Bötschi fragt Riklin & Schaub «Ich habe nie wirklich für den St. Galler Dialekt gekämpft»

Von Bruno Bötschi

25.2.2024

Riklin & Schaub: «Offenbar hast du dir unser Musikerleben etwas zu chillig vorgestellt»

Riklin & Schaub: «Offenbar hast du dir unser Musikerleben etwas zu chillig vorgestellt»

Roman Riklin und Daniel Schaub machen seit 20 Jahren gemeinsam Musik und Comedy. Mit blue News sprechen sie über ihre Lebensfreundschaft und verraten, wie Menschen zusammen konstruktiv streiten können.

14.02.2024

Roman Riklin und Daniel Schaub machen seit 20 Jahren gemeinsam Musik und Comedy. Mit blue News spricht das Duo über seine Freundschaft, nächtliche Autofahrten – und verrät, wie konstruktives Streiten funktioniert.

Von Bruno Bötschi

25.2.2024

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Mit ihrer Musik-Comedy begeistern Roman Riklin und Daniel Schaub seit zwei Jahrzehnten in den unterschiedlichsten Formationen das Schweizer Publikum.
  • Aktuell touren Riklin & Schaub mit dem Programm «Lieder, die du sehen musst» durch das Land.
  • Trotz viel Erfolg: Abgehoben sind die beiden Geschichtenerzähler nicht.
  • Wie sie das geschafft haben? «Uns verbindet eine grosse Bühnenliebe. Es ist mehr als nur eine tolle Zusammenarbeit, es ist eine Lebensfreundschaft», sagt Riklin im Gespräch mit blue News.

Roman Riklin und Daniel Schaub, ich stelle euch in der nächsten 45 Minuten möglichst viele Fragen. Und ihr antwortet bitte möglichst kurz und schnell. Wenn euch eine Frage nicht passt, könnt ihr auch einmal «weiter» sagen.

Roman: Gut.

Daniel: Weiter.

Es ist kurz nach 9 Uhr morgens. Ehrlich gesagt, so früh am Tag habe ich noch kaum eine Musikerin oder einen Musiker zum Interview getroffen. Leidet ihr an seniler Bettflucht?

Daniel: Nein. Ich hätte problemlos länger schlafen können.

Roman: Ich bin schon seit 6.30 Uhr auf den Beinen, weil ich für den Sohnemann das Frühstück vorbereitet habe. Aber auch ich hätte noch länger schlafen können.

Frühling oder Herbst?

Daniel: Frühling.

Roman: Herbst.

Musik oder Comedy?

Daniel und Roman (im Chor): Musik.

St. Gallen oder Zürich?

Daniel: Zürich.

Roman: Mein Fussball-Herz schlägt Grün-Weiss, also für den FC St. Gallen. Gleichzeitig bin ich glücklich, dass ich seit Jahren in Zürich leben darf.

Daniel, was hast du gegen St. Gallen?

Daniel: Überhaupt nichts, ich bin einfach für Zürich. Ich finde es eine super tolle Stadt, muss dazu aber sagen, dass ich noch nie in einer anderen Stadt gelebt habe. Ich bin also ein super objektiver Zürcher (lacht).

Zum Autor: Bruno Bötschi
Bild: blue News

blue News-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Er stellt ihnen ganz viele Fragen – immer direkt, oft lustig und manchmal auch tiefsinnig. Dabei bleibt bis zur allerletzten Frage immer offen, wo das rasante Pingpong hinführt.

Roman: Nachdem ich mehrere Jahre in Berlin lebte, war Zürich für mich anfangs eher eine Notlösung als eine Freude. Heute ist die Stadt mein Zuhause.

Daniel, wie würdest du Roman in einem Satz beschreiben?

Daniel: Da muss ich einen Moment überlegen …. mach doch schnell das Aufnahmegerät aus (lacht) … Ich weiss nicht, ob ich so schnell schnell einen guten Satz zusammenkriege. Roman ist für mich eine hochkreative, integre Macherpersönlichkeit und ein wunderbarer Freund.

Roman, wie würdest du Daniel in einem Satz beschreiben?

Daniel: Du hast es gut, du hattest genug Zeit zum Studieren (lacht).

Roman: Für mich ist Daniel ist der perfekte Compagnon. Er ist hochmusikalisch, hat wahnsinnig gute Zuhörqualitäten und ist ein unglaublich konstruktiver Kritiker.

Das war jetzt aber mehr als ein Satz.

