Nach dem Gipfel: Nordkoreanische Staatsmedien feiern Kim

13.6.2018 - 20:29, AP/tsch

Kim Jong Un und Donald Trump: Nach vielen Jahrzehnten erbitterter Feindschaft trafen sich der aktuelle Chef von Nordkoreas kommunistischer Herrscherfamilie und ein amtierender US-Präsident erstmals persönlich.
Bild: YNA/dpa

Nicht nur Trump ist noch immer voll des Lobes über das Gipfel-Ergebnis, auch die nordkoreanischen Staatsmedien feiern die Resultate und ihren Anführer. Dabei fällt auf, dass die Interpretationen über das Erreichte in Washington und Pjöngjang nicht unbedingt deckungsgleich sind.

Nach seiner Rückkehr ins Weisse Haus hat US-Präsident Donald Trump die Ergebnisse des Gipfels mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erneut gelobt. Die Atomgefahr aus Nordkorea sei gebannt, konstatierte Trump am Mittwoch über Twitter. «Jeder kann sich jetzt viel sicherer fühlen als am Tag, als ich das Amt übernahm», twitterte Trump. «Es gibt keine atomare Bedrohung von Nordkorea mehr», schrieb er weiter.

Das Treffen mit Kim in Singapur sei interessant und eine sehr positive Erfahrung gewesen. Bevor er das Amt übernommen habe, «haben die Menschen gedacht, dass wir mit Nordkorea Krieg führen würden. Präsident Obama sagte, Nordkorea sei unser grösstes und gefährlichstes Problem. Nicht mehr...», schrieb Trump.

Vage Vereinbarung

Beim ersten Aufeinandertreffen eines amtierenden US-Präsidenten und eines nordkoreanischen Anführers hatten sich beide Seiten am Dienstag in Singapur auf einen Prozess der Entnuklearisierung Pjöngjangs im Gegenzug für Sicherheitsgarantien Washingtons geeinigt. Experten und Verbündete warten aber noch auf Details zu der als vage kritisierten Vereinbarung.

Trump sah sich Fragen ausgesetzt, ob er zu grosse Zugeständnisse gemacht und im Gegenzug zu wenig dafür bekommen habe - etwa, indem er auf Forderungen Pjöngjangs einging, die alljährlichen gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea einzustellen, ohne dafür konkrete Zugeständnisse Kims zu erhalten. Trump verteidigte den Schritt am Mittwoch auf Twitter. «Wir sparen ein Vermögen, indem wir keine Manöver machen, solange wir in gutem Glauben verhandeln», schrieb er.

Nordkorea: Beginn einer neuen Beziehung

Einen Tag nach dem Gipfel berichteten auch die nordkoreanischen Staatsmedien erstmals über das Treffen. Sie sprachen vom Beginn einer neuen Beziehung zwischen Nordkorea und den USA, die sich offiziell noch immer im Krieg befinden. Dabei betonten sie, Trump habe einem Stopp der gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea zugestimmt, solange Gespräche andauerten. Die Medien legten zudem nahe, dass Trump eine Aufhebung der Sanktionen im Verlauf künftiger Verhandlungen in Aussicht gestellt habe.

Kim habe sich mit Trump auf einen schrittweisen Prozess der Entnuklearisierung im Gegenzug für wechselseitige Zugeständnisse der USA geeinigt, meldete KCNA weiter. Beide seien übereingekommen, dass für Frieden, Stabilität und Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel «das Prinzip schrittweiser und gleichzeitiger Schritte» wichtig sei.

Das Weisse Haus wollte sich zu dieser Interpretation der Vereinbarung nicht äussern und verwies lediglich auf den Text der von Trump und Kim unterzeichneten Erklärung. Regierungsvertreter der USA hatten vor dem Gipfel betont, dass Nordkorea rasche Massnahmen hin zu einer Entnuklearisierung im Gegenzug für bedeutsame Vorteile einleiten müsse.

Asiatische Verbündete der USA in Sorge

Die asiatischen Verbündeten der USA, allen voran Südkorea und Japan, versuchen nun, die Ergebnisse des Gipfels zu bewerten. Südkorea und selbst das Pentagon schienen von Trumps Ankündigung über eine Einstellung der Manöver überrumpelt worden zu sein. Auch in Tokio rief das Sorgen hervor.

US-Aussenminister Mike Pompeo flog am Mittwoch nach Seoul, um dort zunächst mit dem Kommandeur der US-Kräfte in Südkorea, Vincent Brooks, zusammenzukommen. Am Donnerstagmorgen will Pompeo mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In zusammentreffen, um die Gipfelergebnisse zu diskutieren. Der japanische Aussenminister Taro Kono wollte ebenfalls nach Seoul reisen, um Pompeo zu treffen. Der US-Aussenminister plante ausserdem, nach Peking weiterzureisen, um die chinesische Regierung auf den neuesten Stand zu bringen.

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