Wie reagiert die EU? Trump kündigt 30-Prozent-Zoll auf EU-Importe an

tcar

12.7.2025 - 18:59

US-Präsident Donald Trump kündigt neue Zölle an.
US-Präsident Donald Trump kündigt neue Zölle an.
Bild: dpa

Seit Monaten verhandeln die USA und die EU im Zollkonflikt. Jetzt macht Donald Trump neue Zölle bekannt – nicht nur gegen die Europäische Union.

DPA, tcar

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  • US-Präsident Donald Trump will Importe aus der EU ab 1. August mit einem Zoll in Höhe von 30 Prozent belegen.
  • Der neue Zollsatz gilt demnach auf alle Waren, die die EU in den Vereinigten Staaten einführen möchte.
  • Trump droht im Falle von Gegenmassnahmen mit weiteren Zollerhöhungen.

US-Präsident Donald Trump will Importe aus der EU ab 1. August mit einem Zoll in Höhe von 30 Prozent belegen. Das kündigte der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social an. 

In dem veröffentlichten Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drohte Trump im Falle von Gegenmassnahmen mit weiteren Zollerhöhungen. Zugleich schreibt er: Sollte die EU bereit sein, ihre bislang geschlossenen Handelsmärkte für die Vereinigten Staaten zu öffnen und Handelsbarrieren zu eliminieren, werde man möglicherweise eine Anpassung des Schreibens in Erwägung ziehen. Die Zölle könnten je nach Entwicklung der Beziehungen nach oben oder unten angepasst werden.

Das sieht der Zollsatz vor

Der neue Zollsatz von 30 Prozent gilt demnach auf alle Waren, die die EU in den Vereinigten Staaten einführen möchte. Davon ausgenommen sind bestimmte Branchen, bei denen Trump noch höhere Aufschläge verlangt. Bislang galten etwa für Auto und Autoteile sowie Stahl- und Aluminium andere Sätze. 

Mit dem Brief droht eine weitere Eskalation des Handelskonflikts. Die Europäische Union und die USA hatten zuletzt in wochenlangen Gesprächen versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die einseitige Verhängung neuer Zölle steht dem nun gegenüber.

EU ist zu Gegenmassnahmen bereit

Auch nach der Bekanntgabe von Trumps neuesten Zollvorstellungen zeigte sich die EU-Kommission weiter um eine einvernehmliche Lösung bemüht: Man nehme Trumps Schreiben zur Kenntnis, teilte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit. Man sei weiterhin bereit, bis zum 1. August auf eine Einigung hinzuarbeiten. 

Die Einführung von Zöllen in Höhe von 30 Prozent auf EU-Exporte würde wesentliche transatlantische Lieferketten stören – zum Nachteil von Unternehmen, Verbrauchern und Patienten auf beiden Seiten des Atlantiks, fügte die deutsche Politikerin hinzu.

Von der Leyen betonte, nur wenige Volkswirtschaften weltweit stünden in ihrer Offenheit und ihrer Verpflichtung zu fairen Handelspraktiken auf gleicher Stufe mit der Europäischen Union. Die EU habe stets eine Verhandlungslösung mit den USA angestrebt. 

Zugleich wies von der Leyen erneut darauf hin, dass die EU im Fall mangelnder Verhandlungsbereitschaft auf US-Seite Gegenmassnahmen ergreifen wird. Dies sollen in einem ersten Schritt vor allem Sonderzölle auf Importe von US-Produkten in die EU sein.

Trump formuliert unklare Forderung

In seinem Brief schrieb Trump ferner: «Die Europäische Union wird den Vereinigten Staaten einen uneingeschränkten, zollfreien Marktzugang gewähren, ohne Zölle gegen uns zu verhängen, um zu versuchen, das grosse Handelsdefizit zu verringern.» Was genau der US-Präsident damit meint, blieb zunächst unklar.

