Hohe Impfquote

Dänemark und England heben fast alle Massnahmen auf

Von Larissa Schwedes und Christoph Meyer, dpa

27.1.2022 - 13:16

Corona-Mutationen: Welche Virusvariante setzt sich durch?

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19.01.2022

Trotz Rekordwerten bei den Neuinfektionen verzichtet nach England bald auch Dänemark auf fast alle Massnahmen. Man verfüge über eine «Superwaffe», sagt Regierungschefin Frederiksen. 

Von Larissa Schwedes und Christoph Meyer, dpa

27.1.2022 - 13:16

Trotz Zehntausender Neuinfektionen pro Tag wollen Dänemark und England künftig fast ohne Corona-Massnahmen auskommen. In England sind am Donnerstag erneut die Masken gefallen, in Dänemark soll es in der kommenden Woche so weit sein.

Beide Regierungen verlassen sich darauf, dass Omikron die meisten Infizierten von schweren Verläufen verschont. Vom kommenden Dienstag an müssen die Dänen an den meisten Orten keine Masken mehr tragen oder Impfnachweise vorweisen, wie die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Mittwochabend in Kopenhagen sagte. Damit folgt ihre Regierung den Weisungen der zuständigen Kommission, die empfohlen hatte, die Notfallmassnahmen zur Bekämpfung der Pandemie – und damit die meisten Beschränkungen – auslaufen zu lassen.



Hohe Impfbereitschaft sei «Superwaffe»

Frederiksen bezeichnete den Schritt als Meilenstein. «Wir sagen ‹Auf Wiedersehen› zu Einschränkungen und ‹Hallo› zu dem Leben, das wir vor Corona kannten», sagte die Regierungschefin. Die hohe Impfbereitschaft habe sich als «Superwaffe» herausgestellt, so Frederiksen weiter. Omikron rufe seltener schwere Krankheitsverläufe hervor und die Zahl der Spitaleinweisungen sei verhältnismässig gering, sagte Frederiksen. In Dänemark sind mehr als 80 Prozent der Gesamtbevölkerung zweifach geimpft. Die Hälfte der Dänen hat bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten.

26.01.2022, Dänemark, Kopenhagen: Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark, spricht bei einer Pressekonferenz über das Coronavirus. Trotz Rekordwerten an Neuinfektionen will Dänemark beinahe alle Corona-Beschränkungen aufheben. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark, spricht bei einer Pressekonferenz über das Coronavirus.
Bild: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix/AP/dpa

Die Ministerpräsidentin mahnte die Menschen aber auch dazu, Rücksicht zu nehmen auf Risikogruppen wie Ältere, gesundheitlich Geschwächte und Menschen mit chronischen Erkrankungen. «Jeder muss sich auch in einem offenen Dänemark sicher fühlen», sagte die sozialdemokratische Politikerin. Bleiben sollen vorerst eine Testpflicht für einige Einreisende sowie nicht verpflichtende Empfehlungen zu Tests und anderen Vorsichtsmassnahmen.

Rekordwerte an Neuinfektionen

Ab nächstem Monat sollen in Dänemark Diskotheken und Clubs wieder normal öffnen und Grossveranstaltungen ungehindert über die Bühne gehen können – obwohl das Land derzeit Tag für Tag Rekordwerte an Neuinfektionen zählt. Am Mittwoch wurden 46'747 neue Corona-Fälle gemeldet. Nach Einschätzung der Regierung werden die Zahlen im Februar weiter steigen, bevor sie wieder fallen.

Experten zeigten sich teilweise skeptisch. Der Mathematiker und Epidemiologe Viggo Andreasen von der Universität Roskilde unterstützt die Lockerungen im Prinzip, hätte sich aber für eine leichte Verzögerung ausgesprochen. Er fürchtet, dass bei noch höheren Infektionszahlen so viele Menschen gleichzeitig krank sind, dass es Probleme für Spitäler, Pflegeheime oder Schulen geben könnte.

Keine Maskenpflicht mehr in England

In England, wo durch die Omikron-Welle hindurch relativ grosse Freiheiten galten, fallen nun auch die bislang noch geltenden Massnahmen: Ab Donnerstag gilt im grössten britischen Landesteil in den meisten Innenräumen keine Maskenpflicht mehr und auch die ohnehin nur bei Grossveranstaltungen und in Clubs eingesetzten Impf- oder Testnachweise müssen nicht mehr kontrolliert werden. Die Empfehlung, von zu Hause aus zu arbeiten, ist ebenfalls Geschichte. Es ist der zweite Freedom Day – allerdings ohne grossen Knall wie im vergangene Jahr, da das Land sich völlig im Sog der Partygate-Affäre um Premier Boris Johnson befindet.

Fast keine Masken mehr sieht man am 27. Januar 2021 in der Liverpool Street Station in London: Fast alle Pandemie-Massnahmen in Grossbritannien werden aufgehoben.
dpa

Johnsons stark unter Druck stehende Regierung hat die wegen der Omikron-Variante eingeführten, sogenannten Plan-B-Massnahmen auslaufen lassen, nachdem die Zahl der Corona-Neuinfektionen seit Anfang Januar rapide gefallen war. Er hatte die Beschränkungen im Dezember nur mit Unterstützung der Opposition gegen den Widerstand in seiner eigenen Partei durchs Parlament gebracht.

Die anderen Landesteile gehen einen vorsichtigeren Weg

In der britischen Hauptstadt London gilt weiterhin in Bahnen und Bussen eine Maskenpflicht. Auch einige Supermärkte rufen ihre Kunden weiterhin dazu auf, eine Maske zu tragen. Ansonsten wird es wieder zur Privatsache, wer sich wo und wie vor dem Virus schützen will.

In den vergangenen Tagen haben sich die Neuinfektionen im Vereinigten Königreich auf hohem Niveau eingependelt – täglich werden zwischen 80'000 und 100'000 Neuinfektionen gemeldet, die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei rund 945 (Stand: 21. Januar). Schottland, Wales und Nordirland entscheiden eigenständig über ihre Corona-Politik und wählen einen etwas vorsichtigeren Weg.

Von Larissa Schwedes und Christoph Meyer, dpa/uri

Von Larissa Schwedes und Christoph Meyer, dpa