Wer ist die neue First Lady?

tmxh / AFP / dpa

9.11.2020 - 14:09

Im Wahlkampf unterstützte sie ihren Mann tatkräftig – nun ist sie die neue First Lady: Jill Biden. 
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Nach dem Sieg Joe Bidens bei den US-Präsidentschaftswahlen zieht auch eine neue First Lady ins Weisse Haus. Sie könnte als Präsidentengattin für manche Premiere sorgen. Wer ist Jill Biden – und was zeichnet sie aus?

Kurz nachdem feststand, dass Joe Biden als neuer US-Präsident ins Weisse Haus einziehen würde, veröffentlichte seine Ehefrau Jill ein Foto auf Twitter, das sie und ihren Mann im Wohnzimmer zeigt: Biden trägt eine Schirmmütze mit der Aufschrift «We just did» – beide halten ein Schild in die Kamera, auf dem geschrieben steht: «Dr. & Vize-Präsident Biden leben hier.» Jill Biden verdeckt das nun überflüssige Wort «Vize» mit ihrer Hand.

Als Joe Biden dann am Abend seine Siegesrede in Wilmington hielt, bei der er seine Frau, Sohn Hunter, Tochter Ashley und mehrere seiner Enkel auf die Bühne holte, sagte er – neben zahlreichen Worten zur Versöhnung der Nation – einen bemerkenswerten persönlichen Satz: «Ich bin Joe Biden und ich bin Jills Ehemann». So stellte er sich auch als Präsidentschaftskandidat gerne vor, ganz der Gentleman alter Schule. Ein Satz, der viel über die Frau an seiner Seite und die Beziehung zu ihr aussagte. Denn anders als die Trumps demonstrieren die Bidens stets Nähe und Zuneigung.



Sie passt auf ihn auf

Jill Biden ist für ihren Ehemann Joe eine Lebensstütze, Beraterin, Wahlkämpferin und sogar inoffizielle Personenschützerin. Jetzt bekommt die Ehefrau des Siegers der US-Präsidentschaftswahl noch eine weitere Rolle: Die frühere Second Lady wird, wenn der Wahlausgang formal besiegelt ist, im kommenden Januar als neue First Lady ins Weisse Haus einziehen. Die 69-Jährige dürfte diese Rolle für deutlich mehr Impulse nutzen als die scheidende First Lady Melania Trump.

In den vergangenen Wahlkampfmonaten ist die Lehrerin mit dem Doktortitel in Erziehungswissenschaften immer wieder prominent in Erscheinung getreten. Im März wurde sie mit ihrem geistesgegenwärtigen und beherzten Einsatz gegen zwei Störerinnen bei einem Wahlkampfauftritt ihres Mannes zum Internet-Star. Sie wehrte nacheinander gleich zwei Veganismus-Aktivistinnen ab, die auf die Bühne gestürmt waren.



«Ich bin wahrscheinlich der einzige Präsidentschaftsbewerber, dessen Ehefrau gleichzeitig der Secret Service ist», scherzte Joe Biden später. Vor wenigen Wochen dann sorgte die blonde Politikergattin für Aufsehen, als sie ihren Mann freundlich, aber bestimmt zurückzog, als er inmitten der Corona-Krise zu nahe vor Journalisten stand. Eine deutliche Erinnerung daran, wie ernst das Biden-Team die Pandemie nimmt – und wie sehr Jill Biden auf ihren 77 Jahre alten Mann aufpasst.

Im aufreibenden Wahlkrimi der vergangenen Tage stand sie wieder fest an der Seite des Kandidaten. Die Bidens bilden schon seit mehr als vier Jahrzehnten ein unzertrennliches Duo. Der damalige Senator und die geschiedene Englischlehrerin, geborene Jacobs, lernten sich 1975 auf einem von Bidens Bruder organisierten Blind Date kennen – und heirateten im Jahr 1977. Erst nach dem fünften Heiratsantrag Bidens soll Jill damals «Ja» gesagt haben.

Herzlich: Joe und Jill Biden demonstrieren in der Öffentlichkeit viel Nähe.
Andrew Harnik/AP/dpa

Eine herzliche Persönlichkeit

Fünf Jahre vor der Hochzeit mit Jill hatte Biden bei einem Autounfall seine erste Ehefrau Neilia und die gemeinsame Tochter Naomi verloren. Jill gab vorübergehend ihren Job als Lehrerin auf, um die Kinder grosszuziehen, Bidens Söhne und später die 1981 geborene gemeinsame Tochter Ashley.

Als Joe Biden 2008 als Vize an der Seite von Barack Obama das Weisse Haus eroberte, wurde Jill Biden Second Lady der USA. Eine herzliche Persönlichkeit, energiegeladen, eloquent, mit einer Vorliebe für farbenfrohe Kleider, hohe Lederstiefel und Perlenschmuck. Und beruflich unabhängig: Selbst als Second Lady unterrichtete «Dr. Biden» an einem sogenannten Community College, einer Art Zwischenstufe zwischen Schule und Universität.



Die 69-Jährige legte sich im Wahlkampf mächtig für ihren Mann ins Zeug, reiste bis zuletzt in umkämpfte Schlüsselstaaten und bewarb ihren Gatten als Versöhner des Landes. In ihrer Rede beim Nominierungsparteitag der Demokraten im September zog Jill Biden eine Linie zwischen den persönlichen Tragödien im Leben ihres Mannes und der Herausforderung, die zutiefst gespaltenen Vereinigten Staaten wieder zu versöhnen. «Wie bringt man eine gebrochene Familie wieder zusammen? Genauso, wie man eine Nation zusammenbringt: Mit Liebe und Verständnis und kleinen Gesten der Güte, mit Mut, mit unerschütterlichem Glauben.»

Jill will weiter unterrichten

Als First Lady dürfte Jill Biden einen Schwerpunkt auf Bildung legen – und möglicherweise weiter selbst unterrichten. «Die meisten amerikanischen Frauen haben ein Arbeitsleben und ein Familienleben, aber First Ladies hatten nie wirklich das Recht dazu», sagt die Geschichtsprofessorin Katherine Jellison. «Vielleicht sind die Amerikaner jetzt bereit für eine First Lady, die nicht rund um die Uhr im Weissen Haus auf Abruf bereit steht.» Sie wäre die erste Präsidentengattin, die ihrem Job weiter nachgeht.

Jill Biden will auch als First Lady weiter ihrem normalen Job nachgehen.
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Die 69-Jährige jedenfalls hat angekündigt, sich ganz in den Dienst des Landes stellen zu wollen: Als First Lady werde sie jeden Tag hart arbeiten, «um diese Nation besser zu machen».  Ihr Mann, der zukünftige US-Präsident, drückte es am Samstagabend bei seiner Rede in Wilmington jedenfalls in klaren Worten aus: «Jill Biden wird eine hervorragende First Lady sein.»

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