Daniel: Roman ist erst am Sammeln von Begriffen.

Roman: Das alles in einem Satz verpacken? Bruno, das ist jetzt deine Aufgabe (lacht).

Wann, wie und wo habt ihr euch kennengelernt?

Daniel: Das war im Jahr 1992 oder 1993 am «Volksbank-Rock-Band-Wettbewerb» in der Sporthalle Tägerhard in Wettingen AG.

Roman: Ich sah Daniel und fand, dass er ein cooler Typ und ein sehr guter Gitarrist ist und in einer tollen Band spielt.

Würdet ihr von euch selber behaupten «Wir sind zwei Rampensäue»?

Roman: Nein.

Daniel: Ich auch nicht.

Roman: Ich mag den Ausdruck «Rampensau» nicht. In einer kleinen, privaten Runde kann es zwar durchaus einmal passieren, dass ich etwas rampensäuig unterwegs bin, weil ich viel bis zu viel rede. Auf der Bühne bin ich aber ein Teamplayer.

Daniel: Wenn ich es mir recht überlege: Ein bisschen Rampensäuigkeit ist nötig, damit ein Mensch überhaupt auf die Bühne geht.

«Er ist der perfekte Compagnon. Er ist hochmusikalisch, hat wahnsinnig gute Zuhörqualitäten und ist ein unglaublich konstruktiver Kritiker»: Roman Riklin (links) über Daniel Schaub.
«Er ist der perfekte Compagnon. Er ist hochmusikalisch, hat wahnsinnig gute Zuhörqualitäten und ist ein unglaublich konstruktiver Kritiker»: Roman Riklin (links) über Daniel Schaub.
Bild: Tabea Hüberli

Ist es zu zweit auf der Bühne einfacher als allein?

Daniel: Ich stand in meinem bisherigen Leben noch nie allein auf einer Bühne. Ich glaube nicht, dass es einfacher ist, aber ich mache einfach gerne mit anderen Menschen zusammen Musik.

Roman: Mit dem richtigen Partner ist es sicher einfacher, weil die Verantwortung geteilt werden kann.

Mit welchem von euren Liedern sollte ein Riklin & Schaub-Laie einsteigen?

Roman: Da würde ich den Song «Emoji» empfehlen. Er zeigt am besten, was mit «Lieder, die du sehen musst» gemeint ist.

Daniel: Bei diesem Song ist immer sofort allen klar, dass wenn du die Bilder weglassen würdest, er nicht funktionieren würde – und umgekehrt auch nicht.

Was sollte ein Mensch sonst noch über euer Duo wissen, bevor er ein Konzert besucht?

Roman: Eigentlich müssen Besuchende nichts wissen. Es hilft jedoch, wenn ein Mensch Mundartmusik gerne hat und er gerne über sich selber und auch über uns lachen kann.

Daniel: Ansonsten ist es das Beste, wenn Besuchende viele Freundinnen und Freunde an unser Konzert mitnehmen, damit wir einen möglichst vollen Saal haben (lacht).

Wann hast du, Daniel, die letzte Mitteilung auf deinem Smartphone erhalten, die nur aus Emojis bestand?

Daniel: Solche Messages bekomme ich nicht. Seit wir den Song im Programm haben, nahm aber die Zahl der Nachrichten mit Emojis deutlich zu.

Roman, hast du in Realität schon jemandem die Liebe gekündigt, weil sie oder er dir zu viele Emojis geschickt hat?

Roman: Natürlich nicht (lacht).

So grundsätzlich: Wie hat sich die Schweizer Musikwelt seit den 80er Jahren verändert?

Roman: Die Mundartmusik legte einen wahnsinnigen Siegeszug hin. Anfangs 90er wurde dieses Genre noch als ungeliebtes Stiefkind der Musikgenres behandelt.

Daniel: Es hat sich zudem technisch extrem viel verändert. Wolltest du früher ein Album aufnehmen, musstest du ein Studio mieten. Heute kannst du das mit dem Laptop daheim im Wohnzimmer machen.

Tönt Schweizer Musik heute besser?

Daniel: Früher hast du bereits nach zwei Takten gehört: Das ist Musik aus der Schweiz. Sehr oft hat es nicht gut geklungen.

