Italien - Corona-Krise

Mafia-Boss in den Hausarrest entlassen

SDA/tpfi

25.4.2020

Zuerst von den Carabinieri gefasst und von der Justiz verurteilt — jetzt werden wegen der Corona-Krise Kriminelle in Italien aus den Gefängnissen in den Hausarrest entlassen. (Symbolbild)
Zuerst von den Carabinieri gefasst und von der Justiz verurteilt — jetzt werden wegen der Corona-Krise Kriminelle in Italien aus den Gefängnissen in den Hausarrest entlassen. (Symbolbild)
Bild: Roberta Basile/Pacific Press via Zuma Press

Um die Lage in den chronisch überfüllten italienischen Gefängnissen zu entschärfen, wurden Strafen verkürzt und manche Häftlinge mit weniger schweren Vergehen in Hausarrest geschickt. Nun wurde sogar der Camorra-Boss Pasquale Zagaria von seinem Gefängnis auf Sardinien in die Stadt Brescia in Hausarrest geschickt.

Wegen der Corona-Krise hat die Justiz in Italien auch inhaftierte Mafia-Mitglieder in den Hausarrest entlassen. Darunter ist laut Medien der verurteilte Camorra-Boss Pasquale Zagaria, der den Spitznamen «Bin Laden» trägt. Seine Verlegung in einen mehrmonatigen Aufenthalt zu Hause sorgt für heftige Debatten, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Samstag berichtete.

Der 60-jährige Zagaria wurde den Berichten zufolge 2007 wegen Mafia-Verbrechen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er sass in Sassari auf Sardinien im Gefängnis. Wegen einer Krankheit entschied ein Gericht, dass seine gesundheitliche Versorgung in Zeiten der Corona-Krise in der Strafanstalt nicht garantiert werden könne. Zagaria ist den Angaben nach der Bruder eines Super-Bosses der Casalesi-Bande, eines Clans der neapolitanischen Camorra. Er wurde von Sardinien in die Stadt Brescia in der Lombardei geschickt.

Dieser Beschluss löste empörte Reaktionen besonders in den Rechtsaussen-Parteien aus. Die Lega, die in Rom in der Opposition ist, warf der Regierung Fahrlässigkeit vor. Sie gefährde die Sicherheit der Bürger, wenn sie Schwerkriminelle nach Hause verlege. Auch ein Opferverband meldete Bedenken an. Das Ressort von Justizminister Alfonso Bonafede sagte am Freitag eine Prüfung zu, wie die Ansa schrieb.

Italien ist von der Corona-Welle besonders schwer betroffen. Um die Ansteckungsgefahr in den chronisch überfüllten Gefängnissen zu entschärfen, wurden Strafen verkürzt und manche Häftlinge mit weniger schweren Vergehen in Hausarrest geschickt.

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