Abhängigkeit von ausländischen Ärztinnen und Ärzten steigt weiter

jc, sda

24.3.2021 - 12:17

Die Abhängigkeit der Schweiz von Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland hat gemäss dem Ärzteverband im Jahr 2020 zum sechsten Mal in Folge zugenommen. (Archivbild)
Keystone

Die Abhängigkeit der Schweiz von Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland ist im vergangenen Jahr zum sechsten Mal in Folge gestiegen. Aus Sicht des Berufsverbands der Ärztinnen und Ärzte (FMH) braucht es in der Schweiz mehr Medizinstudienplätze.

jc, sda

24.3.2021 - 12:17

Die Corona-Krise habe gezeigt, welche zentrale Bedeutung die Versorgungssicherheit im Gesundheitswesen einnimmt, schreibt der Berufsverband FMH am Mittwoch in einer Mitteilung. Bislang hätten gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte dazu beigetragen, eine hochstehende Patientenversorgung auch im Krisenfall sicherzustellen.

Diesem «qualitativ hochstehenden Gesundheitswesen» gelte es, Sorge zu tragen. Der FMH denkt dabei etwa an die Schaffung von Medizinstudienplätzen sowie den Erhalt von guten Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte.

Auslandsabhängigkeit steigt weiter

Gemäss der Ärztestatistik waren im Jahr 2020 insgesamt 38'502 Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz tätig. Davon hatten 37,4 Prozent ihr Studium nicht in der Schweiz absolviert und abgeschlossen. Das sind 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2014 betrug der Anteil noch 31 Prozent.

Diese Auslands-Abhängigkeit ist gemäss FMH im internationalen Vergleich hoch. Das liege an der hohen Lebensqualität in der Schweiz, den guten Arbeitsbedingungen, der Angrenzung an mehrere Länder sowie an der Mehrsprachigkeit. Der Verband gibt zu bedenken, dass diese Ärztinnen und Ärzte in ihren Herkunftsländern fehlen. Der Grossteil der Fachkräfte kommt aus Deutschland (52,6 Prozent), gefolgt von Italien (9,1 Prozent), Frankreich (7,1 Prozent) und Österreich (6 Prozent).

Kaum Zunahme an Fachkräften

Insgesamt hat die Anzahl der Fachkräfte im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr nur leicht zugenommen, um 620 Personen oder – gerechnet in Vollzeitstellen – um 0,03 Prozent, wie es weiter heisst. Der Frauenanteil belief sich auf knapp 44 Prozent. Der Anteil der Ärztinnen hat sich gemäss der Statistik zwischen 2000 und 2018 zwar deutlich von 29,1 Prozent auf 43,2 Prozent im 2018 erhöht. Damals hatte die Schweiz aber unter sechs Vergleichsländern in Europa den tiefsten Frauenanteil. Ein Vergleich zum aktuellen Jahr liegt nicht vor.

Die FMH geht davon aus, dass sich der Frauenanteil in der Ärzteschaft in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter erhöhen wird. Dadurch würden die Gesamtarbeitsstunden abnehmen, weil Frauen ein tieferes Arbeitspensum aufweisen würden.

Es sei daher besonders wichtig, dass der Arztberuf besser mit Familie und Weiterbildungen vereinbar sei, beispielsweise mit einer besseren Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen. Zudem müsse die Karriereförderung gezielter auf Frauen ausgerichtet werden und Teilzeitarbeit bei Männern gefördert werden.

jc, sda