Diese Regeln gelten an Weihnachten

Julia Käser und Gil Bieler

23.11.2020 - 18:00

Weihnachten mit Corona: Und wie planen Sie die Festtage?

Weihnachten mit Corona: Und wie planen Sie die Festtage?

Dieses Jahr ist alles ein wenig anders: auch Weihnachten. Feiern wir per Skype, draussen an der freien Luft oder bleibt doch alles beim Alten? Wir haben nachgefragt.

18.11.2020

In genau einem Monat ist Weihnachten, und ein Ende der Coronamassnahmen nicht absehbar. Was bedeutet das fürs Familienfest? Eine Übersicht.

Das Pandemie-Jahr neigt sich dem Ende zu, die Fallzahlen sind nach wie vor hoch. In Deutschland haben sich die Bundesländer im Hinblick auf die nahenden Festtage jüngst darauf geeignet, dass Treffen mit haushaltsfremden Menschen von bis zu zehn Personen über Weihnachten möglich sind – Kinder unter 14 Jahren ausgenommen. 

Wie genau wir die Feiertage verbringen können, ist hingegen noch nicht richtig klar. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat praktische Empfehlungen für die Weihnachtstage in Aussicht gestellt, bisher liegen diese jedoch nicht vor. Dennoch haben die Verantwortlichen bereits durchblicken lassen, was vom Bund und den Gesundheits-Fachleuten empfohlen wird – und was nicht. Eine Übersicht. 

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Familienfest

So gilt eine 10-Personen-Regel auch in der Schweiz – Kinder werden hier aber mitgezählt. Als weitere Massnahme hat Virgine Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle im BAG, am Dienstag vor den Medien dazu geraten, dass man die Feier auch in Bezug auf die Haushalte beschränke. Sprich: Lieber mit zwei statt mit vier Familien feiern. 

An einer Medienkonferenz am Dienstag unterstrich der oberste Kantonsarzt der Schweiz Rudolf Hauri zudem, wie wichtig es sei, schon bei den mildesten Symptomen auf die Teilnahme am Fest zu verzichten. Ansonsten gälten die bereits bekannten Massnahen: Händewaschen, Abstand halten, Maske tragen und regelmässig lüften. 

Was bedeutet das für das beliebte Fondue chinoise? «Zu zehnt um einen Topf» zu sitzen, ist laut dem Stadtbasler Kantonsarzt Thomas Steffen keine gute Idee. Er empfiehlt ein Fondue-Set pro Familie und genug Abstand. 

Fleisch zu einem Fondue Chinoise liegt auf einer Servierplatte, am Sonntag, 2. Dezember 2018, in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Der Stadtbasler Kantonsarzt Thomas Steffen empfiehlt ein Fondue-Set pro Familie und genügend Abstand beim Festmahl.
Bild: Keystone
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Grosseltern-Besuch

Auch eine zehntägige freiwillige Selbstquarantäne vor Weihnachten ist laut Masserey eine Möglichkeit, sich vor Ansteckungen über die Festtage zu schützen. Das wurde davor unter anderem bereits von Hauri ins Spiel gebracht. Sinnvoll sei diese Massnahme vor allem dann, wenn man mit den Grosseltern feiern wolle, so der oberste Kantonsarzt. 

Zwar betrachtet das BAG über 65-Jährige nicht mehr generell als Risikogruppe, weil die Betroffenen dies als diskriminierend empfanden. Doch mit dem Alter steige auch das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs, hält das BAG fest. Dies gelte insbesondere für Personen mit einer Vorerkrankung wie etwa Bluthochdruck, Diabetes oder chronische Atemwegserkrankungen.

Laut Hauri komme es vor allem darauf an, wie gut man selbst vor dem Virus geschützt sei. Unter Umständen müsse man dieses Jahr aber auf virtuelle Treffen setzen.

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Kirchenbesuch

«Weihnachten kann nicht einfach ausfallen», schreibt die Katholische Kirche Schweiz. Stand jetzt dürfen aber nicht mehr als 50 Personen an kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen. Deshalb sucht man nach Alternativen für grosse Weihnachtsgottesdienste.

Genannt werden etwa das gemeinsame Singen von «Stille Nacht» draussen an einem bestimmten Ort oder Quartier zu einer festgelegten Zeit. Auch ein Sternmarsch mit einem gemeinsamen Schmücken des Christbaums vor der Kirche gilt als mögliche Alternative. Genauso wie Krippenspiele im Freien. Auf der am Dienstag lancierten Website «Trotzdem Licht» geben die Kirchen der Schweiz weitere Ideen. 

