Looks like Shit? Stimmt nicht

Mara Ittig

27.4.2019 - 14:00

«Looks like Shit. But saves my life.» Die Kampagne des deutschen Bundesministeriums für Verkehr sorgt für Gesprächsstoff.
Bild: runtervomgas.de

Helme schützen Leben. Doch immer noch fährt mehr als die Hälfte aller Schweizerinnen und Schweizer ohne Kopfschutz Velo. Bei vielen steht offenbar die Eitelkeit der Sicherheit im Weg. Dabei gibt es auch coole Helme. 

Velohelmen haftet ein unsexy Image an. Für viele Grund genug, darauf zu verzichten, obwohl die Fakten eine andere Sprache sprechen: In der Schweiz ereignen sich jährlich 30'000 Velounfälle, ein Helm halbiert das Risiko einer Kopfverletzung um die Hälfte. Laut einer Umfrage der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu sind hierzulande lediglich 46 Prozent mit einem Helm unterwegs. 

Das Problem kennt man auch in anderen Ländern. In Deutschland sorgte unlängst eine Kampagne mit dem markigen Slogan «Looks like Shit. But saves my life» für Aufregung. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wurde für seine Kampagne in den Sozialen Medien harsch angegriffen: Sexistisch sei sie, altbacken, am Thema vorbei.

Aufmerksamkeit wurde dem Thema Fahrradhelm dadurch allerdings tatsächlich zuteil, auch wenn die Frage erlaubt sei, ob man diese mit Models, die sich in Dessous im Bett räkeln, erreichen muss. Fakt ist aber auch: Die Kampagne trifft einen Nerv, denn viele Menschen verzichten aus Eitelkeit auf den Helm und dürften sich von der Aussage der Kampagne durchaus angesprochen fühlen. 

Doch sehen Velohelme immer noch «like shit» aus? Oder geht es auch hübsch? Wir haben uns umgesehen.

Für Asphaltcowboys

Die amerikanische Hut-Manufaktur Stetson stellt seit Jahren die Kopfbedeckung für Cowboys und alle, die sich dafür halten, her. Cooler geht's kaum. Das gilt auch für den Velohelm, der in Zusammenarbeit mit der Deutschen Verkehrswacht entstanden ist. Der «Dayton» erinnert optisch dank viel Retro-Charme eher an englischen Landadel als an Asphaltcowboys. Die Oberseite besteht aus Leinen und Seide, Lederpolster sorgen für den nötigen Tragekomfort, alles natürlich der obligaten DIN-Norm EN 1078 für Velohelme entsprechend. 

Helm und Visor kann man nach Geschmack selbst kombinieren, der Helm ist faltbar und lässt sich einfach verstauen: Der «Fuga» von Closca.
Bild: Closca

Für den Helm «Fuga» aus der Feder der spanischen Firma Closca standen weniger Hüte als vielmehr Architektur und Design Pate. Der puristische Helm kann in unterschiedlichen Farbvarianten ganz nach eigenem Gusto zusammengestellt werden und überzeugt durch ein schnörkelloses Design und eine besonders praktische Zusatzfunktion: Er lässt sich falten und kann so ganz einfach in der Tasche verschwinden, wenn man ihn nicht trägt. 

Matte, elegante Farben mit so klingenden Namen wie «champagne» oder «Salvia» und Kinnriemen aus hochwertigem Leder gibt es beim Sicherheits-Spezialisten Kask. Die Firma mit Sitz in Italien ist auf Schutzhelme für Sport und Arbeit spezialisiert und schafft es, die hohen Ansprüche an Sicherheit mit gutem Design zu kombinieren. Die Modelle aus der Lifestyle-Linie sind zusätzlich mit einem Visier ausgestatten, das sowohl Augen als auch Make-Up schützt und unter dem bei Bedarf auch gleich die (Sonnen)-Brille verschwindet. 

Endlich ein Velohelm, den man auch anziehen will – das zumindest verspricht der US-Hersteller «Thousand». 
Bild: Thousand

Die Entwürfe der US-Firma Thousand überzeugen mit einem coolen Retro-Design, das an Motorradhelme der 60er-Jahre erinnern soll. Die Helme gibt's in klassischen und unaufgeregten Farben mit Bio-Lederriemen sowie einer integrierten Diebstahlsicherung, mit der sich der Helm ganz einfach am Schloss befestigen lässt. Da passt auch der Claim «Finally a Bike Helmet, you actually want to wear».

Wer als Frau bisher auf den Helm verzichtet hat, weil sich der Kopfschutz einfach nicht mit der Frisur vereinbaren liess, wird beim Hamburger Start-Up Rad-Kappe fündig: Bei den schnörkellos designten Helmen stehen Farben wie «Ginger Mint» und «Vanilla Beige» zur Wahl. Der besondere Clou: Die Modelle verfügen am Hinterkopf über eine Aussparung für den Pferdeschwanz. 

Ein unsichtbarer Velohelm

Aus dem Veloland Dänemark kommt die Idee von Yakkay: Als Basis sucht man sich einen ziemlich schlichten und daher eigentlich optisch eh schon überzeugenden Helm aus – und stattet ihn dann bei Bedarf mit Covers in unterschiedlichen Designs aus: Vom karierten Sherlock-Holm-Modell über die sibirische Pelzmütze bis hin zum geblümten Sommerhut gibt's alles. 

Äusserst innovativ ist die Entwicklung zweier schwedischen Studentinnen namens Hövding: Es handelt sich dabei um einen Airbag, der ähnlich einem Schlauchschal um den Hals getragen wird und sich im Falle eines Aufpralls blitzschnell öffnet und so den Kopf und das Genick schützt. Die Hülle für den Hövding ist in unterschiedlichen Designs erhältlich. Dank dem schmalen Format kann der Hövding zudem praktisch mitgenommen und verstaut werden. 

Ganz schön innovativ ist die schwedische Erfindung Hövding: Ein Schal, der sich als Airbag entpuppt.
Bild: Hövding

Etwas weniger spektakulär sind die Helme von Nutcase, dafür gibt es die relativ erschwinglichen Modelle in unzähligen Designs, Farben und Mustern. Also: Helm auf, gar nicht so schlecht aussehen und den Kopf schützen. 

Splitterfasernackt für mehr Sicherheit im Strassenverkehr
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