Mattia Testa: «Es ist wie ein Sechser im Lotto»

Aufgezeichnet von Isabel Plana

9.10.2019 - 18:00

Viele Junge verlassen für die Ausbildung ihre Bergdörfer und kommen nicht mehr heim. Nicht so Mattia Testa. Nach der Lehre kehrte er nach Vergeletto im Tessiner Onsernontal zurück und gründete einen Forstbetrieb.

«Es ist wie ein Sechser im Lotto, wenn man die Möglichkeit hat, in einem so abgelegenen Bergtal seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Denn es gibt hier kaum Arbeitsplätze. Man muss sich selbständig machen können, anders geht es kaum.

Deshalb bin ich sehr froh, dass mir die Berghilfe beim Kauf der Holzspalt-Maschine und des Traktors geholfen hat. Ich bin ja erst 20 und hatte noch nicht so viel Kapital, um eine solche Investition zu tätigen. Die Anschaffung war aber sehr wichtig, denn nur so hat mein Holzverarbeitungsbetrieb überhaupt eine ernsthafte Chance.

Ich habe letztes Jahr meine Schreinerausbildung in Bellinzona abgeschlossen. Für mich war klar, dass ich zurück in mein Heimatdorf Vergeletto ziehen und eine eigene Firma gründen will. Ich kann mir nicht vorstellen, in der Stadt zu wohnen.

Ohne Maschinen nicht möglich

Holz war schon in meiner Kindheit allgegenwärtig. Ich habe schon meinen Vater zum Holzschlagen in den Wald begleitet und ihm beim Holzhacken geholfen. Meine Familie hat aber eigentlich nur für den Eigenbedarf produziert. Und das Sägen und Spalten wurde alles von Hand gemacht.

Bisher kann ich noch nicht allein von der Holzverarbeitung leben, da ich nur im Sommerhalbjahr genug Arbeit habe. Im Frühling geht es jeweils los mit dem Holzschlag. Danach kann ich etwa bis im September, Oktober Holz spalten, zusägen und verkaufen. Im Winter arbeite ich jeweils als Mechaniker und kümmere mich um die Schneeräumung in Vergeletto. Man muss halt flexibel sein und Verschiedenes machen, wenn man hier durchkommen will.



Mein Ziel ist es, das ganze Jahr von der Holzverarbeitung leben zu können, ohne noch einem Nebenverdienst nachgehen zu müssen. Ein Kollege von mir wird nächstes Jahr, wenn er seine Schreinerlehre fertig hat, in das Geschäft einsteigen. Das ermöglicht uns einen Ganzjahresbetrieb: Den Sommer über produzieren wir Brennholz und im Winter machen wir Schreinerarbeiten.

Ohne die neue Spaltmaschine wäre ein gewinnbringender Vollzeitbetrieb aber kaum möglich. Ich habe sie letzten Winter gekauft und diesen Frühling erstmals in Betrieb genommen. Vorher dauerte es einen Monat, um zehn Tonnen Holz zu spalten, und ich brauchte dafür die Hilfe von meinem Vater oder einem Kollegen. Mit der Maschine schaffe ich die gleiche Menge in nur einem Tag – allein. Ich rechne damit, dass ich dieses Jahr mindestens doppelt so viel Brennholz produzieren kann wie im Vorjahr, das wären über 40 Tonnen.

Heizen mit Holz ist beliebt

Die Abnehmer sind hauptsächlich Einwohnerinnen und Einwohner aus Vergeletto und den umliegenden Tälern. Es gibt noch ein paar Leute, die nebenbei oder für den Eigenbedarf Brennholz machen, aber kaum jemanden, der im grossen Stil produziert.



Eine Sägerei im Dorf hat vor kurzem aufgehört und ihre Kunden zu mir geschickt. Ich glaube, dass mein Betrieb gute Chancen hat. Immer mehr Leute hier heizen mit Holz, der Bedarf steigt. Insbesondere an Holzpellets. Ich überlege mir deshalb, künftig Pellets zu vertreiben.

Mit dem Traktor, den die Berghilfe ebenfalls mitfinanziert hat, könnte ich die Pellets transportieren. Pellets selber zu produzieren, ist in absehbarer Zeit nicht realistisch, weil dafür eine umfangreiche, teure Infrastruktur nötig ist. Es braucht nicht nur eine spezielle Pelletieranlage dafür, sondern auch noch Silos zur Lagerung der Pellets. Aber wer weiss, wenn sich mein Betrieb gut entwickelt und die Nachfrage weiter steigt, ist die Pellet-Produktion vielleicht eine Karte, auf die ich in einigen Jahren setzen kann.»

Diese Reportage erschien zuerst in der «Berghilf-Ziitig».

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