Nordkoreanischer Überläufer spricht erstmals nach seiner Flucht

tsha

19.11.2018

Im November 2017 floh Oh Chong Song nach Südkorea. Überwachungskameras zeichneten die dramatischen Minuten auf.
Bild: Screenshot YouTube

Im vergangenen Jahr machte die spektakuläre Flucht des Nordkoreaners Oh Chong Song weltweit Schlagzeilen. Jetzt spricht er erstmals über sein Leben in der Diktatur.

Die Grenze zwischen Nord- und Südkorea im kleinen Ort Panmunjom gilt als meistbewachte der Welt. Soldaten der kommunistischen Diktatur stehen hier schwer bewaffnet den Truppen des Südens gegenüber. Dennoch passiert es immer wieder, das Menschen die Flucht gelingt. Im November 2017 schaffe es der Nordkoreaner Oh Chong Song, die Grenzlinie zu überqueren. Unter heftigem Beschuss seiner Kameraden schleppte sich Oh in den Süden, wo er schwerverletzt in ein Spital gebracht wurde.

Wie der britische «Guardian» unter Berufung auf die japanische Zeitung «Sankei Shimbun» berichtet, hat sich Oh nun erstmals zu seiner Flucht und zu seinem Leben im Norden geäussert. Er sei der Sohn eines Generals, aber dennoch unpolitisch, so der 25-jährige Oh: «Die Menschen im Norden, vor allem die jüngere Generation, interessieren sich nicht füreinander oder für Politik und ihre Führer. Es gibt kein Gefühl von Loyalität.» 80 Prozent, so schätzt Oh, würden so denken. Da die Macht in Nordkorea vom Vater auf den Sohn vererbt wird und die Führer es nicht schaffen würden, das Volk zu ernähren, seien die Menschen dem Kim-Clan gegenüber nicht mehr treu ergeben. 

In dem Interview mit «Sankei Shimbun» spricht Oh Chong Song auch über die Umstände seiner spektakulären Flucht. Er habe sich mit Freunden gestritten und anschliessend getrunken. Auf dem Weg zurück zu seiner Einheit habe er mit einem Militärwagen eine Sperre durchbrochen und sich dann dazu entschlossen, in den Süden zu fliehen. «Ich hatte Angst, man würde mich hinrichten, wenn ich zu meiner Einheit zurückkehren würde. Also habe ich die Grenze überquert», so Oh. Dass seine Kameraden auf ihn geschossen haben, könne er verstehen: «Hätten sie nicht geschossen, wären sie hart bestraft worden. Ich an ihrer Stelle hätte dasselbe getan.»

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