Etikettenschwindel

Etikettenschwindel mit Echtpelz

Mara Ittig

27.1.2019

Kapuzen mit F ellbesatz gelten gerade als sehr modisch. Wer dabei auf Echtpelz verzichten will, muss genau hinschauen. 
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Echtpelz wird auch in der Schweiz immer wieder falsch deklariert. Das musste «Bluewin»- Redaktorin Mara Ittig nun am eigenen Leib erfahren. Wie man sich davor schützen kann. 

Den Jahreswechsel verbrachte ich in den frisch verschneiten Bündner Bergen. Die perfekte Gelegenheit, um mir eine neue Mütze zu kaufen. Ich erblickte in einem Schaufenster ein Modell mit Pelz-Bommel , «Fake Fur» prangte in grossen Lettern auf einem Schild daneben. Nachdem ich mich bei der Verkäuferin nochmals davon überzeugt hatte, dass es wirklich kein echter Pelz ist, der da meine neue Mütze ziert, wanderte die Kappe in meinen Besitz. 

Zu Hause beschlich mich ein ungutes Gefühl, das Fell sah einfach zu echt aus. Ich wollte einen Blick auf das Etikett werfen und dort nach weiteren Informationen suchen. Und stellte fest: Es wurde herausgetrennt. Auch ein Test (Methoden siehe weiter unten), um echten Pelz von falschem zu unterscheiden, liess mich eher skeptisch zurück.

Etikettenschwindel ist keine Seltenheit

Ich bin wohl einem Etikettenschwindel aufgesessen und habe mir – wider besseren Wissens und gegen meinen Willen – ein Produkt mit Echtfell gekauft. Das nervt mich. Absolute Sicherheit werde ich wohl nie haben, denn Labortests, die sämtliche Zweifel beseitigen könnten, sind teuer. Die Mütze trage ich nicht mehr. 

Eine Anfrage beim Zürcher Tierschutz ergab, dass es sich bei meiner Mütze wohl um keinen Einzelfall handelt. Auch in der Schweiz werden Pelzprodukte immer wieder mangelhaft oder falsch deklariert. Dies obwohl die Pelzdeklarationspflicht hierzulande seit 2014 gesetzlich vorschreibt, dass jedes zum Verkauf angebotene Produkt mit Echtpelz in einer Landessprache Auskunft über Tierart, Herkunft und Gewinnungsart geben muss.

Echt oder fake? Wenn Etiketten und Verkaufspersonal keine Auskunft  geben können, ist man als Konsument auf sich alleine gestellt. 
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In Deutschland stellte die Stiftung Warentest bei einem Stichprobenkauf im Jahr 2016 fest, dass viele vermeintliche Fake Fur Produkte in Wahrheit aus Echtpelz gefertigt waren. Denn – und das ist besonders bitter – die Echthaarprodukte stammen oft aus zweifelhafter Produktion, häufig aus China und sind deswegen billiger als gleichwertige Produkte mit Kunstpelz.

Marderhund wird als Waschbär verkauft

In vielen Fällen handelt es sich bei falsch deklarierten Pelz um das Fell von Marderhunden. «Das Fell des Marderhunds aus chinesischen Farmen ist oft billiger oder zumindest genauso billig wie Kunst­fell», sagt Lea Schmitz, Biologin beim Deutschen Tier­schutz­bund. Immer wieder decken Tier­schutz­organisationen eine weitere Form der Verbraucher­täuschung auf: Hersteller geben das Fell von Marderhunden als eine andere Tier­art aus, meist als das eines Wasch­bärs. Das höre sich hochwertiger an, so Schmitz. In der Schweiz ist der Handel mit Katzen- und Hundefellen zudem verboten. 

Während sich auf der einen Seite immer mehr Shops wie Jelmoli oder Net-à-Porter und Brands wie Chanel oder Gucci dazu entschliessen, in Zukunft komplett auf Echtpelz zu verzichten, hält der Trend zu fellbesetzten Kapuzen und Mützen mit Pelz-Bommeln an. Wie kann ich als Konsument feststellen, ob ein Produkt tatsächlich ohne Pelz hergestellt wurde? 

Der Tierschutz gibt Auskunft darüber, wie man dem Etikettenschwindel entgehen kann:

  • Bei Echtpelz besteht das Untermaterial aus Leder. Kunstpelz ist auf einem gewebten Stoff befestigt.
  • Die Haare von echtem Pelz bewegen sich bereits, wenn Sie sanft darüber pusten. Kunstpelzhaare sind steifer.
  • Bei bereits erworbenem Pelz können Sie ein paar Haare ausreissen und vorsichtig anzünden: Echtpelz riecht nach verbranntem Haar, Kunstpelz nach verbranntem Plastik.

Der Preis ist übrigens kein Indiz: Qualitativ hochwertiger Kunstpelz ist in der Herstellung oftmals teurer als Echtpelz aus fragwürdiger Produktion.

Im Zweifelsfall – das kann ich nun leider aus eigener Erfahrung sagen – lieber nicht zugreifen. Denn die Deklaration ist oft falsch, das Personal schlecht informiert, Gewissheit also nur schwierig zu erlangen. Wer komplett auf Pelz verzichten möchte, kann sich bei einem Händler eindecken, der sich der Fur Free Initiative angeschlossen hat oder gleich auf Mode mit Fellbesatz – ob nun echt oder fake – verzichten. Es gibt schliesslich auch schöne Kappen ohne Bommel. 

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