Maurer-Nachfolge

Wer ins Rennen steigt und wer abgesagt hat

ot, sda

19.10.2022 - 12:30

Nachfolge von Ueli Maurer:  Politexperte Hermann zu  möglichen Kandidaturen

Nachfolge von Ueli Maurer: Politexperte Hermann zu möglichen Kandidaturen

Nach dem Rücktritt ist vor der Wahl. Das Kandidatenkarussel ist bereits am Drehen. Für Politexperte Michael Hermann hat die besten Chancen ein volksnaher, aber eher gemässigter Kandidat. Als Favoriten sieht Hermann Albert Rösti, Franz Grüter und Esther Friedli.

03.10.2022

Das Kandidatenkarussell für die Nachfolge von SVP-Bundesrat Ueli Maurer dreht sich seit dessen Rücktrittsankündigung. Offizielle Kandidaturen sind noch rar, doch es kursieren viele Namen. Ein Überblick.

ot, sda

19.10.2022 - 12:30

Anmerkung: Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Stand: 19. Oktober.

Die Spekulationen um den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Ueli Maurer treiben wilde Blüten. Einige Kandidaten hegen berechtigte Hoffnungen – andere haben sich aus dem Rennen frühzeitig verabschiedet. Die wichtigsten Namen im Überblick:

Wer kandidiert?

Werner Salzmann: Noch ein Berner: Der SVP-Ständerat Werner Salzmann stieg als Erster ins Rennen um die Nachfolge von Ueli Maurer. Er habe das Anforderungsprofil studiert und sei zum Schluss gekommen, dass er es erfülle, sagte er am 7. Oktober. Der 59-jährige Salzmann ist Chefexperte bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern. Er ist seit 2019 Ständerat, zuvor war er während einer Legislatur Nationalrat. Salzmann war früher Präsident der kantonalen SVP.

Albert Rösti: Zehn Tage Bedenkzeit brauchte Albert Rösti, doch am 10. Oktober gab der Berner Nationalrat seine Kandidatur bekannt. Nach etlichen Gesprächen und einer eingehenden Lagebeurteilung könne er mit «klarem Ja» sagen, dass er sich das Amt zutraue, eine klare Vorstellung davon habe, wie er dem Land als Bundesrat dienen wolle und dass er den nötigen Rückhalt habe, sagte Rösti vor den Medien in Bern. Der Berner Oberländer ist promovierter Agronom und Berater, 55 Jahre alt und Gemeindepräsident von Uetendorf bei Thun. Seit 2011 politisiert er im Nationalrat, von 2016 bis 2020 war er Präsident der SVP Schweiz.

Heinz Tännler: Auch der Zuger Finanzdirektor Hein Tännler wirft seinen Hut in den Ring: Der 62-Jährige will Bundesrat werden. «Die Kandidatur kann ich bestätigen», sagte er der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Samstag, 15. Oktober. Die kantonale Parteileitung muss ihn aber noch der nationalen Findungskommission vorschlagen, was laut dem Präsidenten der SVP Zug, Thomas Werner, aber kein Hindernis sein werde: Man unterstütze die Kandidatur von Heinz Tännler.

Michèle Blöchliger: Die Nidwaldner Finanzdirektorin Michèle Blöchliger ist die einzige Frau, die nach aktuellem Stand kandidieren will. Die Gründungspräsidentin der SVP-Kantonalsektion ist seit 2018 Regierungsrätin, bis 2022 führte sie die Gesundheits- und Sozialdirektion. 2002 bis 2018 gehörte die 55-Jährige dem Kantonsparlament, dem Landrat, an. Nidwalden ist einer der fünf Kantone, welche noch nie im Bundesrat vertreten waren.

Hans-Ueli Vogt: Die Zürcher SVP stellt mit Hans-Ueli Vogt doch noch einen Bundesratskandidaten. Der 52-jährige Jurist ist ehemaliger Nationalrat. Seinen Rücktritt per Ende 2021 begründete er damit, dass er sich auf seine Tätigkeit als Jurist und Professor für Privat- und Wirtschaftsrecht konzentrieren wolle. Der schwule Stadtzürcher gilt als eher zurückhaltend. Über sich selber sagte er einmal, er sei «nicht sehr gut im Generieren von Aufmerksamkeit». Er sei vielmehr konstruktiv und an Lösungen interessiert.

