reportagen und Interviews.

Biologische Uhr gerät durcheinander

Rosita Neumann, Neurologin und Schlafmedizinerin am Zentrum für Schlafmedizin der Hirslanden-Gruppe in Zürich hält in einem Interview im Buch fest, dass «die Verwischung der Trennlinien zwischen Beruf und Privatleben» durch die ständige Erreichbarkeit uns häufiger oder permanent gestresst zurücklasse. «Schauen wir abends in diesem angespannten Zustand auf unser Handy, anstatt zu schlafen, gerät unsere biologische Uhr zusätzlich durcheinander und hält uns erst recht vom Schlafen ab», wird die Forscherin zitiert.

Tatsächlich werden Stress und Sorgen von 91 Prozent der Befragten verantwortlich gemacht für schlechten Schlaf. Ebenso stehen Handy-, PC- und TV-Konsum auf der Liste der Störenfriede, neben Schmerzen, Lärm, falscher Ernährung, Alkohol, Bewegungsmangel und mehr.

Sex für besseren Schlaf

Um den Schlafstörungen entgegenzuwirken, greift fast jeder und jede zehnte Befragte zu Medikamenten. Ähnlich viele versuchen es mit homöopathischen Mitteln und fast jeder zwanzigste mit CBD-Tropfen.

63 Prozent der Männer geben zudem an, nach dem Sex besser zu schlafen, bei den Frauen sind dies 46 Prozent. Vor allem die Tessinerinnen und Tessiner bewerten Sex als ein hilfreiches Mittel für guten Schlaf.

Doch was ist guter Schlaf überhaupt? Christian Neumann, Leiter des Schlaflabors Fluntern in Zürich, hat darauf eine einfache Antwort: «Der Schlaf ist dann gut, wenn ich von allein aufwache, mich erholt und ausgeruht fühle und für den Rest des Tages ausreichend Energie habe.»

SDA, smi

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