Neue Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen Boris Johnson

SDA

16.7.2021 - 16:11

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson äußert sich bei einer Pressekonferenz in der Downing Street. Foto: Daniel Leal-Olivas/PA Wire/dpa
Keystone

Wegen der Berufung eines Universitätsfreundes in ein unabhängiges Beratergremium sieht sich der britische Premierminister Boris Johnson neuen Vorwürfen der Vetternwirtschaft ausgesetzt.

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16.7.2021 - 16:11

Die Regierung verteidigte die Ernennung von Ewen Ferguson, der gemeinsam mit Johnson in Oxford studiert hatte und künftig den Premier im Umgang mit ethischen Standards beraten soll.

Es habe sich um ein offenes und faires Auswahlverfahren gehandelt, betonte die Regierung am Freitag. Hingegen kritisierte die oppositionelle Labour-Partei, die Personalie stehe exemplarisch für die Vetternwirtschaft unter der konservativen Regierung.

Labour-Vizechefin Angela Rayner forderte, die Regierung müsse die gesamte Korrespondenz zu Fergusons Berufung offenlegen. «Dies ist die immer gleiche konservative Vetternwirtschaft. Dieser Premierminister versucht nicht einmal mehr, sie zu verbergen», sagte Rayner.

Gegen Johnson und seine Tories gibt es immer wieder Korruptionsvorwürfe. So hatten zu Beginn der Corona-Pandemie Freunde und Spender der Partei lukrative Staatsaufträge ohne Ausschreibung oder Expertise erhalten.

Ferguson arbeitet für die Anwaltskanzlei Herbert Smith Freehills. Berichten zufolge kennen sich Johnson und er seit ihrer Zeit in Oxford. Dort waren sie Mitglieder des Bullingdon Club, einem elitären Zirkel wohlhabender männlicher Studenten, die sich zu Abendessen und Feiern treffen. Ein bekanntes Foto von 1987 zeigt die beiden gemeinsam mit Ex-Premier David Cameron und weiteren Club-Mitgliedern.

Dem Committee on Standards in Public Life gehören zusätzlich zum Vorsitzenden insgesamt vier unabhängige sowie drei von Parteien nominierte Mitglieder an. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre für die Unabhängigen, die für jeden Arbeitstag 240 Pfund (etwa 280 Euro) Aufwandsentschädigung beanspruchen dürfen, sowie drei Jahre für die politischen Mitglieder.

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