Für Deutschland sind die USA der wichtigste Handelspartner. Mit seiner Zollpolitik will der Republikaner angebliche Handelsungleichgewichte korrigieren und erreichen, dass mehr in den USA produziert wird. Im weltweiten Zollkonflikt hatte Trump zunächst eine Frist vom 9. Juli für neue Zölle gesetzt und vor Tagen diese auf den 1. August verlängert. In den vergangenen Wochen hatten die USA mit vielen Ländern gesprochen.

Viele Zoll-Briefe verschickt

Zusätzlich zum Brief an die EU veröffentlichte Trump ein Schreiben an Mexiko. In diesem kündigte er ebenfalls einen Importaufschlag von 30 Prozent auf Waren aus dem Nachbarland ab 1. August an. Bereits in den vergangenen Tagen hatte er eine Reihe von neuen Zöllen gegen bestimmte Länder bekannt gemacht, zuletzt für Importe aus Kanada und Brasilien.

Mitte der Woche hatte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorsichtig optimistisch zu den Aussichten auf eine Beilegung des Zollkonflikts geäussert. Zugleich hatte sie deutlich gemacht, dass die EU auch auf die Option einer weiteren Eskalation dem Handelsstreit vorbereitet sei und sie es vorziehe, lieber keinen Deal zu haben als einen schlechten.

Trump war am Montag von einem Journalisten gefragt worden, ob er optimistisch sei, einen möglichen Deal mit der Europäischen Union zu erreichen. Er hatte geantwortet, man sei wahrscheinlich zwei Tage von einer Einigung entfernt.

Trumps Zollpolitik lähmt Anleger in Europa

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STORY: Das Hin und Her im Zollstreit mit den USA hat die Kauflaune der Anleger in Europa zuletzt gedämpft. Nach einem schwungvollen Wochenstart legte der Dax am Dienstag um 0,3 Prozent zu auf zunächst 24.135 Punkte. Der EURO STOXX 50 lag weitgehend stabil bei 5.340 Zählern. US-Präsident Trump hatte zum Wochenanfang Briefe an 14 Länder verschickt, um deutlich höhere Zölle ab August anzukündigen, auch an wichtige Zulieferer wie Japan und Südkorea. «Wir haben einen Zollwinter, aber das Tauwetter ist absolut zu spüren. Wir haben die blauen Briefe, die von Donald Trump verschickt worden sind. Ab 1. August sollen dann auch diese hohen Zölle in Kraft treten. Aber: Weil es der 1. August ist, wissen wir alle, diese Zeit soll für Verhandlungen genutzt werden. Und ich bin mir sicher, dass sie genutzt werden wird. Am Ende werden wir sehen: Es gibt zwar Zölle und die tun auch weh, aber sie schmerzen nicht so, wie das, was wir Anfang April gesehen haben.» Auch die EU will weiter verhandeln. Die neuen US-Basiszölle von zehn Prozent sind nach Einschätzung eines hohen EU-Parlamentariers aber wohl nicht mehr wegzudiskutieren. Mit seiner Zollpolitik will Trump erreichen, dass mehr in den USA produziert wird. Das Zollthema habe zwei negative Aspekte, so der Börsenexperte. «Erstens, Zölle an sich, immer schwierig für eine globalisierte Weltwirtschaft. Und das Zweite ist natürlich die Unsicherheit: Was kommt denn jetzt an Zöllen? Aber ich bin der Meinung, dass wir dann am 1. August finale Zölle haben werden. Auch im transatlantischen Handel. Dann hat man Planungssicherheit.» Die Basiszölle müssten dann anders kompensiert werden. «Einen Teil der Zölle wir man dann ins eigene Buch nehmen, über Margenverluste versuchen zu kompensieren und man wird die Preise erhöhen. Aber es ist nicht so dramatisch, dass der Handel unserer Exportwerde einbrechen würde.» Die ursprünglich von Trump gesetzte Frist sollte am 9. Juli ablaufen, am Montag verlängerte er diese bis zum 1. August. Sollten die betroffenen Länder Vorschläge machen, ziehe er auch Veränderungen in Betracht, so Trump. Weitere Entwicklungen also nicht ausgeschlossen.

09.07.2025