Im Notfall setzt diese Ärztin auf Hypnose

3.10.2019 - 17:52, Helen Hoffmann, dpa

Laut Notärztin Annette Held kann Hypnose helfen, Schmerzen auszuschalten und Blutungen oder Atemnot zu reduzieren. 
Source: Carmen Jaspersen, dpa

Ob bei einem Unfall oder einer Herzattacke: Menschen in medizinischen Ausnahmesituationen geraten schnell in Panik. Um sie zu beruhigen, versetzt eine Ärztin sie in einen veränderten Bewusstseinszustand.

Die Notärztin Annette Held hilft mit Worten. Mit einer speziellen Hypnosetechnik könne sie Notfallpatienten beruhigen – und Schmerzen unterbrechen, sagt sie.

«Kurzzeitig merken sie sie nicht» erklärt die 56-Jährige. «Man kann damit gebrochene Knochen wieder in die richtige Stellung bringen.» Der Ärztin zufolge kann die Technik auch dabei helfen, Blutungen oder Luftnot zu reduzieren.

Patienten werden in Trance versetzt

«Bei Leuten mit Luftnot ist es so: Je mehr Angst, desto mehr Luftnot. Mit Hypnose können Sie diesen Kreislauf durchbrechen», erklärt Held, die im Jahr 2015 mit ihrem Kollegen Thomas Kemmler-Kell das erste deutsche Ausbildungsinstitut für Notfall-Hypnose in Bremen gegründet hat. In den Seminaren lernen Fachkräfte aus dem Rettungsdienst, wie sie Menschen über Sprache in eine angenehme Trance versetzen.

Held zufolge sind Patienten in Notfallsituationen besonders empfänglich für Hypnose. «Durch den Notfall schafft sich die Psyche einen eigenen Trancezustand – den können Sie benutzen, um schnell zu intervenieren», erklärt sie.

«Der Erfolg ist sehr gut.» Ihr zufolge sind die meisten Patienten dankbar für das Angebot. «Fast alle gehen mit. Es ist ihnen völlig egal, was wir machen, Hauptsache die Situation, in der sie sich befinden, hört auf.»

«Kein Allheilmittel, sondern ein weiteres Werkzeug»: So beschreibt Annette Held die Notfallhypnose.
Bild: Keystone

Notarzt Tobias Schmidt hat jüngst ein zweitägiges Ausbildungsseminar in Bremen besucht. «Ich denke, es ist kein Allheilmittel, sondern ein weiteres Werkzeug für bestimmte Situationen, zum Beispiel in der Behandlung von Schmerzen», sagt der Facharzt für Anästhesie über die Notfall-Hypnose.

Neben der positiven Wirkung auf die Patienten erhofft sich der 43-Jährige eine Erleichterung seiner Arbeit. «Als Notarzt ist der Einsatz sehr herausfordernd. Je mehr Möglichkeiten man hat, eine solche Situation zu meistern, desto ruhiger geht man zum Einsatz.»

«Es ist so ähnlich wie wenn man döst»

Stefanie Borchardt, Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege, will ihr neues Wissen im Spital anwenden. «Ich denke, das ist etwas, wovon die Patienten profitieren können», sagt die 51-Jährige nach dem Wochenende in Bremen.

Sie selbst habe die Übungen genossen. «Man merkt, wie gut die Entspannung tut, wenn man mal alles locker lässt.» Den Zustand einer Notfall-Hypnose beschreibt sie als wohliges Gefühl. «Es ist so ähnlich wie wenn man döst, wenn man bis tief zu den Füssen durchatmen kann.»

Der emeritierte Professor Ernil Hansen, der am Universitätsklinikum Regensburg in der Hypnoseforschung und -lehre tätig ist, hält Sprache für ein ausserordentlich wichtiges Mittel bei Notfalleinsätzen.

Patienten hätten dann oft grosse Angst, was sich ungünstig auf das Immunsystem auswirke. «Wenn einer Angst hat und aufgeregt ist, geht der Blutdruck hoch. Das kann gefährliche Folgen haben.» Ihm zufolge gehen Notfallpatienten in eine natürliche Trance. «Es ist ein Schutzmechanismus. In der Trance hat der Körper Fähigkeiten, die er sonst nicht hat», erklärt der 71-Jährige.

Gefahr des Missbrauchs

Den Weg, Notfallpatienten mit einer therapeutischen Kommunikation zu begleiten, findet Hansen richtig. Dass Einsatzkräfte wie Rettungssanitäter Menschen hypnotisieren, hält der Anästhesist aber für falsch. Hypnose sollte als Therapie nur von Psychotherapeuten und Ärzten angewendet werden, fordert er.

Die Gefahr des Missbrauchs sei gross. «Hypnose ist ein ganz scharfes Schwert.» Bei Notfallpatienten sehe er auch keine Notwendigkeit für eine Hypnose. «Der Patient ist schon in einer Trance. Ich muss nur damit umgehen können.»

Das Bremer Ausbildungsinstitut sieht Hansen deshalb zwiespältig. «Das Wesentliche dort wird das sein, was ich für gut heisse, nämlich Techniken zu vermitteln, wie man Menschen im Notfall beruhigen kann.» Techniken, wie man eine Hypnose einleitet oder vertieft, gehören aus Sicht des Forschers nicht in eine zweitägige Weiterbildung für Rettungskräfte.

Die Psychologin Teresa Deffner, die im Universitätsklinikum Jena auf der Intensivstation mit Hypnose arbeitet, sieht das genauso. Es sei äusserst wichtig, dass Rettungskräfte wüssten, wie sie Sprache beruhigend und therapeutisch einsetzen könnten. Aber: Hypnose sollte Therapeuten vorbehalten sein.

Held hingegen meint, es gebe bei der Notfall-Hypnose keine Risiken, wenn die Technik vernünftig gelernt werde. Angst brauche niemand zu haben.

«Sie sind in Hypnose immer selbstwirksam, sie können das, was passiert, immer steuern, sie können einfach aufhören.» Wenn sie Notfallpatienten behandelt, verzichtet die Ärztin auf das Wort Hypnose. «Wir sagen, wir benutzen eine beruhigende Technik.»

Herzstillstand: Wissen Sie, was jetzt zu tun ist?

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... dann verständigen Sie umgehend den Notruf unter der Nummer 144 oder bitten sie eine andere, anwesende Person, eine Ambulanz zu rufen. Wichtig ist, am Telefon ruhig zu bleiben. Schildern Sie ohne Umschweife, was passiert ist und geben Sie präzise den Standort durch. 
Je früher Sie mit den Wiederbelebungsmassnahmen beginnen (hier dargestellt mit einem Dummy), desto besser. Positionieren Sie dafür beide Hände  in der Brustkorbmitte (untere Brustbeinhälfte). 
Drücken Sie kräftig und in regelmässigen Abständen 100 bis 120 Mal pro Minute auf den Brustkorb.  Drücken Sie den Brustkorb um 5 bis  6 Zentimeter ein. Um im richtigen Rhythmus zu bleiben, singen Sie dabei einen Song mit (das muss nicht laut sein), der entsprechend vielen beats per minute entspricht, zum Beispiel «Stayin’ Alive» von den Bee Gees. Verzichten Sie auf eine Beatmung, falls Sie darin nicht geschult sind. 
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