Schweizer Bergbahnen hoffen auf Gäste aus dem Inland

Gil Bieler

26.11.2020 - 06:53

Skifahrer mit Atemschutzmaske fahren mit dem Sessellift "Ice Flyer" auf dem Titlis, am Dienstag, 10. November 2020. Auf allen Sesselbahnen, Skiliften und Seilbahnen des Skigebietes gilt Maskenpflicht. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Auch auf Sesselliften, wie hier auf dem Titlis, gilt Maskenpflicht.
Bild: Keystone/Alexandra Wey

Obwohl die Pandemie unberechenbar bleibt, blicken die Schweizer Bergbahnen mit Zuversicht auf die Wintersaison. Doch der Lockdown vom Frühling ist nicht vergessen – und Touristen aus dem Ausland fehlen.

Wie viel Wintersport verträgt es in der Corona-Pandemie? Diese Frage wird derzeit im ganzen Alpenraum hitzig diskutiert. Italien hat bereits beschlossen, dass die dortigen Skigebiete bis mindestens 10. Januar geschlossen bleiben – und macht sich für eine länderübergreifende Koordination stark. Frankreich tritt beim Wintersport ebenso auf die Bremse, Österreich dagegen hält entschlossen an der Öffnung fest.

In der Schweiz ist Wintersport erlaubt, in vielen Gebieten sind erste Pisten bereits offen. Doch der schweizweite Lockdown damals per 16. März, der der vergangenen Saison ein vorzeitiges Ende bereitet hatte, ist nicht vergessen – und das Virus bleibt omnipräsent.

Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, hat der Branchenverband Seilbahnen Schweiz Ende Oktober sein Schutzkonzept verschärft. Die Maskenpflicht gilt seither nicht nur in den geschlossenen Seilbahnkabinen, sondern neu auch auf Freiluftbahnen wie etwa Sessel- und Schleppliften. Auch in allen Wartezonen und auf Parkplätzen ist ein Mund-Nasen-Schutz obligatorisch.

Lockdown kam überraschend

Trotz all dieser ungewohnten Massnahmen: Das Ski- und Snowboardfahren ist möglich, lautet die Botschaft an die Wintersportlerinnen und -sportler. «Mit den Schutzkonzepten sind wir gerüstet, dass das Skivergnügen ohne Abstriche bei der Sicherheit möglich wird», hält Hans Wicki, Nidwaldner Ständerat und Präsident von Seilbahnen Schweiz, in einer Mitteilung fest. «Es ist wichtig, dass das die Bevölkerung weiss.»

Auch in Schweizer Wintersportgebieten blickt man zuversichtlich auf die anstehende Saison. «Wir sind optimistisch, dass der Skisport möglich bleibt», sagt Mathias Imoberdorf, Kommunikationsverantwortlicher bei den Zermatt Bergbahnen, auf Anfrage von «blue News». Man bleibe aber flexibel.

Sprich: Auch auf das Worst-Case-Szenario – eine neuerliche Schliessung – bereite man sich vor. Denn vom Lockdown im Frühling sei man überrumpelt worden, «da hätten wir gern zwei, drei Tage Vorlauf gehabt», sagt Imoberdorf. Der verfrühte Saisonschluss habe in Zermatt zu Einsatzeinbussen von rund 15 Millionen Franken geführt. «Das war verkraftbar, hat aber das Ergebnis einer Super-Saison verwässert.»

Von der Disziplin der Gäste überrascht

Im Skigebiet Arosa-Lenzerheide tönt es ähnlich: Seit Ende Oktober sind erste Anlagen jeweils am Wochenende geöffnet, der durchgehende Betrieb startet am Wochenende. Die bisherigen Erfahrungen stimmen Stefan Reichmuth zuversichtlich: «Ich bin überrascht, wie gut sich die Leute an die Schutzvorgaben halten», sagt der Mediensprecher der Arosa Bergbahnen.

«Hätten Sie mir vor einem Jahr gesagt, dass alle mit Schutzmaske Ski fahren gehen, hätte ich das nicht geglaubt.» Als weitere Massnahme werden die Bahnen wenn nötig häufiger fahren, um die Wartezeiten und damit Menschenansammlungen zu vermeiden.

Schweizer sollen Skifahren – trotz Corona

Schweizer sollen Skifahren – trotz Corona

In den Alpen herrschen perfekte Bedingungen für Wintersportler – eigentlich. Denn wegen der Corona-Pandemie ist diese Saison alles anders, ausländische Touristen bleiben aus. Die Skigebiete bauen auf die Schweizerinnen und Schweizer.

25.11.2020

Beim Lockdown im Frühjahr sei man in Arosa-Lenzerheide «mit einem hellblauen Auge» davongekommen. Dass es diesen Winter erneut zu einer schweizweiten Zwangsschliessung kommen könnte, habe man zwar im Hinterkopf, sagt Reichmuth. Er erwartet aber eher, dass es bei einer Häufung von Fällen zu einer Schliessung einzelner Gebiete kommen werde. «Wenn das der einzige Weg sein wird, muss das halt sein. Die Gesundheit geht vor.»

Wie schnell die Angst vor dem Virus aufflammt, zeigte sich in Zermatt erst vor Kurzem: Bilder von Wintersportlern, die sich vor Öffnung der Anlagen im Eingangsbereich drängten, lösten einigen Wirbel aus – sogar die Polizei fuhr vor.

Solche Szenen seien mittlerweile vorbei, sagt Imoberdorf: «Die Polizei musste nur an einem Sonntag die Einhaltung der Sicherheitsmassnahmen überwachen, seither war das nicht mehr nötig.» Man habe aber die Bodenmarkierungen, die an das Abstandhalten erinnern, deutlicher kenntlich gemacht.



Der Start der Hauptsaison ist in Zermatt für den 5. Dezember vorgesehen – mit coronabedingten Einschränkungen: Der Kanton Wallis hat alle Gastrobetriebe bis mindestens zum 13. Dezember geschlossen. Daher können auch die Restaurants im Skigebiet Zermatt vorerst nur Take-away-Service anbieten, in der Wärme zu sitzen ist für Skifahrer nicht möglich. «Das trübt natürlich das Gästeerlebnis», so Imoberdorf.

Touristen aus dem Ausland fehlen

Wie attraktiv ist Wintersport in Corona-Zeiten? Eine Umfrage des Verbands Schweiz Tourismus unterstreicht zumindest die schwierige Ausgangslage für die Wintersportorte: Für die Festtage wurden per Ende Oktober in den Berggebieten rund ein Fünftel weniger Buchungen gezählt als noch im Vorjahr. Für die Sportferien zeigte sich gar ein Minus von 28 Prozent. Vor allem Gäste aus dem Ausland fehlen in diesem Jahr.

In Arosa bestätigt sich dieser Trend, wie eine Anfrage bei der lokalen Tourismusorganisation ergibt: Bei Hotelbuchung liege man im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent im Rückstand, bei Ferienwohnungen um zehn Prozent. Und: «Je nach Entscheiden des Bundesrats wird das mehr oder weniger werden.»

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