So sieht der Zeitplan für die Maurer-Nachfolge aus

  • Bis zum 21. Oktober können die SVP-Kantonalsektionen ihre Kandidati*nnen der zentralen Findungskommission melden.
  • Danach finden Anhörungen in der Findungskommission unter Leitung von Caspar Baader vor. Der Baselbieter ist alt Nationalrat und war einst Präsident der SVP-Bundehausfraktion.
  • Bis zum 11. November will die Kommission dem Vorstand der SVP-Bundeshausfraktion ihre Empfehlungen unterbreiten.
  • Voraussichtlich am 18. November will die SVP-Fraktion die offiziellen Kandidaten benennen.
  • Am 7. Dezember, während der Wintersession, wählt die Vereinigte Bundesversammlung dann den Nachfolger respektive die Nachfolgerin von Ueli Maurer.

Wer hat abgesagt?

Esther Friedli: Die St. Galler Nationalrätin Esther Friedli zählte lange zu den Favoritinnen für das Amt, doch die 45-jährige Politikberaterin und Gastronomin hat andere Pläne: Sie fasst den Ständerat ins Auge. Konkret: den frei werdenden Ständeratssitz von SP-Urgestein Paul Rechsteiner. Friedli ist seit 2019 im eidgenössischen Parlament und Lebenspartnerin des früheren SVP-Parteichefs Toni Brunner.

Natalie Rickli: Die Zürcher Gesundheitsdirektorin und frühere Nationalrätin galt als eine Favoritin auf den Sitz Ueli Maurers. Sie legte sich zunächst öffentlich nicht fest und bezeichnete es als grosse Ehre, als mögliche Nachfolgerin von Maurer genannt zu werden. Am 5. Oktober 2022 teilte Rickli mit, dass sie nicht für den Bundesrat kandidieren will. Die Bevölkerung solle sich weiterhin auf ein hervorragendes Gesundheitswesen verlassen können, twitterte sie.

Magdalena Martullo-Blocher: Die Bündner Nationalrätin und SVP-Vizepräsidentin Magdalena Martullo-Blocher steht nicht für eine Bundesratskandidatur zur Verfügung. Die Partei verfüge über zahlreiche andere hervorragende Kandidatinnen und Kandidaten, liess die 53-jährige Chefin der Ems-Chemie-Holding der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilen. Die Tochter von Alt Bundesrat Christoph Blocher ist seit 2015 Nationalrätin.

Thomas Aeschi: Der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi verzichtet auf eine Kandidatur, weil er lieber Fraktionspräsident bleiben wolle. Er könne in dieser Funktion «als Kapitän nicht plötzlich von Bord gehen». Der 43-jährige Unternehmensberater war bereits 2015 Bundesratskandidat um die Nachfolge von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, unterlag damals aber seinem Parteikollegen Guy Parmelin.

Thomas Matter: Der 56-jährige Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter verzichtet auf eine Bundesratskandidatur. Die aktuelle Auswahl an potenziellen Maurer-Nachfolgern bezeichnet er als «hochstehend».

Matter hatte in den vergangenen Wochen Gespräche mit der Kantonalpartei geführt. Am Dienstag begründete er seine Absage für eine Kandidatur in der «Neuen Zürcher Zeitung» mit seiner Tätigkeit als Bankier und Familienunternehmer. Auf Anfrage bestätigte er dies.

Toni Brunner: Der frühere SVP-Parteipräsident Toni Brunner aus St. Gallen schliesst ein Polit-Comeback als Bundesrat aus. «Ich wäre nicht 2018 aus dem Nationalrat zurückgetreten, wenn ich Bundesrat werden wollte», sagte der 48-jährige Landwirt der «NZZ am Sonntag». Als Mitglied der Findungskommission stehe er ohnehin nicht zur Verfügung als Kandidat, sagte er. Brunner war von 1995 bis 2018 im Nationalrat und von 2008 bis 2016 Nachfolger von Ueli Maurer an der Spitze der SVP Schweiz.

