Die dunkle Seite des Black Friday

Von Maximilian Haase

26.11.2021

Une passante observe les offres dans une vitrine a l'occasion de la journee de soldes du
Der Black Friday hat laut Kritiker*innen viele Schattenseiten.
KEYSTONE/Valentin Flauraud

Am Black Friday locken überall Schnäppchen. Kritiker*innen verweisen auf schlechte Arbeitsbedingungen. Auch Schweizer Händler verweigern sich der Rabattschlacht – und setzen auf Alternativen.

Von Maximilian Haase

26.11.2021

Für viele Schnäppchenjäger*innen ist es ein Feiertag: Jährlich verspricht der aus den USA importierte Black Friday online wie offline hohe Rabatte und attraktive Preisaktionen; viele Händler starten ihre Angebote schon eine Woche vorher und enden damit am sogenannten Cyber Monday.

Es ist ein Spektakel, das funktioniert: 80 Prozent der Schweizer*innen wollen laut einer Umfrage der Prospekte-App «Profital» von Sonderangeboten profitieren. Für viele Schweizer Unternehmen im Detailhandel ist der Black Friday einer der wichtigsten Umsatztage im Jahr.

Doch wird auch hierzulande Kritik an der jährlichen Rabattschlacht laut.

Da wären jene, die auf Probleme und Gefahren für die Konsument*innen verweisen. Zum einen, weil sich die vermeintlichen Rabatte nicht selten als Illusion entpuppen – und viele begehrte Waren, etwa Spielkonsolen, aufgrund der globalen Lieferengpässe ohnehin vergriffen sind.

Zum anderen, weil der Black Friday nicht nur Käufer*innen, sondern oft auch Cyberkriminelle anlockt. 

So befürchtet das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in diesem Jahr massive Cyberattacken. Auch das Softwareunternehmen Kaspersky warnt, dass im Zusammenhang mit dem Black Friday die Zahl der Phishing-Versuche bereits seit Oktober zugenommen habe. Vor allem getarnt als E-Payment-Anbieter würden Betrüger versuchen, Zahlungsdaten abzufassen.



Experten warnen daher vor Seiten unseriöser Betreiber. Betrügerische Fake-Shops würden etwa durch unrealistisch niedrige Preise, ein fehlerhaftes Impressum und viele Negativbewertungen auffallen, zudem würde oft Vorkasse als Zahlungsmethode verlangt. 

Konsum und Arbeitsbedingungen in der Kritik

Im Zentrum der Kritik steht aber auch der Konsumrausch als solcher – samt seiner gesellschaftlichen Auswirkungen. Am Black Friday werde «aufgrund der Rabatte sinnlos viel eingekauft», kritisiert etwa Melanie Wirz von Solidar Suisse auf Anfrage. Aus Sicht der Non-Profit-Organisation ist «der gedankenlose Überkonsum das grösste Problem». Leiden würden darunter «Klima, Umwelt und jene Menschen, die die Ware produzieren».

Zudem verstärke dies die «weltweite extreme Ungleichheit, denn die Preisdrückerei wird bis an den Anfang der Lieferkette weitergereicht». So werde 90 Prozent der Kleidung etwa in China, Bangladesch und Indien «unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt». 

Solidar Suisse hat daher die Petition «Stop Black Friday» ins Leben gerufen, die bislang schweizweit von 20'000 Menschen unterzeichnet wurde. Ziel der Kampagne sei es, den «Black Friday» in der Schweiz abzuschaffen, weshalb der Detailhandelsverband Swiss Retail Federation in der Petition direkt adressiert wird. Zudem wolle man «zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit beitragen, damit eben bewusster konsumiert wird», so Wirz. Letzteres habe man «definitiv erreicht».

Einen nachhaltigeren «Black Friday» könne es nicht geben, so die Organisation. «Nachhaltige Rabattschlacht wäre aus unserer Sicht ein Widerspruch in sich. Besser wäre, wenn Händler in der Schweiz auf nachhaltige und faire Produktion setzen und Anreize für moderaten Konsum setzen würden», sagt Melanie Wirz.



