«Sie töten alles»

Von Philipp Dahm

18.6.2021

Donald Trump (links) spricht bei Fox über den «schwachen» Auftritt Joe Bidens (Mitte) beim Treffen mit Wladimir Putin in Genf.
Screenshot: YouTube

Nach dem Genfer Gipfel hat Donald Trump die Arbeit seines Nachfolgers mit wenig warmen Worten kommentiert. In einem «Interview» teilt der Ex-Präsident auch gegen Medien, Wahlen und Windmühlen aus.

Von Philipp Dahm

18.6.2021

«Sie bauen überall Windmühlen, um unser Land zu ruinieren und unsere Vögel zu töten», sagt Donald Trump. Schon wieder! Und er haut noch einen drauf: «Sie töten alles.» Wie der Ex-Präsident in der Fox-Sendung «Hannity» schon wieder auf dieses Unthema kommt?

Eigentlich erzählt Trump dem Moderator gerade eine widersprüchliche Geschichte über Russland, was ihn zu Deutschland bringt: Er habe Kanzlerin Merkel gesagt, Berlin müsse mehr zahlen für den Schutz. 60'000 Soldaten stünden dort und Deutschland «macht ein Vermögen damit».

«Niemand hat je von Nord Stream gehört», bevor er sich der Sache annahm. Jene Gasleitung bringt den 75-Jährigen wiederum auf die umstrittene Öl-Pipeline Keystone XL, deren Genehmigung Joe Biden als eine seiner ersten Amtshandlungen widerrufen hat. Das gefährde nun die Energieversorgung der USA, sagt Trump. Deshalb also der unermüdliche Kampf gegen die Windmühlen.

Wenn Donald Trump der Don Quijote ist, ist Sean Hannity seine Rosinante. Sein Sender Fox ist ja nun nicht gerade für kritische Berichterstattung über Konservative bekannt, aber von einem Interview kann hier wirklich nicht die Rede sein.

Der Journalist als Sekundant

Der Moderator, der seinem Gast angeblich sehr nahe ist, fungiert nicht als Fragesteller, sondern eher als Vorlagengeber. So nach dem Motto: «Ihnen wurde das vorgeworfen, aber dann haben Ihre Kritiker dies und jenes gemacht. Wie verlogen ist das?» Und trotz dieser servilen Jovialität gipfelt das Ganze in folgendem Dialog:

Fox-Zugpferd Sean Hannit über Bidens Pressekonferenz in Genf: «Sieht aus, als hätte sich Opa über die Reporter aufgeregt.»
Screenshot:  YouTube

Trump: «Wir haben keine freie Presse mehr. Ob Sie es nun mögen oder nicht. Und es schmerzt mich, Ihnen das zu sagen, denn Sie haben einen festen Glauben an die Presse, obwohl Sie so viel kritisiert worden sind. Aber wir haben keine freie und faire Presse mehr.»

Hannity: «Ich wünschte zwar, mir wäre Fake News eingefallen, aber was ich schon 2007 gesagt habe, ist, dass Journalismus in den USA tot ist. Und ich glaube nicht, dass ich falsch lag. Ich denke, ich habe wahrscheinlich untertrieben.»

«Keiner konnte es glauben»

Es bleibt Sean Hannitys Geheimnis, wie man den Tod noch toppen kann. Und Donald Trump möchte man zurufen, er soll das mit den vermeintlich gesteuerten Medien mal einem weissrussischen Blogger wie Roman Protassewitsch oder Aexej Nawalny erzählen, der in Russland inhaftiert ist.

Apropos: Der Gipfel in Genf ist natürlich auch Thema bei «Hannity». «Wir haben Russland eine sehr grosse Bühne bereitet, und wir haben nichts dafür bekommen», sagt der New Yorker Immobilien-Tycoon. Und obwohl erwiesen ist, dass die Einmischungen Moskaus in den US-Wahlkampf ihn bevorteilt haben, dreht Trump den Spiess ungeniert um.

