Wellness auf 2149 Meter über Meer

Max Hugelshofer

3.12.2020 - 18:02

Das Hotel Süsom Givè auf dem Ofenpass hat seit der Sanierung auch im Winter geöffnet. Dann zahlt sich die Sauna aus. Wie im hohen Norden kann man sich dampfend in den Schnee legen oder im Iglu abkühlen.

Die Schneeschuhtour war wunderschön, aber anstrengend. Jetzt, nach einem Kaffee mit Apfelstrudel draussen auf der Hotelterrasse, kriecht langsam die Kälte in die Knochen. Zum Glück gibt es für die Gäste des Passhotels Süsom Givè neu einen kleinen Wellnessbereich. Hotelier Peider Toutsch hat die Sauna bereits eingeheizt, so steht dem Entspannen nach nordischer Art nichts mehr im Weg.

Die Anlage, die Peider in einem ehemaligen Geräteraum unterhalb des grossen Wintergartens eingerichtet hat, ist modern und grosszügig. Es gibt zwei Saunen mit unterschiedlicher Temperatur, verschiedene Zuber und Duschen und sogar einen kleinen Whirlpool.

Das Beste befindet sich aber draussen: Ein riesiger Schneehaufen auf dem Parkplatz, der sich bei näherer Betrachtung als gemütliches Iglu entpuppt. Zwischen den Saunagängen lässt es sich hier wunderbar auskühlen. Ganz mutige Gäste liefern einander sogar eine Schneeballschlacht oder legen sich gleich ganz in den Schnee. Genug davon hat es hier fast immer. Schliesslich liegt das Hotel Süsom Givè auf 2149 Meter über Meer.

Das ganze Jahr geöffnet

«Es war keine einfache Entscheidung, das Hotel auch im Winter offen zu halten», sagt Peider. Er hat das Haus vor 14 Jahren in dritter Generation übernommen. Zuerst führte er es noch zusammen mit seinem Bruder, dann alleine. Die Gastronomie lief gut. Einerseits mit einfachen und günstigen Menüs für die Passtouristen, andererseits mit Spezialitäten aus lokalen Produkten, mit denen sich Peider weit herum einen Namen gemacht hatte.

Beim Hotelbetrieb kämpfte das Süsom Givè aber mit den veränderten Anforderungen der Gäste. Die alten Zimmer mit Etagenduschen liessen sich kaum mehr füllen. Über kurz oder lang hätte Peider seinen Betrieb schliessen müssen.

Als Testballon stellte er hinter dem Haus eine kleine, gemütliche Hütte mit eigenem Bad auf. Dafür fand er problemlos Gäste. Also entschied sich Peider, den Schritt nach vorne zu wagen, die Hotelzimmer zu sanieren und mit viel Arvenholz aus der Region zu kleinen Wohlfühloasen werden zu lassen. Eine Sauna sollte das Angebot abrunden. Damit die Investitionen tragbar waren, durften die neuen Zimmer aber nicht wie bisher das halbe Jahr über ungenutzt bleiben. Also wurde das Süsom Givè zum Ganzjahresbetrieb.

Die ersten Erfahrungen sind gut: «Wir sprechen ganz andere Gäste an als im Sommer», sagt Peider. Im Winter sind es weniger Durchgangsreisende, sondern vor allem Ruhesuchende und Naturliebhaber, die auf Schneeschuhen die Gipfel und Täler rund um den Ofenpass und im Val Müstair erkunden. Und sich unterwegs schon auf die Sauna freuen.

Diese Reportage erschien zuerst in der «Berghilfe Magazin». Die Schweizer Berghilfe hat Peider Toutsch bei der Sanierung der Hotelzimmer und dem Bau der Wellnessanlage unterstützt.


Zurück zur Startseite