Vor zwölf Jahren starb Saddam Hussein durch den Strang

AFP/jfk

27.12.2018

Maskierte Henker legen Saddam Hussein die Schlinge um den Hals. (Archiv)
Bild: Keystone

Am 30. Dezember 2006 wurde der einstige irakische Machthaber in einem seiner eigenen ehemaligen Folterzentren hingerichtet. Zuvor hatte er mehr als zwei Jahrzehnte lang als skrupelloser Diktator über sein Volk geherrscht.

Saddam Hussein wurde im Hauptquartier des Militärgeheimdienstes im Norden der Hauptstadt Bagdad gehängt. Augenzeugen, die die Hinrichtung im Morgengrauen verfolgten, berichteten anschliessend, der 69-Jährige habe bis zuletzt keinerlei Einsicht gezeigt, seine Erzfeinde Iran und die USA verflucht sowie die Aufständischen gelobt, die das Land an den Rand des Bürgerkriegs gebracht hatten.

«Ich habe keine Anzeichen der Angst gesehen», sagte der damalige nationale Sicherheitsberater Mowaffak al-Rubaie, der die Exekution beaufsichtigte, 2013 der Nachrichtenagentur AFP. «Ich habe kein Wort des Bedauerns von ihm gehört, er hat nicht um die Gnade Gottes oder um Vergebung gebeten.»

Saddam Hussein kurz nach seiner Festnahme in einem Bauernhof bei Tikrit am 14. Dezember 2003. (Archiv)
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Er selbst habe den Hebel betätigt, um den Verurteilten zu hängen, doch dies habe nicht funktioniert, berichtete al-Rubaie. Ein namentlich nicht genannter anderer Beteiligter habe dann die Hinrichtung in einem zweiten Versuch zu Ende gebracht. Kurz vor seinem Tod habe Saddam Hussein begonnen, das muslimische Glaubensbekenntnis zu sprechen. Er sei aber erhängt worden, bevor er die letzte Zeile zitieren konnte.

Saddam Hussein war wegen der Ermordung von 148 Einwohnern des Dorfes Dudschail in den 80er Jahren zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Neben diesen Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden ihm zahlreiche weitere Verbrechen zur Last gelegt.

Tänze nach Hinrichtung

Seine Herrschaft war geprägt von brutaler Unterdrückung, verheerenden Kriegen und internationalen Strafsanktionen gegen ihn. Das mit Unterstützung der USA errichtete Tribunal zu seiner Verurteilung stellte Saddam Hussein infrage, den Prozess gegen ihn vom Oktober 2005 bis Juli 2006 verspottete er als «Komödie».

In diesem Erdloch hielt sich der einstige irakische Diktator nach offizieller Darstellung zuletzt versteckt. (Archiv)
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Einige schiitische Muslime, die unter seiner Herrschaft gelitten hatten, tanzten nach seiner Exekution auf den Strassen. Sunnitische Iraker und Regierungen in aller Welt verurteilten die Hinrichtung jedoch – allerdings nicht Israel und der Iran. Einen Tag nach seiner Hinrichtung wurde Saddam Hussein in seinem Geburtsort bei Tikrit begraben.

Schuldspruch nach acht Minuten: Iraks Gerichte urteilen im Akkord

In der Nähe von Tikrit war der Ex-Diktator in einer mondlosen Nacht Mitte Dezember 2003 von US-Soldaten aufgespürt worden. Washington hatte eine Belohnung von 25 Millionen Dollar auf Hinweise ausgesetzt, die zu seiner Festnahme führen.

Verrat durch Leibwächter

Nach seinem Sturz in Folge der US-Invasion war Saddam Hussein acht Monate lang mit Hilfe von Leibwächtern seiner Familie untergetaucht, wie örtliche Stammesführer berichteten. Doch einer der Leibwächter verriet ihn und führte die US-Soldaten zu Saddam Husseins unterirdischem Versteck.

Der damals 66-Jährige liess sich kampflos festnehmen und widersetzte sich auch nicht einer ärztlichen Untersuchung, deren Bilder um die Welt gingen. (Archiv)
Bild: Keystone

Nachdem er jahrzehntelang in luxuriösen Palästen gelebt hatte, wurde Saddam Hussein auf einem Bauernhof in einem Erdloch gefunden. Es bot genug Platz für eine liegende Person und verfügte über ein Lüftungssystem. Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, verkündete die Festnahme mit den Worten «Ladies und Gentlemen, wir haben ihn».

Fotos und Videoaufnahmen des gefassten Ex-Diktators gingen um die Welt: Mit wildem Haarwuchs und ebensolchem Bart schaute er mit leerem Blick in die Kamera. Als ein Arzt ihm bei einer Untersuchung einen Holzspatel in den Mund steckte, hielt er still. Die Armee veröffentlichte zwei Aufnahmen: Eines zeigte Saddam Hussein mit Bart, das andere zeigte ihn rasiert. Seinen berühmten Schnurrbart liessen die US-Soldaten ihm.

Im Prozess zeigte sich Saddam Hussein weder einsichtig noch kooperativ – dem Sondertribunal sprach er jede Legitimität ab und sah sich selbst weiterhin als rechtmässiger Präsident des Irak. (Archiv)
Bild: Keystone
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