Auf einmal scheint Ex-Armeechef Blattmanns Haltung rational

Jennifer Furer

13.3.2020 - 16:18

André Blattmann war von 1. März 2009 bis 31. Dezember 2016 Chef der Schweizer Armee. 
Bild: Keystone

Belächelt und geschmäht: Der frühere Armeechef André Blattmann sprach 2014 über seinen angelegten Notvorrat. Politiker und Medien schossen scharf gegen ihn. Was er in Zeiten des Coronavirus dazu sagt.

Als «Angstmacher vom Dienst» wurde André Blattmann 2014 betitelt. Grund: Der damalige Armeechef und heutige Verwaltungsrat der Fluggesellschaft Swiss sagt in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» (heute «Schweiz am Wochenende»), dass er selbst einen Notvorrat hält.

Die Gesellschaft sei verletzlich geworden und sei auf Risiken nicht vorbereitet, sagte Blattmann damals. Diese Haltung pflegt er auch heute noch, wie der einstige Armeechef zu «Bluewin» sagt. Zu Hause lagere er nach wie vor 30 oder 40 Sechserpackungen Mineralwasser ohne Kohlensäure – das entspricht etwa 300 Litern. Er verfüge ausserdem über ein Cheminée mit Holzvorrat und Konservenbüchsen.

Chronologie der Coronavirus-Krise

«Es ist gut, wenn man ein paar Vorräte für den Notfall zu Hause hat. Auch Konservenbüchsen. Das hilft ein paar Tage zu überbrücken, bis der Courant normal wiederhergestellt ist», sagte Blattmann im Jahr 2014.

Unverständnis und Häme

Die Reaktionen der Medien und gewisser Politiker waren vernichtend. GLP-Politikerin Chantal Galladé, damals noch Zürcher SP-Nationalrätin sagt etwa: «Es zeugt von Panik, wenn Blattmann mit solchen absurden Szenarien die Gefahr für die Schweiz überzeichnet.» Sie hätte zu Hause gar nicht den Platz, um so viel Mineralwasser zu lagern.

Der Grünliberale Nationalrat Beat Flach stiess mit Blick auf die damals bevorstehende Kampfjet-Abstimmung ins gleiche Horn: «Ich finde es billig, wenn die Armee nur wegen der Gripen-Abstimmung Angst verbreitet.»

Mit der jetzigen Coronakrise ist sechs Jahre nach den harten Worten an die Adresse Blattmanns eine Situation eingetreten, die das Anlegen eines Notvorrats für viele plötzlich wieder sehr rational erscheinen lässt. «Ich habe keine Freude daran, dass jetzt eingetroffen ist, wovor ich gewarnt habe», sagt Blattmann.

Nicht erst im Krisenfall handeln

Die Coronakrise zeige, dass es unerlässlich und sinnvoll sei, einen Notvorrat anzulegen und Selbstverantwortung zu übernehmen. «Wir haben jetzt im Vergleich zu vor fünf Jahren einen konkreten Fall, eine konkrete Krise, die einen Notvorrat sinnvoll erscheinen lässt», sagt Blattmann.

Es werde auch deutlich, dass es klug sei, nicht erst bei Eintreten einer Krise den Notvorrat anzulegen. «Wenn das alle machen, kann dies das Versorgungssystem überlasten», so Blattmann. 

Dann sei es nicht mehr möglich, die Gemeinde anzurufen und zu erwarten, dass diese in jedem Fall helfen könne. Blattmann: «Es ist immer gut, wenn jeder einzelne ein paar Tage selbst überbrücken kann.» Es gehe darum, Selbstverantwortung zu übernehmen. Blattmann hofft nun, dass die Bevölkerung die Coronakrise gemeinsam bewältigen wird.

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