Roman: Das stimmt. Heute haben die jungen Menschen durch das Internet den viel leichteren Zugang zu spezifischem Wissen. Wollten wir früher ein spezielles Gitarrenriff erlernen, sassen wir oft stundenlang vor dem Plattenspieler, hörten ein Musikstück rauf und runter und überlegten, wie der Gitarrist die Ton- oder Akkordfolge wohl gespielt haben könnte. Heute geht das viel einfacher, weil du auf YouTube ein Video anschauen kannst, wie jemand ein Stück spielt. Sogar in Zeitlupe! Ich denke, das ist mit ein Grund, warum die jungen Menschen musikalisch viel versierter sind, als wir es einst waren.

Daniel: Was auch damit zu tun hat, dass du dich heute in Lausanne und in Zürich an zwei Hochschulen zum Popmusiker ausbilden lassen kannst.

«Ich glaube, die Menschen kommen zu uns wegen der Kombination aus guter Musik und pointierten Mundarttexten»: Daniel Schaub.
«Ich glaube, die Menschen kommen zu uns wegen der Kombination aus guter Musik und pointierten Mundarttexten»: Daniel Schaub.
Bild: Tabea Hüberli

Unter den ersten, die es in den 70er-Jahren auf Schweizerdeutsch versuchten, war Polo Hofer mit seiner Band Rumpelstilz. Er fand, dass sein Erfolg nur dank der berndeutschen Songtexte zustande gekommen sei, weil das Publikum die Texte endlich verstanden habe.

Roman: Ich denke, bei uns funktioniert es ganz ähnlich wie einst beim Polo. Mit dem Unterschied, dass die Menschen während unserer Konzerte sitzen. Das hat damit zu tun, weil du unsere Texte unbedingt verstehen musst – und zwar jedes Wort. Ich würde sogar behaupten, die Leute komme nicht in erster Linie wegen der Musik zu uns, sondern mehrheitlich wegen der Texte.

Daniel: Ich glaube, die Menschen kommen zu uns wegen der Kombination aus guter Musik und pointierten Mundarttexten. Durch die Musik können wir den Texten noch eine andere Emotionalität geben.

Roman, willst du dich noch zum St. Galler Dialekt äussern, der – trotz erfolgreicher Menschen wie dir – zu den unpopulärsten des Landes gehören soll?

Roman: Ich kenne die neusten Statistiken zu diesem Thema nicht. Ich glaube jedoch, in den letzten Jahren ist da viel passiert. Als ich noch jünger war, war der St. Galler Dialekt noch deutlich unbeliebter.

Mit meinem Thurgauer Dialekt ginge es mir lange Zeit ähnlich. Bis mir im August 2023 Komikerin Lara Stoll erklärt hat:  «Ich bin ein Fan vom Thurgauer Dialekt und behaupte sogar: Es ist das neue Berndeutsch in der Musik. Thurgauerdeutsch ist cool.»

Roman: Ich finde, textlich waren die Ostschweizer Kulturschaffenden schon immer sehr stark. Was möglicherweise damit zu tun hat, dass wir mit unseren Dialekten einen einfacheren Zugang zum Hochdeutsch haben.

Roman, du hast dich schon früh für das offene A und die spitzen I und E eingesetzt. 1996 sagtest du als Mitglied der Band «Mumpitz» im «St. Galler Tagblatt»: «Ich behaupte nicht, der St. Galler Dialekt sei besonders schön. Vielmehr ist er so normal wie jeder andere Dialekt auch.»

Roman: Ich habe noch nie wirklich für meinen Dialekt gekämpft. Ich fand es jedoch immer absurd, wenn Menschen zu mir sagten, dass man mit dem St. Galler Dialekt keine Rock- oder Mundartmusik machen könne. Ich antworte dann jeweils: «Doch, ich mache es ja. Ihr könnt jedoch sagen, dass es euch nicht gefällt.» Aber ehrlich gesagt, ich finde das Thema langweilig.

Was ist der grösste Seich, der über euch als Musiker bisher geschrieben worden ist?

Roman: Wir seien «Pointenkacker».

Wer hat das geschrieben?

Roman: Der Falschzitierer. Der Mann schreibt regelmässig in Lokalzeitungen Konzertkritiken und zitiert unsere Songzeilen meist falsch. Mir wird es manchmal halb schlecht, wenn ich seine Artikel lese. Aber es ist vor allem lustig.

Daniel: Es kam auch schon vor, dass von Medienschaffenden auch unsere Nachnamen verwechselt wurden.

Roman: Oder sie schreiben Riklin mit ck.