Die reformierte, katholische und christkatholische Landeskirchen des Kantons Luzern setzen derweil auf einen ökumenischen Fernseh-Gottesdienst am 25. Dezember um 10 Uhr. Wahrscheinlich ist auch, dass es wie bereits an Ostern zahlreiche Online-Gottesdienste geben wird. 

Der Christbaum auf dem Klosterplatz erstrahlt am Sonntagabend, 3. Dezember 2006, auf dem Klosterplatz in St. Gallen, zum ersten Mal im Lichterglanz. Dazu spielten die Niklausblaeser der Polizeimusik Weihnachtslieder, und es gab gratis Gluehwein, Punsch und Guetsli fuer alle. (KEYSTONE/Regina Kuehne)
Für die grossen Weihnachtsgottesdienste werden Alternativen ausserhalb der Kirchen gesucht: im Bild der Klosterplatz in St. Gallen.
Bild: Keystone
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Weihnachtslieder

Gerade beim Singen entstehen viele virushaltige Partikel, die dann von anderen Personen eingeatmet werden. Wenn wir in der warmen Stube «O du fröhliche» singen, hat es das Coronavirus also besonders leicht. Das gilt laut Kantonsarzt Hauri auch fürs Vorsingen: Auch darauf solle man in den eigenen vier Wänden besser verzichten, rät er. 

Eine Möglichkeit könnte sein, sich zum Singen auf den Balkon zu begeben – so, wie es uns die Italienerinnen und Italiener im Frühjahr vorgemacht haben. 

Dass nicht nur das Singen, sondern gleich das ganze Fest nach draussen verlegt wird, ist übrigens auch ein Vorschlag, der vom BAG vermehrt gemacht wurde. Statt in der warmen Stube könnten Familien etwa mit einer Fackeltour im Wald oder gleich einer Waldweihnacht feiern. 

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Weihnachtsshopping

Die allermeisten Weihnachtsmärkte fallen in diesem Jahr der Coronapandemie zum Opfer, darunter auch der Basler Weihnachtsmarkt, der «Noël»-Markt in Montreux und das Zürcher «Wienachtsdorf» auf dem Sechseläutenplatz. Nicht abgesagt wurde bisher beispielsweise der Weihnachtsmarkt in Thun. Der traditionelle «Christkindelsmärik» in Strassburg soll ebenfalls stattfinden, wenn auch in reduziertem Rahmen.

Wenn man die Geschenke nicht auf dem Weihnachtsmarkt kaufen kann und volle Einkaufsstrassen meiden will, kann man sie bestellen. Um zu verhindern, dass es wie schon im Frühjahr zu Engpässen und Päckli-Chaos kommt, erhöht die Post ihre Personalressourcen in den Paketzentren und in der Paketzustellung vor Weihnachten um bis zu 30 Prozent, berichtet der «Tages-Anzeiger»

Allenfalls kann man die freie Zeit, die man durch ausfallende Glühwein-Abende und Adventskonzerte gewinnt, kreativ nutzen: Kalender, Duftkerzen und Pralinés lassen sich auch selber machen. Wieso also nicht wieder einmal etwas Selbstgemachtes verschenken? 

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Weitere Weihnachtsbräuche

Auf den Weihnachtsbaum in der eigenen Stube muss niemand verzichten. Laut dem «Schweizer Bauer» sind die hiesigen Tannenbäume dieses Jahr «dank guter Witterung von bester Qualität». Anders als in Deutschland wird in der Schweiz nicht damit gerechnet, dass die Bäume aufgrund der Pandemie teurer werden. Und Grün ist immerhin die Farbe der Hoffnung. 

Schliesslich bietet sich dieses Jahr die Möglichkeit, das Guetslibacken, Dekorieren und Kochen für einmal weniger üppig ausfallen zu lassen. Hand aufs Herz: So schön das weihnächtliche Zusammenkommen mit der Familie auch ist, nicht selten ist es mit Stress verbunden. Wieso also die Feier für einmal nicht bescheidener gestalten, durchatmen und sich aufs nächste Jahr freuen?

ARCHIV - 07.01.2019, Bayern, Kaufbeuren: Eine Kerze brennt an einem geschmückten Weihnachtsbaum. Mit Beginn der Adventszeit warnen die Versicherer vor Bränden durch in Flammen aufgegangene Adventskränze und Weihnachtsbäume. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Karl-Josef Hildenbrand)
Auf einen Tannenbaum muss niemand verzichten. 
Bild: Keystone

Transparenz: Dieser Artikel wurde nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung am 13. November aktualisiert. 

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