US-Einzelhändler gehen auf Distanz zur Waffenlobby

AP

1.3.2018

Stack schrieb, er unterstütze und respektiere den zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der USA, der den Waffenbesitz zulässt. Doch das Problem müsse gelöst werden.
Bild: Scott Dalton/Invision/dpa

Nach dem Massaker in Florida haben Walmart und Dick's Sporting Goods das Mindestalter für Waffenkäufer auf 21 Jahre angehoben. Dick's verkauft zudem keine sturmgewehrartigen Waffen mehr. Mit den Beschränkungen nehmen es die Einzelhandelsketten mit einem mächtigen Gegner auf.

Der Graben zwischen US-Unternehmen und der Waffenlobby wird breiter. Die Handelsketten Walmart und Dick's Sporting Goods haben Waffenverkäufe beschränkt. Zuvor hatten bereits mehrere andere Grossunternehmen, darunter MetLife, Hertz und Delta Air Lines, Rabatte für Mitglieder des Waffenverband NRA infolge des Schulmassakers in Florida beendet.

Waffenverkauf mit sofortiger Wirkung gestoppt

Dick's kündigte am Mittwoch an, den Verkauf sturmgewehrartiger Waffen sofort zu beenden und Personen, die jünger als 21 Jahre sind, keine Schusswaffen mehr zu verkaufen. Der Vorstandschef Ed Stack nahm es mit der National Rifle Association auf, als er strengere Waffengesetze forderte.

Der größte US-Einzelhändler Walmart folgte dem Beispiel und teilte mit, an Personen unter 21 keine Schusswaffen und Munition mehr zu verkaufen. 2015 hatte Walmart den Verkauf von Gewehren des Modells AR-15 und anderer halbautomatischer Waffen beendet.

Die Handelskonzerne gaben die Änderungen an dem Tag bekannt, an dem für die Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland wieder der Unterricht begann, nachdem ein Teenager dort zwei Wochen zuvor 17 Schüler und Lehrer mit einem AR-15-Gewehr erschossen hatte.

«Als wir sahen, was die Kinder durchlebten und den Kummer der Eltern und die Kinder, die in Parkland getötet wurden, glaubten wir, dass wir etwas tun mussten», sagt Stack dem Fernsehsender ABC.

Pro & Contra in den sozialen Netzwerken

Auf den Seiten von Walmart und Dick's in sozialen Netzwerken wurden nach den Bekanntgaben Hunderttausende Kommentare für und gegen die Änderungen hinterlassen.

Der Gründerin von Moms Demand Action for Gun Sense in America, einer Organisation, die sich für strengere Waffengesetze einsetzt, begrüsste die Schritte der Unternehmen. Jetzt schafften Unternehmenslenker in den USA es, zu entscheiden, ob sie auf der richtigen Seite der Geschichte stünden, sagte Shannon Watts.

Dick's hatte nach den Schüssen in der Sandy-Hook-Grundschule von 2012 den Verkauf sturmgewehrartiger Waffen unterbrochen, doch in seiner kleineren Kette Field & Streams diese später wieder angeboten.

Stack kündigte am Mittwoch an, dies zu beenden, und rief Politiker zum Handeln auf. Er drängte sie, den Verkauf sturmgewehrartiger Waffen, Schnellfeuerkolben und Magazine mit hoher Kapazität zu verbieten und das Mindestalter für den Kauf von Schusswaffen auf 21 zu erhöhen. Käufer sollten allgemein überprüft werden und es solle eine komplette Datenbank von Personen geben, die keine Schusswaffen kaufen dürften. Er forderte zudem, Schlupflöcher beim Privatverkauf und den Waffenmessen zu schliessen, die es Käufern ermöglichen, Überprüfungen ihrer Zuverlässigkeit zu entgehen.

Stack schrieb, er unterstütze und respektiere den zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der USA, der den Waffenbesitz zulässt. Doch das Problem müsse gelöst werden. Waffengewalt sei eine Epidemie, die zu vielen Menschen das Leben koste, darunter Kindern.

Walmart zieht nach

Walmart kündigte an, auch Artikel von der Internetseite zu nehmen, die sturmgewehrartigen Waffen ähnelten, darunter Druckluftwaffen und Spielzeug. Das Unternehmen teilte mit, es habe stets Sportler und Jäger unterstützt und werde dies in verantwortungsvoller Weise weiterhin tun.

Ein Branchenanalyst sagte, andere Einzelhändler, die einen kleinen Teil ihres Umsatzes mit Jagdausrüstung erwirtschafteten, würden wahrscheinlich bald folgen. Waffen können in den USA auch im Internet, auf Messen und in kleinen Waffengeschäften gekauft werden.

Die NRA ist aggressiv Forderungen nach strengeren Altersbegrenzungen und Beschränkungen des Verkaufs sturmgewehrartiger Waffen entgegengetreten. Die Lobbyorganisation reagierte zunächst nicht auf Kommentaranfragen.

Stack schrieb, dass Nikolas Cruz, der 19-jährige Verdächtige des Massakers von Florida, bei Dick's in den vergangenen vier Monaten eine Schusswaffe gekauft hatte. Bei der Tat habe er aber nicht diese Waffe und auch nicht diesen Waffentyp eingesetzt. «Aber sie hätte es sein können. Dies zeigt klar auf so vielen Ebenen, dass die gegenwärtigen Systeme nicht effektiv sind, um unsere Kinder und Bürger zu schützen», schrieb er.

Dick's generiert seine Einnahmen hauptsächlich mit Sportartikeln wie Basketbällen und Sportschuhen. Joseph Feldman von der Telsey Advisory Group schätzte, dass Waffen und Munition acht Prozent des Umsatzes ausmachten. Jugendsport hatte einen erheblich grösseren Anteil an Dick's Umsätzen von 7,92 Milliarden Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr.

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