In diesem Fall wäre ich entschuldigt. Ich besuchte als Kind zwei Jahre lang den Legastheniker-Unterricht. – Was ist das Ekelhaftestes, das ihr je gegessen habt?

Daniel: Ich erinnere mich daran, wie wir vor einem Konzert in Restaurant sassen, dessen Karte ellenlang war. Das ist meist kein gutes Zeichen. Ich bestellte dann einen Teller Risotto.

Wie hat der Risotto geschmeckt?

Daniel: Es war ein Pflüder.

Roman: Jeder hat an diesem Abend ein anderes Menü bestellt, aber nichts davon war essbar.

Kann Musik auch ekelhaft sein?

Roman: Je nach Stimmung kann das schon passieren.

Daniel: Ich würde weniger von Ekel, sondern von Unpässlichkeit sprechen.

Was in eurem Leben ist vergleichbar mit der Leidenschaft für die Musik?

Roman: Ich habe eine grosse Leidenschaft für das Erzählen von Geschichten.

Daniel: Ich bin noch am Überlegen. Es gibt wohl nichts Gleichwertiges für mich. Immer wieder faszinieren mich zwar gewisse Themen oder Dinge, dann gehe ich ihnen vielleicht für eine Phase leidenschaftlich nach, aber nichts kommt an die Musik heran.

Wirklich wahr, dass du, Roman, als Kind davon geträumt hast, Zirkusclown zu werden?

Roman: Ich wollte ein poetischer Musikclown werden. Deshalb sammelte ich von klein auf Musikinstrumente und übte wie wild darauf. Als Musikkabarettist bin ich nicht so weit davon entfernt, oder?

Stimmt. Daniel, was hattest du für Pläne als Teenager?

Daniel: Ich träumte davon, Gitarrist zu werden.

Riklin & Schaub wollen einen neuen Song schreiben: Wie muss ich mir das vorstellen? Hockt jeder von euch einsam in seinem Musikzimmer oder geht ihr zusammen wandern?

Roman: Lustigerweise machen wir inzwischen alles zusammen. Es fängt damit an, dass wir uns gegenseitig Ideen erzählen. Diese Geschichten lösen bei anderen etwas aus oder manchmal auch nicht. Trifft Letzteres ein, geht die gemeinsame Suche weiter.

Wer von euch beiden hat bei einem neuen Song den Schlussentscheid?

Daniel: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass je einer gesagt hätte: «Komm, so machen wir es.» Während der Entstehung eines neuen Liedes nähern wir uns vielmehr langsam gegenseitig an. Oft passiert es auch, dass nach der Premiere eines Songs auf der Bühne, dieser nochmals korrigiert wird.

Roman: Unsere Songs sind nie fertig.

«Unsere Songs sind nie fertig»: Roman Riklin.
«Unsere Songs sind nie fertig»: Roman Riklin.
Bild: Tabea Hüberli

Streitet ihr oft?

Roman: Die Entstehung eines neuen Liedes ist ein ständiger Konflikt. Spannenderweise streiten wir aber nie auf unangenehme Art und Weise. Es ist ein positiver und konstruktiver Austausch, weil wir einander immer zu 100 Prozent ernst nehmen.

Daniel: Es passiert immer wieder, dass uns Menschen fragen, ob wir nie streiten würden. Ich sage dann jeweils, dass wir keine Auseinandersetzungen im negativen Sinn haben. Wir bleiben immer sachlich. Weisst du was, ich muss nochmals auf die Frage zurückkommen, wie ich Roman in einem Satz beschreiben würde.

Nur zu.

Daniel: Ich habe vergessen zu sagen, dass Roman ein immer konstruktiver und emphatischer Mensch ist und der, egal was ich sage, immer gut zuhört.

Roman: Unsere Zusammenarbeit ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt und vom Vertrauen, dass der andere keine schlechten Vorschläge macht. Eine Grundvoraussetzung ist zudem, dass wir beide zu unseren Charakteren Ja gesagt haben.

Trainingspausen machen Sportler besser, Musiker auch?

Daniel: Mir persönlich tut es gut, ab und zu beim Suchen nach neuen Ideen für Lieder Pause zu machen. Es ist mir aber auch schon passiert, dass genau dann eine Idee anklopft.

Roman: Es ist eine Schwäche von mir, dass ich zu wenig Pause mache. Als Musiker gehst du auch auf die Bühne, wenn du hohes Fieber hast. Das ist Ehrensache. Normale Menschen würden an einem solchen Tag nicht ins Büro gehen, wir hingegen spielen ein Konzert trotzdem.

