«Einfach respektlos»: Kopierte Schweiz Tourismus das Konzept zweier Künstler?

tmxh

2.7.2020 - 18:08

Mit ihren «immobilienbefreiten Hotelzimmern» begeisterten die Gebrüder Riklin. Nun lanciert Schweiz Tourismus ein ähnliches Konzept.
Keystone

Mit ihren «immobilienbefreiten» Null-Stern-Hotels sind die Riklin-Brüder seit Jahren erfolgreich. Ein ähnliches Konzept unter freiem Himmel wird nun von Schweiz Tourismus angeboten. Wurde die Idee der Künstler einfach abgekupfert?

Es ist ein Konzept, dass sich seit Jahren grosser Nachfrage erfreut: Mit ihrem Projekt «Null Stern – the only star is you» erlangten die St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin 2016 grosse Aufmerksamkeit. Die Idee: ein Hotel im Freien, in dem ohne Wände und Dach übernachtet wird.

Lanciert wurde das Konzept zunächst im Bündner Safiental und im Appenzellerland. Nach zwei erfolgreichen Sommersaisons und über 4'500 Reservationsanfragen starteten die Riklin-Brüder sowie der Hotelexperte Daniel Charbonnier 2018 im Toggenburg das Projekt «Zero Real Estate» –  das immobilienbefreite Hotelzimmer.



Nun, da im Sommer 2020 sechs weitere Tourismusdestinationen aus der Ostschweiz und Liechtenstein auf das aussergewöhnliche Ferienkonzept setzen wollen, kommt es jedoch zu einem kleinen Skandal. Denn auch Schweiz Tourismus lanciert derzeit ein ähnliches Projekt – ohne Beteiligung der beiden Künstler. 

«Praktisch geklaut»

«Diesen Sommer lancieren wir ein ganz spezielles Angebot, wie es dieses in diesem Rahmen noch nicht gegeben hat», kündigte Marketingleiter André Hefti laut «Blick» bei einer Medienkonferenz an. An etwa 50 Schweizer Orten könnten Gäste demnach unter freiem Sternenhimmel an aussergewöhnlichen Orten nächtigen – in sogenannten «Million Stars Hotels».

Das Problem: Das Konzept stammt in seinem Grundgerüst von den Riklin-Brüdern. Die wiederum habe Schweiz Tourismus laut «Blick» im Nachhinein noch für das Projekt werben wollen. «Schweiz Tourismus hat unser Projekt ohne Quellenangabe praktisch geklaut. Und nun sollten wir bei etwas mitmachen, was eine Kopie unserer Arbeit ist», zitiert «Blick» Frank Riklin.



Eine Zusammenarbeit sei bereits 2016 gescheitert, da Schweiz Tourismus kein Geld habe investieren wollen. Riklin kritisiert laut «Blick»: «Es bereitet uns enorme Mühe, wenn ein grosser Dampfer wie Schweiz Tourismus Millionen in Kampagnen mit demselben Inhalt investiert, den wir seit Jahren bearbeiten. Das ist einfach respektlos».

Schweiz Tourismus widerspricht

Der Künstler befürchte nun eine Angebots-«Verwässerung» – die werde zur «Gefahr für uns, wenn potenzielle Gäste die Angebote nicht mehr auseinanderhalten können.» Sollten die Überschneidungen zu gross werden, so Riklin laut «Blick», müsse man Anwälte einschalten. 

Frank Riklin (links) und sein Bruder Patrik 
Keystone

Schweiz Tourismus sieht das naturgemäss anders – ein Plagiat sieht man hier nicht. Wie «Blick» Mediensprecher Markus Berger zitiert, seien die Gespräche mit dem Künstlerduo auch deswegen gescheitert, «da sich unser Konzept doch recht deutlich vom Kunstprojekt der Gebrüder Riklin unterscheidet».

Das Projekt sei deshalb einzigartig, «da es übers ganze Land verteilte, über eine einzige Stelle buchbare ganz unterschiedliche Hotelzimmer zu buchen geben wird, von denen aus man einen ungehinderten Blick auf den Sternenhimmel hat».

Zurück zur Startseite