Auf Seiten der Politik unterstützt wird die Petition von Solidar Suisse unter anderem von den SP-Nationalrätinnen und -Nationalräten Tamara Funiciello, Fabian Molina sowie Mattea Meyer und Cédric Wermuth. Von grüner Seite befürwortet Balthasar Glättli die Petition.

Auf das andere Ende der Konsumkette verweist auch die Unia: «Lohndruck, Stress, lange Arbeitstage und unbezahlte Arbeitsstunden» würde der «Black Friday» für Verkäufer*innen, Logistiker*innen und Kurier*innen bedeuten. In einer Mitteilung fordert die Gewerkschaft besseren Gesundheitsschutz und Gesamtarbeitsverträge für die Beschäftigten. Alle Arbeitsstunden sollten laut Unia erfasst und bezahlt sowie Ruhezeiten eingehalten werden. Auf Arbeit auf Abruf solle komplett verzichtet werden.

Bemängelt wird die Idee des Black Friday indes nicht nur von konsumkritischer und linker Seite.

Auch Händler verweigern sich dem Black Friday

Nach wie vor gibt es Detailhändler, die am Black Friday keine Rabatte anbieten. Darunter etwa das Zürcher Kaufhaus Jelmoli: Stattdessen nimmt das Warenhaus zum dritten Mal am «Giving Tuesday» teil und setzt sich damit für bewussten Konsum ein und spendet Geld für wohltätige Zwecke. Der sogenannte Giving Tuesday wurde 2012 in den USA als Antwort auf den Black Friday ausgerufen.

Kleinere Unternehmen wie Fashion Revolution, Second Hand Kids, Kleiderberg (Slow-Fashion-Onlineshops) und lokale Stores verzichten laut Solidar Suisse auf Rabatte am Black Friday und hätten dem Hilfswerk positive Rückmeldungen zur Petition zukommen lassen.



Zu den Black-Friday-Verweigerern in der Schweiz gehört auch der Zürcher Taschenhersteller Freitag: «Dieser Tag mit seinen exzessiven Rabattschlachten hilft nur ganz wenigen, schadet aber vielen – sei es in sozialer, ökologischer oder ökonomischer Hinsicht. Deshalb sagen wir Nein zum Black Friday und möchten zeigen, dass es auch anders geht», sagt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage.

Der Onlineshop des Herstellers verlinke daher am Black Friday auf eine Tauschplattform, auf der Nutzer*innen Taschen untereinander tauschen können. Man hoffe «an diesem Tag nicht auf Umsatz-, sondern auf Tauschrekorde». Freitag wolle damit «für ein sinnvolles Konsumverhalten und zukunftsfähiges Wirtschaften einstehen». Dafür gebe es viel Zuspruch – auch wenn sich vereinzelt Kund*innen enttäuscht meldeten, die auf der Suche nach Rabatten nicht fündig geworden seien. 

Auch das Aargauer Modelabel Nikin setzt auf einen alternativen Aktionstag, wie es auf Anfrage mitteilt: «Bei uns gibt es den Green Friday, weil wir ein Zeichen gegen exzessiven Konsum und Rabattschlachten setzen möchten. Wir bieten also keine Rabatte, sondern lassen pro verkauftes Produkt statt wie normalerweise einen Baum sogar zwei Bäume pflanzen.»

Zu den bekanntesten Grossunternehmen, die den Black Friday nicht zelebrieren wollen, gehört Ikea. Stattdessen gebe es den «Buyback Friday», an dem das Einrichtungshaus den Rückkaufswert gebrauchter Möbel verdoppeln will, wie es in einer Mitteilung heisst. Man wolle damit ein «Zeichen für mehr nachhaltigen Konsum» setzen.

Mit Material von SDA und dpa