Gibt es das perfekte Lied?

Roman: Bei uns nicht – aber in der Welt der Musik gibt es sicher Songs, die nahezu perfekt sind. «Let It Be» von den Beatles zum Beispiel oder «Imagine» von John Lennon und Yoko Ono.

Daniel: Ich finde «Imagine» noch fast perfekter.

Warum?

Daniel: Berührende, wirkungsvolle Musik und ein Text mit einer wunderbaren Message. Auf der Suche nach dem perfekten Lied kommt es halt immer darauf an, wo du den Level ansetzt – und je nachdem gibt es viele tolle Lieder oder nur ganz wenige.

Tragt ihr während Konzerten immer das gleiche Paar Schuhe?

Daniel: Ja. Unser Bühnenoutfit ist aufeinander abgestimmt.

Roman: Es steckt kein Aberglaube dahinter, sondern Bequemlichkeit. Auf der aktuellen Tournee wechselte ich nach den ersten Auftritten die Schuhe nochmals, weil das erste Paar zu wenig bequem war.

Daniel: Mit den Schuhen berührst du die Bühne, die Fusspedale des Schlagzeugs und das soll sich doch gut anfühlen. Dann ist es mir wohl. Deshalb sind sie so wichtig.

Wie fühlt sich ein gelungenes Konzert an?

Roman: Du meinst, wenn wir in den Flow kommen? Kaum begonnen, sind solche Konzerte schon wieder fertig. Es ist, als würden sich an so einem Abend Raum und Zeit auflösen.

Und wenn es während eines Konzertes – egal aus welchen Gründen – nicht funktionieren will?

Daniel: Durchziehen und nichts anmerken lassen.

Roman: Einfach weitermachen, auch wenn das viel Arbeit bedeutet. Was auch damit zu tun hat, dass du natürlich an so einem Abend dauernd versuchst, das Problem zu lösen, respektive das Publikum doch noch zu knacken, damit die Energie fliessen kann.

Daniel: Gleichzeitig muss man während solcher Auftritte aufpassen, dass man gewisse Dinge nicht überinterpretiert. Es gibt Konzerte, während denen du denkst, dass sie total anstrengend seien. Doch am Ende des Abends steht das Publikum plötzlich auf, schenkt dir eine Standing Ovation und du denkst: Hä, was war denn das? Aber so ist das Bühnenleben: Manchmal spürst du nach wenigen Sekunden, dass es rockt, und manchmal dauert es halt etwas länger.

Hat es mit der Region zu tun, wie cool ein Konzert wird?

Roman: Das Publikum in Zürich ist natürlich nicht gleich wie Bern. Grundsätzlich lässt sich sagen: Wir funktionieren in der Stadt besser als auf dem Land. Die Ausnahme bestätigt die Regel.

Daniel: Ist das Publikum gut durchmischt, läuft es gut für uns.

Roman: Ich muss allerdings zugegeben, dass wenn wir einmal nicht so gut ankommen, ich manchmal innerlich etwas zickig werde.

Wie muss ich mir das vorstellen?

Roman: Ich denke dann: Liebe Menschen, ihr seid selber schuld, wenn es euch nicht gefällt (lacht).

Wie wichtig ist der Applaus des Publikums?

Daniel: Sehr wichtig.

Roman: Wir sind dankbar, dass es uns aktuell so gut läuft und sich unser Publikum regelmässig mit Standing Ovations bei uns bedankt. Viel Applaus sorgt für einen angenehmen Adrenalinschub. Applaus macht glücklich, aber auch süchtig. Ich erlebe das heute mehr denn je, obwohl ich schon seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne stehe. Gleichzeitig tue ich mir schwer damit zu sagen: Ich brauche den Applaus.

Wieso?

Roman: Ich bin bereits mein ganzes Leben auf der Suche nach Anerkennung. Neben der Anerkennung vom Publikum ist mir die Anerkennung von Gleichgesinnten aber genauso wichtig – also von Menschen, die auch Musik machen und Geschichten erzählen.

Fahrt ihr nach euren Konzerten immer nach Hause?

Daniel: Ja, in 99 von 100 Fällen. Ausser wir spielen im Wallis oder treten an einem Ort zweimal nacheinander auf.

Roman: Spannend finde ich, dass wir auf den Rückfahrten manchmal viel und manchmal kaum reden. Es kann aber auch passieren, dass ich im Auto sofort einschlafe.