«Es gab solche Schuld, und solch schreckliche Dinge sind passiert. Sie haben meine Kampagne ausgespäht. Wissen Sie, wenn man darüber nachdenkt, damals, ganz am Anfang ... Als ich bekannt gegeben habe, dass meine Kampagne ausgespäht wurde, war es einer der grössten Momente. Es war ... Keiner konnte es glauben.»

Trump, das Opfer

Und trotz dieser bereits erratischen, faktisch gelogenen Erzählung kann der Mann noch einen draufsetzen: «Es stellte sich dann heraus, dass ich nicht nur ausgespäht wurde, etwas Schlimmeres als ausspioniert werden. Aber sie haben nichts dagegen getan. Und für mich ist das eine schreckliche Sache für unser Land.»

In diesem Stil geht die Trump'sche Pressekonferenz bei «Hannity» weiter. Er habe sich nie in Ermittlungen des Justizministeriums eingemischt, flunkert der passionierte Golfer. Er wettert gegen Joe Bidens Sohn Hunter, der im Verwaltungsrat eines Energie-Unternehmens sass, ohne Ahnung von der Branche zuhaben – unbekümmert davon, dass er selbst seine Kinder nebst deren Partnern frank und frei in seine Regierung eingebunden hat.

epa07682757 A handout photo made available by the  South Korean presidential office shows US President Donald J. Trump (R) talks with South Korean President Moon Jae-in (2-L) after a welcome dinner at the presidential office Cheong Wa Dae in Seoul, South Korea, 29 June 2019. Also present: Moon's wife Kim Jung-sook (L), Trump's advisors Jared Kushner (C-L) and Ivanka Trump (C-R). The US leader arrived earlier in the day on a two-day visit that will include a summit with South Korean President Moon and a possible trip to the Demilitarized Zone (DMZ) that divides the two Koreas.  EPA/SOUTH KOREAN PRESIDENTIAL OFFICE / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES
Familienband: Seoul am 29. Juni 2019: Donald Trump (rechts) mit Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner (Mitte) beim Staatsbesuch in Südkorea.
EPA

«Und dann traf uns die Pandemie», erzählt Trump. «Und niemand hat dabei so einen guten Job gemacht wie wir.» Mit Genugtuung hält er fest, dass es nun doch nicht mehr ausgeschlossen scheint, dass das Virus einem Labor entspringt. Und impliziert dann auch sogleich, dass es vielleicht sogar bewusst verbreitet wurde.

«Kanda behandelt uns sehr, sehr schlecht» 

Der Ex-Präsident kommt auch nochmal auf Wladimir Putin zu sprechen. «Ich bin wirklich gut mit ihm klargekommen», meint er. Und dann: «Niemand war härter mit Russland.» Andere Staaten sind da schlimmer. «Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Kanada sehr, sehr übel ist.» Und: «Jetzt behandelt Kanada [uns] sehr, sehr schlecht.»

«The Daily Show with Trevor Noah» hat aktueller Kritik von Fox-Moderatoren entsprechende Trump-Zitate von früher gegenübergestellt.

Und der Beitrag bei Fox wäre wohl nicht komplett ohne ein Nachtreten gegen die letzte Wahl. «Schockierenderweise hätten wir mit 64 Millionen Stimmen locker gewinnen sollen, und wir haben 75 Millionen Stimmen bekommen, und wir haben nicht gewonnen. Aber lasst uns sehen, was da noch passiert.»

Es muss Donald Trump klar sein, was er da macht: Er behandelt eine augenscheinlich kurzsichtige Annahme vor der Wahl als eine Garantie und tut so, als seien 75 Millionen mehr als jene 81 Millionen, die sein Kontrahent bekommen hat.

Andererseits ist sein Verhalten vielleicht ja auch bloss konsequent: Wenn die Presse ohnehin nicht frei ist, kann man sie ja auch weiterhin mit Unsinn füttern.