Neuer Kalter Krieg

Putin kündigt Marine-Manöver auf allen Weltmeeren an

20.1.2022

Ukraine-Konflikt: Biden sorgt für Irritationen

Ukraine-Konflikt: Biden sorgt für Irritationen

Washington, 20.01.22: US-Präsident Joe Biden hat mit Äusserungen zu einem möglichen russischen Einmarsch in die Ukraine für Irritationen gesorgt. Der US-Demokrat schien bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus am Mittwoch anzudeuten, dass angedrohte Sanktionen der Nato vom Ausmass eines potenziellen russischen Einmarschs abhängen könnten. O-Ton Joe Biden, US-Präsident «Es ist eine Sache, wenn es sich um ein geringfügiges Eindringen handelt. Aber wenn sie tatsächlich das tun, wozu sie mit den an der Grenze zusammengezogenen Streitkräften in der Lage sind, dann wird das für Russland eine Katastrophe werden.» Der US-Sender CNN zitierte einen ungenannten ukrainischen Regierungsvertreter mit den Worten, er sei schockiert, dass US-Präsident Biden zwischen Eindringen und Einmarsch unterscheide. Das gebe dem russischen Präsidenten Wladimir Putin grünes Licht, nach Belieben in die Ukraine einzudringen. Die Sprecherin des Weissen Hauses, Jen Psaki, bemühte sich kurz nach Bidens Auftritt um Klarstellung: TEXTTAFEL «Präsident Biden hat sich gegenüber dem russischen Präsidenten klar geäussert: Wenn sich russische Streitkräfte über die ukrainische Grenze bewegen, ist das eine erneute Invasion, und darauf werden die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten schnell, hart und geschlossen reagieren.» Der US-Präsident wisse aber – so die Sprecherin – dass Russland «über ein umfangreiches Instrumentarium für Aggressionen» unterhalb der Schwelle militärischer Aktionen verfüge – beispielsweise Cyberangriffe und paramilitärische Taktiken.

20.01.2022

Manöver mit dem Iran und China im Indischen Ozean, aber auch im Pazifik, Atlantik, im Nordpolar- und sogar im Mittelmeer: Wladimir Putin kündigt massive Marinemanöver an und setzt damit ein Ausrufezeichen.

20.1.2022

Russland kündigt inmitten der Spannungen mit der Ukraine und deren westlichen Partnern grossangelegte Marinemanöver in Atlantik, Arktis, Pazifik und Mittelmeer an.

An den für Januar und Februar geplanten Übungen seien insgesamt mehr als 140 Schiffe, mehr als 60 Flugzeuge und etwa 1000 andere militärische Ausrüstungsstücke beteiligt, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen heute mit.

Der russische Lenkwaffen-Kreuzer Warjag und weitere Begleitschiffe werden im Indischen Ozean Manöber abhalten.
Archivbild: RIA Novosti

Etwa 10'000 Soldaten sollen demnach teilnehmen., vermeldete der Kreml. Eine tiefe Zahl, die einen Grund haben könnte: Manöver mit mehr als 13'000 Soldaten müssen 42 Tage im voraus angekündigt werden.

Manöver mit Iran und China

Gleichzeitig wird Moskau auch im Indischen Ozean aktiv – und zwar bei einem gemeinsamen Manöver mit Schiffen aus China und dem Iran. Diese Übung soll bereits am 21. Januar beginnen, meldet die staatliche russische Nachrichtenagentur «Tass».

epa09695145 Russian President Vladimir Putin (L) and Iranian President Ebrahim Raisi (R) hold talks in Moscow, Russia, 19 January 2022. EPA/PAVEL BEDNYAKOV / KREMLIN POOL / SPUTNIK MANDATORY CREDIT
Abstandsregel eingehalten: Wladimir Putin (links) hat am 19. Januar in Moskau den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi (R) empfangen.
KEYSTONE

Trainiert werden soll die Bekämpfung von Piraten und «maritimer Terroristen». Ein Verband der russichen Marine sei bereits im iranischen Hafen Tschahbahar angekommen, heisst es weiter.

Diplomaten-Gipfel in Berlin

Wegen massiver russischer Truppenbewegungen an der ukrainischen Grenze befürchtet der Westen einen bevorstehenden russischen Einmarsch in die Ukraine. Moskau argumentiert, dass der Truppenaufmarsch auf russischem Staatsgebiet stattfinde und daher «niemanden» bedrohe. Der Westen droht Moskau seit Wochen mit massiven Konsequenzen, sollte es zu einem Einmarsch in die Ukraine kommen.

Die diplomatischen Bemühungen zur Eindämmung der Krise laufen derzeit auf Hochtouren. Bundesaussenministerin Annalena Baerbock hat heute US-Aussenminister Antony Blinken, ihren französischen Kollegen Jean-Yves Le Drian sowie Grossbritanniens Vize-Aussenminister James Cleverly zu Beratungen in Berlin empfangen. Am Freitag steht ein Treffen mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow in Genf auf Blinkens Programm.

AFP/phi