Das heisst, du Daniel bist immer der Chauffeur?

Daniel: Ja, ich fahre deutlich mehr – und nach den Konzerten sowieso.

Roman: Ich darf darum nach den Auftritten meist noch ein Glas trinken (lacht).

«Roman ist ein immer konstruktiver und emphatischer Mensch ist und der, egal was ich sage, immer gut zuhört»: Daniel Schaub (links) über Roman Riklin.
«Roman ist ein immer konstruktiver und emphatischer Mensch ist und der, egal was ich sage, immer gut zuhört»: Daniel Schaub (links) über Roman Riklin.
Bild: Tabea Hüberli

Wird das Musikmachen nach über 30 Jahren im Geschäft einfacher oder langweiliger?

Daniel: Weder noch.

Roman: Langweilig wird es mir nie, aber wir sind jetzt seit fast zwei, drei Jahren nonstopp auf Tournee und da kann es schon einmal passieren, dass du dich fragst: Nei, scho wieder?

Ihr steht seit 20 Jahren in den unterschiedlichsten Formationen gemeinsam auf der Bühne. Wie habt ihr das geschafft?

Roman: Uns verbindet eine grosse Bühnenliebe. Es ist mehr als nur eine tolle Zusammenarbeit, es ist eine Lebensfreundschaft.

Werden eure Partnerinnen hin und wieder eifersüchtig, weil ihr so viel Zeit miteinander verbringt?

Roman: Hin und wieder fällt schon ein Spruch.

Daniel: Es gab Zeiten, wo es schwieriger war.

Wann war das?

Daniel: Als unsere Kinder noch kleiner waren, hing zwangsläufig der grössere Teil der Betreuungsarbeit an unseren Partnerinnen.

Roman: Dazu muss ich sagen, dass wir damals, als die Kinder noch klein waren, nicht so oft auf Tournee waren, wie das heute der Fall ist.

Daniel: Fakt ist jedoch: Es braucht jemand, der so ein Leben mitträgt. Dafür bin ich meiner Partnerin unendlich dankbar.

Lust einmal einen richtigen Hit zu schreiben?

Daniel: Ja. Ich mag Popmusik sehr und fände das super, auch wenn ich ehrlich gesagt nicht daran glaube, dass es mir gelingen wird. Mit einem einzigen Song ganz viele Menschen bewegen zu können, finde ich eine wunderbare Sache.

Roman: Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir einen Hit schreiben werden. Aber ich fände es natürlich auch cool, wenn es uns gelingen würde.

Zum Schluss kommt jetzt noch der berühmte Self-Rating-Test: Ihr benotet euer eigenes Talent von 0 Punkten, kein Talent, bis 10 Punkte, maximales Talent: Fussballer?

Daniel: Vier Punkte.

Roman: Als Fussballer gebe ich mir sechs bis sieben Punkte. Ich kickte als Teenager beim FC Rotmonten.

Daniel: Mir wurde ebenfalls ein gewisses Talent nachgesagt. Ich war als Jugendlicher Goalie bei den Grasshoppers. Und ich war ein grosser Fan von Roger Berbig, dem langjährigen GC-Torhüter.

Gärtner?

Daniel: Vier Punkte.

Roman: Null Punkte. Ich hatte bisher das Glück, dass ich noch nie allein einen Garten pflegen musste. Bei uns daheim macht das meine Partnerin.

Daniel: Ich bin auch froh, dass meine Partnerin den grüneren Daumen hat als ich.

Blockflötenspieler?

Roman: Zehn Punkte. Ich war mit viel Talent gesegnet, aber die Blockflöte als Instrument hat mich nie interessiert. Ich habe im Gruppenunterricht bereits in der zweiten Stunde der Lehrerin das ganze Büchlein vorgespielt und sie am Ende gefragt, ob ich jetzt bitte nicht mehr kommen müsse.

Daniel: Ich musste zum Glück nie in den Blockflöten-Unterricht gehen.

Wieso heisst euer Duo nicht «Schaub & Riklin»?

Daniel: Weil es komplizierter auszusprechen wäre. Vielleicht hat sich aber Roman auch einfach vorgedrängt (lacht).

Roman: Der Sound von Riklin & Schaub klingt einfach besser und abschliessender.


Die aktuellen Konzertdaten von Riklin & Schaub findest du hier. Und noch mehr «Bötschi fragt»-Gespräche kannst du unter diesem Link lesen.


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