Leihen statt kaufen — diese Boutique ist ein grosser Kleiderschrank

Nicolai Morawitz

27.6.2019 - 09:55

Der geteilte Kleiderschrank – zu Besuch in einer Leihboutique

Der geteilte Kleiderschrank – zu Besuch in einer Leihboutique

Weniger Kleider kaufen, in dem man sie ganz einfach teilt. Nach diesem Prinzip funktioniert «Kleihd» – eine Tauschbörse in Zürich, die «Bluewin» auf der Suche nach Auswegen aus der Fast Fashion besucht hat.

25.06.2019

Austausch statt Konsum, Extravaganz statt Einheitsbrei: Die Leihboutique «Kleihd» versucht ein Zeichen gegen «Fast Fashion» zu setzen. Kleider verstauben nicht mehr im Schrank, sondern wechseln häufig die Besitzerinnen – «Bluewin» hat eine von ihnen getroffen.

Barbara Bissig engagiert sich ehrenamtlich für den Verein «Kleihd» - dieser betreibt den kleinen Laden an der Zürcher Idastrasse. Dort können rund Tausend Kleidungsstücke ausgeliehen werden. Vom ausgefallenen Abendkleid bis hin zu einfachen Blusen oder Jacken. «Kleihd» hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine Alternative zum gängigen Modekonsum bieten zu können. 

Das Prinzip ist denkbar einfach: Nach einer Anmeldung können Kleidungsstücke für zehn bis 40 Franken für maximal zwei Wochen ausgeliehen werden. Wer festes Mitglied bei «Kleihd» wird, zahlt weniger und kann die Stücke doppelt so lange behalten.

Leihen mit Flatrate

In der Deutschschweiz gibt es vergleichbare Leih-Anbieter, etwa «Ragfair» – dort werden im Gegensatz zu «Kleihd» die Geschäfte allerdings nur online abwickelt. Der Anbieter setzt vorwiegend auf Designkleider und bietet auch eine Flatrate an, mit der unbegrenzt Stücke geliehen werden können. 

Ähnliche Leihunternehmen oder -gruppen sind stark in den USA und Grossbritannien gewachsen. Dort beginnen grosse Modeunternehmen damit, ihre Kollektion auch über die jeweiligen Portale zu verleihen, um noch mehr Kundinnen und Kunden zu erreichen. Die Leih-Anbieter stehen dabei vor grossen Herausforderungen: Sie müssen die verliehenen Stücke nicht nur versenden, sondern sie auch regelmässig professionell reinigen – mit entsprechenden Belastungen für die Umwelt.

In den kommenden Wochen wird «Bluewin» weitere Projekte und Menschen vorstellen, die einen Ansatz gegen Fast Fashion entwickelt haben. Was das Phänomen Fast Fashion bedeutet und welche Auswirkungen es auf Mensch und Umwelt hat, zeigt das Erklärstück.

«Fast Fashion» im Überblick:

Fast Fashion – Wie man dem Konsumrausch entkommen kann

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Viel beschworen wurde die neue Mode-Revolution. Doch der grundlegende Wandel in der Modebranche lässt auf sich warten. Bestenfalls kleine Firmen haben den Schritt gewagt, fair produzierte Klamotten anzubieten. Sie produzieren Nischenprodukte für ein überschaubares Klientel von Modekäufern, die sich gegen den Fast Fashion-Boom auflehnen. Dabei ist der Gipfel der des Fast Fashion-Wahnsinns auch nach fast zwei Jahrzehnten noch nicht in Sicht. In der ersten Folge unserer Bluewin-Video-Serie zum Thema «Fast Fashion» gehen wir dem Phänomen auf den Grund. Wir wollten wissen, wie es in der Schweiz um den Fast Fashion-Trend steht, welche Ursachen die Erscheinung hat und welche Wege aus dem Dilemma der schnell produzierten Wegwerfmode führen könnten.

19.06.2019

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