Der Traum vom eigenen Pool –  Schweizer rüsten im Garten auf

Gil Bieler

7.6.2020 - 14:01

Nicht so schnell: Der Bau eines eigenen Schwimmbeckens ist aufwendiger, als viele denken.
Bild: Getty Images

Wenn man schon so viel Zeit zu Hause verbringt, leisten sich viele etwas Schönes für den Garten: Von der Hängematte bis zum eigenen Pool reicht die Wunschliste – ob das Budget immer reicht, ist eine andere Frage.

Die Grenzen zu Deutschland, Österreich und Frankreich sollen zwar Mitte Juni wieder vollständig offen sein – doch warum unbedingt in die Ferne schweifen? Viele Schweizerinnen und Schweizer scheinen aus der Corona-Krise das Beste zu machen und verschönern derzeit Haus und Garten. So kann man die Ferien auch auf «Balkonia» gut verbringen.

Eine «enorme Nachfrage» gibt es aktuell bei der Vivell Schwimmbadtechnik AG aus dem solothurnischen Kappel, wie Geschäftsführerin Sonja Britschgi-Stalder auf Anfrage von «Bluewin» sagt. Manche Interessenten würden explizit eine Offerte einholen, weil sie die Ferien zu Hause verbringen möchten – doch dürfe man nicht unterschätzen, wie aufwendig der Bau eines massgeschneiderten Pools sei.

«Wer jetzt plant, kann im Herbst mit dem Bau beginnen und im nächsten Jahr baden», sagt sie. Denn erst brauche es im Normalfall eine Baubewilligung, dann müsse man einen Gartenbauer und einen Baumeister engagieren. «Das geht nicht von heute auf morgen, und das müssen wir derzeit vielen Interessenten erklären.» 



Schneller gehe es, wenn man ein Fertigbassin kaufe. Doch auch dort müsse man wegen der erhöhten Nachfrage mit einer längeren Lieferfrist als gewöhnlich von bis zu zehn Wochen rechnen, so Britschgi-Stalder. 

Auch den finanziellen Aufwand würden viele unterschätzen. Britschgi-Stalder spricht von 80'000 bis 150'000 Franken für ein Schwimmbecken, hinzu kämen bis zu 50'000 Franken für die Bau- und Gartenarbeiten, je nach Projektumfang.

Wunsch nach Ferien im Garten ist spürbar

Ein Trend zum privaten Swimmingpool lasse sich schon seit einigen Jahren feststellen, heisst es bei der Poolprofi AG aus Laufen BS. «Die aktuelle Situation verstärkt wohl teilweise den Entscheid oder bildet den letzten Anstoss zur Realisation», teilt Geschäftsführer Rolf Richterich auf Anfrage mit. «Der Wunsch nach Urlaub im eigenen Garten ist auf jeden Fall deutlich spürbar.»

Das Unternehmen ist seit 1965 auf den Bau von Schwimmbadanlagen für Privatkunden spezialisiert. Die Kundschaft sei äusserst breit gefächert – ebenso wie die Summen, die investiert werden. Die Preise bei der Poolprofi AG bewegten sich von 30'000 Franken bis 300'000 Franken und aufwärts.

Auch die günstige Variante ist gefragt

Wer seinen Garten günstiger aufmotzen möchte, landet wohl eher in einer «Do It»-Filiale der Migros oder einem Coop «Bau & Hobby» – und ist damit in bester Gesellschaft. Bei der Migros ist mit dem Beginn des Lockdowns im März ebenfalls eine gesteigerte Nachfrage spürbar: Aufstellbare Bassins für den Garten wurden schon dreimal mehr verkauft als in den Vorjahren, wie Migros-Sprecher Marcel Schlatter auf Anfrage erklärt.

Gerade im Onlinehandel würden bei bestimmten Produktgruppen derzeit höhere Umsätze erzielen als gewöhnlich online und im stationären Handel zusammen. Dazu gehören neben den erwähnten Bassins auch Spielgeräte wie Schaukeln, Rutschbahnen und Sandkästen, ausserdem Grills und Feuerschalen sowie Erde, Dünger und Rasenprodukte.



Was ausserdem festzustellen sei: «Unsere Kunden kaufen eindeutig mehr hochpreisige Ware», sagt Schlatter. Der durchschnittliche Wert eines Warenkorbs habe sich «deutlich erhöht». Besonders gefragt seien seit einigen Wochen etwa hochwertige Grills.

Ähnliche klingt es bei Coop: Angebote rund um den eigenen Garten seien in den «Bau & Hobby»-Filialen sehr gefragt. Dies gelte neben Swimmingpools auch für Gartenmöbel und Hängematten.

Folgt auf das Hoch eine Flaute?

Und was, wenn auch die letzten Lockdown-Massnahmen aus unserem Alltag verschwunden sein werden und sich jeder seine Wünsche erfüllt hat – wird dann auch das Geschäft mit dem Garten wieder abflachen? Zumindest bei Poolprofi geht man nicht davon aus, wie Rolf Richterich sagt: Anfragen für einen Pool-Neubau gingen über das ganze Jahr verteilt ein. Aufgrund der aktuellen Situation rechne er nicht damit, dass diese Anfang Herbst wieder nachlassen werden.

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