Cornelia Stamm Hurter: Die Schaffhauser SVP-Regierungsrätin will nicht Nachfolgerin von Maurer werden. Sie sehe ihre Rolle in der Kantonsregierung und habe sich gegen eine Kandidatur entschieden, schreibt die SVP Schaffhausen am 6. Oktober auf ihrer Internetseite. Auch ihr Mann, Nationalrat Thomas Hurter, stelle sich nicht zur Verfügung, heisst es weiter. Stamm Hurter hatte am Dienstag noch gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» gesagt, sie schliesse eine Kandidatur nicht aus.

Gregor Rutz: Der Zürcher Nationalrat Gregor Rutz hielt sich vorerst bedeckt, hat dann aber doch definitiv abgesagt: Er will nicht in den Bundesrat nachrücken. Der 49-jährige Jurist und Beratungsunternehmer erklärte, er wolle sich auf seine beruflichen Projekte konzentrieren. Rutz ist seit 2012 Nationalrat und war von 2001 bis 2008 Generalsekretär der SVP Schweiz.

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Franz Grüter: Der Luzerner Nationalrat und IT-Unternehmer Franz Grüter sieht sich nicht als Bundesrat. Er werde 60 Jahre alt und «suche das Amt nicht», sagte der Verwaltungsratspräsident des Schweizer Internet- und Rechenzentrenbetreibers Green.ch und frühere Präsident der SVP des Kantons Luzern der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Grüter ist seit 2015 Nationalrat.

Marcel Dettling: Für den Schwyzer Nationalrat Marcel Dettling kommt eine Kandidatur ebenfalls nicht infrage. Er habe seinen Auftrag als Wahlkampfleiter der SVP und wolle diesen erfolgreich zu Ende bringen, sagte der 41-jährige Landwirt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dettling ist seit 2015 Nationalrat.

Andreas Glarner: Der Aargauer Nationalrat und Migrationsexperte seiner Partei Andreas Glarner lehnt eine Kandidatur ab. Sowieso nie als Favorit gehandelt, erklärte der Präsident der Kantonalpartei in der «Aargauer Zeitung», weder jetzt noch in Zukunft strebe er in den Bundesrat.

Pierre Alain Schnegg: Abgewinkt hat auch der bernische Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektor Pierre Alain Schnegg. Der 59-jährige Ingenieur in Wirtschaftsinformatik ist seit 2016 Berner Regierungsrat und hatte sich während der Pandemie auf nationaler Ebene profiliert. Im Moment sei er nicht interessiert an einer Kandidatur, sagte er.

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Peter Spuhler: Auch der Thurgauer Unternehmer Peter Spuhler wurde als möglicher Nachfolger von Ueli Maurer ins Spiel gebracht. Für den 63-Jährigen ist dies jedoch kein Thema, wie er der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Spuhler ist Konzernchef des Zugbauunternehmens Stadler Rail. Aus Rücksicht auf seine Firma trat er bereits Ende 2012 nach 13 Jahren von seinem Amt als SVP-Nationalrat zurück. Er wollte sich angesichts des «schwierigen wirtschaftlichen Umfelds» verstärkt um seine Firma kümmern, sagte er damals.

Alex Hürzeler: Als weiterer Regierungsrat nahm sich Alex Hürzeler, der Aargauer Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor, aus dem Rennen. Er hege keine Absichten nach Bundesbern zu wechseln, gab er der «Aargauer Zeitung» zu Protokoll. Sein Platz und Wirken seien im Aargau.

Wer ist sonst noch im Gespräch?

Céline Amaudruz: Die 43-jährige Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz galt bisher als mögliche Bundesratskandidatin. Bei der Juristin und Vermögensverwalterin stand allerdings die Vermutung im Raum, dass sie eher Anspruch auf den Sitz des Waadtländers Guy Parmelin anmelden könnte. SVP-Parteichef Marco Chiesa sagte zudem, dass die Nachfolge von Ueli Maurer «sicher» aus der Deutschschweiz kommen werde.

Jean-Pierre Gallati: In den Medien als möglicher Bundesratskandidat genannt wurde auch der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati. Der 56-jährige Rechtsanwalt war mal kurzzeitig Nationalrat, nämlich von Dezember 2019 bis März 2020. Danach übernahm er im Aargau den Regierungsratssitz von Franziska Roth nach deren Parteiaustritt und Rücktritt. Zu einer möglichen Kandidatur äusserte er sich zunächst nicht.

SDA/red.

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