Amstutz rüffelt SVP-Politiker nach Glarners Pranger-Aktion

tjb

12.6.2019

SVP-Nationalrat Adrian Amstutz (BE) will trotz Lockerung der Amtszeitbeschränkung nicht nochmals zu den Wahlen antreten. (Archivbild)

SVP-Wahlkampfchef Adrian Amstutz redet seiner Partei ins Gewissen. Man könne kurz vor den Wahlen kein «solches Theater» brauchen, sagte er mit Blick auf einen vielgeschmähten Facebook-Post von Nationalrat Andreas Glarner.

Die Pranger-Aktion gegen eine Lehrerin von SVP-Nationalrat Andres Glarner sorgt in seiner Partei weiter für Aufregung. Zunächst setzte es deutliche Kritik am Verhalten des Politikers aus der eigenen Partei, kein Bundespolitiker wollte ihn in Schutz nehmen.

Glarner hatte auf Facebook eine junge Lehrerin aus Zürich angefeindet und ihre Handynummer veröffentlicht. All das, weil sie die Eltern per Brief darauf hinwies, dass muslimische Kinder für die Feier zum Fastenbrechen der Schule fernbleiben dürfen. Eine Welle negativer Reaktionen übergoss sich über die Frau – obwohl sie nur aufs geltende Gesetz hingewiesen hatte. Nach einigem Zögern entschuldigte sich Glarner am Wochenende schliesslich für seine Aktion.

An der Fraktionssitzung am Dienstag hat auch noch Adrian Amstutz, Wahlkampfchef der SVP, seine Parteigenossen ermahnt, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Zum Ende der Sitzung habe sich Amstutz an die Politiker gerichtet und sie aufgerufen, sich «zusammenzureissen», weil die Partei kein «solches Theater» gebrauchen könne wenige Monate vor den nationalen Wahlen.

Wahlkampfleiter Amstutz rief seinen Fraktionskollegen in Erinnerung, dass gewählte Parlamentarier eine Vorbildfunktion hätten, wie die Zeitung weiter berichtet. Obwohl Glarners Name bei der Standpauke nicht fiel, hätten alle gewusst, wer damit gemeint sei – und die Reaktionen darauf seien wohlwollend ausgefallen.

Vor den Medien will sich von der Parteileitung allerdings niemand zu Wort melden. Auf einige SVP-Parlamentarier wirkt dieses Verhalten darum, als ob man die Sache einfach aussitzen wolle, berichten die Zeitungen von «CH Media». Darum wolle sich eine Gruppe unzufriedener Politiker heute Mittwoch treffen und ihre Kritik an der Parteileitung sammeln und intern anbringen. Vor den Medien wollen sich aber auch diese Politiker nicht äussern.

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