«Obama hat bin-Laden-Double und dann Seal-Team getötet»

Philipp Dahm

16.10.2020 - 17:32

«Daily Show»-Host Trevor Noah hat schlechte Nachrichten: Bin Laden lebt doch noch.
Screenshot: YouTube

Die Verschwörungstheorien, die Donald Trump dankbar aufgreift und verbreitet, werden immer wirrer. Sogar Osama bin Laden lebt demnach noch – «dank» Barack Obama. Late-Night-Host Trevor Noah ist begeistert.

Es sind noch drei Wochen bis zur Wahl, erinnert Trevor Noah die Zuschauer der «Daily Show» auf dem US-Sender «Comedy Central». Und die Wahl sei in vielen Staaten bereits im Gange. Doch auch in den USA sei das Coronavirus beherrschendes Thema.

«Jeder normale Präsident», rechnet Noah vor, «wäre hochgradig darauf fokussiert, Corona unter Kontrolle zu bekommen, die Geschäfte am Laufen zu halten, Schulen offen lassen zu können. Aber Donald Trump ist kein normaler Präsident. Und deshalb fokussiert er sich stattdessen darauf».

Was folgt, ist eine Exklusivstory der «New York Post», die von Donald Trump dankbar aufgegriffen worden ist: Am Mittwoch veröffentlichte das Krawallblatt die Geschichte, nach der es in den Besitz von Daten und Mails gekommen ist, die angeblich von einem Laptop stammen, der einst Joe Bidens Sohn Hunter gehört habe.

Fragwürdige Quelle: Die «New York Post» will einen Skandal belegen können.
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Diese sollen belegen, dass Sohn Hunter die Stellung seines Vaters genutzt haben soll, um in der Ukraine Geschäfte zu machen. Die Bidens hätten beide über diese Verhältnisse die Öffentlichkeit belogen. Die «New York Post» ist für den Bericht belächelt worden, nachdem sich herausstellte, das die Daten dem Blatt von einem Anwalt von Rudy Giuliani zugespielt worden sind, der wiederum Donald Trumps Rechtsvertreter ist.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Twitter und Facebook sind sogar so weit gegangen, die Verbreitung der Story in ihren Netzwerken zu verbieten. Die pikante Folge: Ausgerechnet der Twitter-Account der Pressesprecherin des Weissen Hauses ist deshalb geblockt worden: Kayleigh McEnany wollte die Fabel der «Post» teilen – und dürfte von den Konsequenzen überrascht gewesen sein.

«Verdammt, du weisst dass eine Geschichte schmierig ist, wenn sogar Facebook sagt: ‹Mh, vielleicht sollten die Leute das nicht sehen!›», kommentiert Noah – wo man dort ja sonst auch ungestraft verbreiten könne, Impfungen seien für Anschläge vom 11. September verantwortlich. Noah ahmt quasi Facebook nach: «Okay, wartet, wartet – lassen wir sie ausreden. Erzählt mehr!»

Wer solche Söhne hat, müsse die Füsse stillhalten, meint Noah.
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Er verstehe ohnehin nicht, dass Trump Biden über dessen Sohn Hunter angreifen wolle, meint Moderator Noah und zeigt ein Bild von Don Junior und Eric Trump. «Wenn das meine Söhne wären, würde ich mich an eine strenge Lassen-wir-die-Kinder-da-raus-Politik halten. Schaut sie euch an: Sie sehen immer aus, als hätten sie irgendeinen Scheiss verbrochen.»

«Von Russen gehackte E-Mails? Schon wieder?»

Auch Rudy Giuliani als Quelle sollte einen stutzig machen, fährt der «Daily Show»-Gastgeber fort. «Nur so als Regel fürs Leben: Vertraut niemals einem Mann, der bei seinem Zahnarzt nach der Hälfte der Arbeit die Zeche geprellt hat. Vertraut niemals solchen Typen!»

Noahs eindeutiger Rat und Giulianis zweischneidiges Gebiss.
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Er könne ja verstehen, dass Trumps Team vor der Wahl noch einen Coup landen wolle. Aber: «Dieselbe Geschichte? Von Russen gehackte E-Mails? Schon wieder?» Dieselbe Leier wie im Oktober 2016. Dabei könne Trump den Namen der involvierten Firma Burisma nicht mal richtig aussprechen, was ein Clip ab Minute 2:39 belegt. Und das, obwohl er seit Jahren über das ukrainische Energieunternehmen rede.

Doch die Story der «Post» ist nicht die einzige Räuberpistole, an die Donald Trump glaubt: Der Präsident hat auch eine Fabel ganz anderen Kalibers retweetet. Das Märchen geht so: Osama bin Laden ist im Mai 2011 gar nicht getötet worden, sondern bloss sein Double.

Obama liess US-Helikopter abschiessen

Laut «Washington Post» beinhaltete der Retweet die Anschuldigung, die Obama-Administration habe selbst einen Helikopter der Spezialeinheit Navy Seals abgeschossen, um zu vertuschen, dass nicht der wahre bin Laden liquidiert wurde, der demnach noch unter den Lebenden weilt.

Noah: «Yo, yo, yo, yo – das ist es, worüber ich rede. Nicht so ein langweiliger Scheiss mit Hunter Bidens E-Mails und Borossoma. Präsident Obama hat ein geheimes bin-Laden-Double und dann das Seal-Team getötet, um alles unter den Teppich zu kehren. Und dann hat er es geschafft, das ganze acht Jahre geheimzuhalten.»

Wenn es wahr wäre, würde es ihn beeindrucken, so der Wahl-New-Yorker: Der Stunt sei schwieriger durchzuziehen als die Tötung bin Ladens. Noah denkt laut darüber nach, wie der Ex-Präsident das Double angworben haben müsste – was nicht nachzuerzählen, aber ab Minute 5:44 sehr sehenswert ist.

Late Night USA – Amerika verstehen
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50 Staaten, 330 Millionen Menschen und noch mehr Meinungen: Wie soll man «Amerika verstehen»? Wer den Überblick behalten will, ohne dabei aufzulaufen, braucht einen Leuchtturm. Die Late-Night-Stars bieten eine der besten Navigationshilfen: Sie sind die perfekten Lotsen, die unbarmherzig Untiefen bei Land und Leuten benennen, und dienen unserem Autor Philipp Dahm als Komik-Kompass für die Befindlichkeit der amerikanischen Seele.

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