Konferenz in Wien

Dutzende Staaten wehren sich gegen Atomwaffen

DPA, gbi

21.6.2022 - 15:15

Nach der Explosion einer französischen Atombombe 1971 hängt ein Atompilz über dem Mururoa-Atoll.
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Alles deutet auf ein globales Aufrüsten hin. Doch ein Teil der Welt fordert an einer Konferenz in Wien, dass zumindest Atomwaffen abgeschafft werden.

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21.6.2022 - 15:15

Bangladesch, Kasachstan, Nigeria, Kiribati, Chile – es sind auf den ersten Blick nicht die einflussreichsten Staaten, die sich in Wien zu ihrer ersten Konferenz versammelt haben. Sie gehören zu den 65 Ländern, die den neuen UNO-Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) ratifiziert haben, 86 haben ihn zumindest unterschrieben.

Diese Nationen treibt um, was UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zu Beginn der dreitägigen Konferenz am Dienstag per Videobotschaft auf den Punkt brachte: «Wir können nicht zulassen, dass die Atomwaffen in den Händen einiger weniger Staaten alles Leben auf unserem Planeten bedrohen.» 13'000 Atomsprengköpfe lagern in den Arsenalen von neun Atommächten. Schon wenige könnten das Leben und den Planeten extrem bedrohen. Also: Weg damit, sagt der TPNW in bisher einmaliger Klarheit.

Das Umfeld der Konferenz ist denkbar ungünstig für ihr Anliegen. Spätestens seit Beginn des Krieges in der Ukraine stehen die Zeichen auf Aufrüstung, die atomaren Fähigkeiten gewinnen eher an Bedeutung.

«Alle Zeichen zeigen in die falsche Richtung», sagte Österreichs Abrüstungsexperte und Diplomat Alexander Kmentt. Zugleich drehte er den Spiess um: Gerade in einer Zeit wie dieser sei ein solcher Vertrag, sei eine solche Initiative wichtig.

Experten hatten am Tag vor der Konferenz in Vorträgen gezeigt, welche katastrophalen Folgen die Explosion schon einiger Atomwaffen hätte – und Beispiele genannt, dass die Welt mehrfach an deren Einsatz nur knapp vorbeigeschrammt sei. Inzwischen lasse die Rhetorik gerade Russlands vermuten, dass der Einsatz taktischer Atomwaffen in den Bereich des Möglichen rücke, hiess es.

Nato setzt auf Abschreckungseffekt

Deutschland und Norwegen sind als Beobachter bei der Konferenz vertreten. Beide Länder gehören der Nato an, die an der bisherigen Strategie festhält. Das bedeutet: Atomwaffen sind zentraler Bestandteil der Abschreckung. Die Angst vor ihnen soll einen grossen Krieg unwahrscheinlich machen.

Was in Sachen Abrüstung möglich ist, zeigten die 1990er Jahre. Nach dem Ende der Sowjetunion und angesichts des grossen Vertrauens in die andere Seite schafften Moskau und Washington Tausende taktische Atomwaffen ab. «Das geschah ohne Verifikation» – die Gegenseite verzichtete sogar auf genaues Überprüfen der Schritte, erinnert Moritz Kütt vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik.

In der aktuellen Zeit tiefen Misstrauens zwischen den grossen Mächten erscheinen Schritte hin zu weniger Waffen illusorisch. Dennoch soll die Wiener Konferenz ein Signal sein, wie es gehen sollte. «Es ist völlig absurd, sich gegenseitig Pistolen an den Kopf zu halten, damit es friedlich bleibt», sagt Kütt.

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