Coronakrise New Yorks Hoffnungsträger – das schwimmende Spital «USNS Comfort»

dpa/tafu

1.4.2020

Weil die Krankenhäuser in der Metropole an ihre Grenzen stoßen, schickt die Marine das Spitalschiff «USNS Comfort». Es soll das völlig überlastete Gesundheitssystem der Metropole unterstützen.

Die in der Corona-Krise überlasteten Krankenhäuser in New York City haben Hilfe auf dem Seeweg bekommen: Das Marine-Krankenhausschiff «USNS Comfort» kam am Montag in der Metropole an.

Auf dem Schiff sollen ausdrücklich Menschen ohne Symptome der Lungenerkrankung Covid-19 behandelt werden, während die Patienten mit Virus-Erreger in den Krankenhäusern der Stadt bleiben. Die Ansteckungsgefahr an Bord ist einfach zu hoch, Betten stehen an Bord dicht an dicht, spezielle Isolierstationen sind nicht vorhanden.



Menschenansammlungen bei der Ankunft

New York City ist US-weit am stärksten von dem Virusausbruch betroffen, aber auch in Städten wie New Orleans und Detroit steigen die Zahlen bedrohlich an. In den USA sind bereits über 140'000 Infektionen und mehr als 2'500 Tote gemeldet worden.

«Bitte kommen und helfen Sie uns jetzt in New York. Wir brauchen Entlastung», sagte Cuomo, während allein in seinem Staat die Zahl der Todesopfer auf 1'200 anstieg. «Jeder, der sagt, die Situation betreffe alleine New York, der ist im Verweigerungszustand. (...) Sie werden sehen, wie dieses Virus sich über das ganze Land hinwegbewegt. Es gibt keinen Amerikaner, der immun ist.»

Ähnlich hatte sich zuvor bereits der oberste Infektionsexperte der US-Regierung geäussert, Anthony Fauci. Die «Dynamik des Ausbruchs» in den Grossstädten New Orleans und Detroit deute auf ein bevorstehendes Abheben der Fallzahlen hin. «Was wir von der schmerzhaften Erfahrung mit diesem Ausbruch gelernt haben, ist, dass er sich beinahe entlang einer geraden Linie entwickelt, dann ein bisschen Beschleunigung, Beschleunigung, dann geht es steil nach oben.»

Abhilfe in New York City dürfte vorerst die «USNS Comfort» bringen. Zusätzlich zu den 1'000 Betten gibt es auf dem Schiff zwölf Operationsräume. Es war nach den Terroranschlägen von 9/11 schon einmal in der Metropole im Einsatz.

«Helfen Sie uns»

Gouverneur Cuomo betonte derweil, wie dramatisch die Situation ist. «Bitte kommen und helfen Sie uns jetzt in New York. Wir brauchen Entlastung», sagte er, während allein in seinem Staat die Zahl der Todesopfer auf mehr als 1'550 am Dienstagabend anstieg. «Jeder, der sagt, die Situation betreffe alleine New York, der ist im Verweigerungszustand. (...) Sie werden sehen, wie dieses Virus sich über das ganze Land hinwegbewegt. Es gibt keinen Amerikaner, der immun ist.»



Als am Montagmorgen das Schiff am Ufer des Hudson River festmachte, drängten sich zahlreiche Schaulustige, um einen Blick auf die «USNS Comfort» zu erhaschen, berichtet der «Spiegel». Welche Ironie – von Abstand zwischen den wartenden Menschen war kaum etwas zu sehen, wie ein Tweet von Reporter Andrew Siff beweist.

Die «USNS Comfort» ist zusammen mit ihrem Schwesterschiff «USNS Mercy», welches derweil vor Los Angeles vor Anker liegt, das grösste schwimmende Spital der Welt. 270 Meter lang und 30 Meter breit und hoch ist das Schiff – ein imposanter Anblick.

Rund 1'000 medizinische Fachkräfte sollen nun die wegen der Corona-Epidemie geforderten Spitäler New Yorks entlasten. Zusätzlich zu den 1'000 Betten gibt es auf dem Schiff zwölf Operationsräume. Des Weiteren stehen 80 Intensivbetten plus 20 weitere auf einer Aufwachstation zur Verfügung.

Wie der «Spiegel» weiter berichtet, verfügt die «Comfort» über eine komplett eingerichtete Radiologie, ein Labor, eine Zahn- und Augenklinik, Kühlung für bis zu 5'000 Blutkonserven, eine Wäscherei und eine Leichenhalle. Zwei Elektrolyseapparate können Sauerstoff für Beatmungspatienten produzieren.

Die Spitalschiffe «Comfort» und «Mercy», welche einst Supertanker waren und in den 1970er-Jahren umgebaut wurden, sind eigentlich für die Versorgung von im Kampf verletzten Angehörigen des US-Militärs vorgesehen. Doch die «Comfort» war unter anderem auch schon 2005 im Einsatz, als Hurrikan Katrina die Küste des Golfs von Mexiko verwüstete oder 2001, als nach den Terroranschlägen vom 11. September an Bord Angehörige des Hilfs- und Rettungspersonals betreut wurden. 

In New York setzt man grosse Hoffnung in die Ankunft der «Comfort» – was übrigens übersetzt «Trost» bedeutet. «Im Namen aller 19 Millionen New Yorker sind wir sehr dankbar für das, was die Menschen dieser Nation für uns getan haben, und wir werden uns dafür revanchieren», erklärte Gouverneur Andrew Cuomo bei der Ankunft des Spitalschiffes.

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