Deutsche Forscher feiern die FFP2-Maske, Schweizer Experten bleiben skeptisch

aru

7.12.2021

In Bayern müssen ab heute generell wieder FFP2-Masken getragen werden.
In Österreich sind FFP2-Masken Pflicht, in der Schweiz hadert man damit.
Frank Rumpenhorst/dpa/Illustration

Eine Studie des Max-Planck-Instituts zeigt, dass FFP2-Masken sehr gut vor einer Covid-Ansteckung schützen. Ein Schweizer Experte und das BAG relativieren jedoch.

aru

7.12.2021

Seit dieser Woche gilt sie im Kino, am Arbeitsplatz und im Fitnesscenter: die Maskenpflicht. Ausser an privaten Treffen werden Schutzmasken wieder zum ständigen Begleiter, was sich auch in den Regalen der Grossverteiler niederschlägt. Bei mehreren sind die als sicher geltenden FFP2-Masken bereits ausverkauft.

Wie sicher die FFP2-Maske aber ist, darüber sind sich die Expert*innen uneinig.



Glaubt man einer Studie des Max-Planck-Instituts, sind FFP2-Masken enorm sicher. Stehen sich ein Infizierter und ein Gesunder in einem Innenraum während 20 Minuten auf kurze Distanz gegenüber, liegt die Ansteckungsgefahr bei 0,1 Prozent, wie die Studie ergab. Dies allerdings unter der Voraussetzung, dass die Maske auch richtig getragen wird, sagt der Direktor des Instituts zur «FAZ».

Auch der designierte deutsche Gesundheitsminister, Karl Lauterbach, verweist in einem Tweet auf die Studienergebnisse. Sitzt eine Maske schlecht, liege das Infektionsrisiko etwa bei 4 Prozent. Bei einer herkömmlichen OP-Maske liege dieser Wert bei rund 10 Prozent. Eine gut anliegende FFP2-Maske schütze alles in allem 75 Mal besser als übliche medizinische Schutzmasken.

Die Ergebnisse des Max-Planck-Instituts werden von einem Schweizer Experten relativiert. In der «Aargauer Zeitung» sagt der Aerosol-Spezialist Michael Riediker: «Der Faktor 75 scheint für die Situation mit angeklebter FFP2-Maske zu gelten, und zwar im Vergleich zur nicht gut getragenen chirurgischen Maske.»

Auch hätten bei der Studie beide Personen, also die gesunde und die infizierte, eine FFP-Maske getragen. «Da wäre ich also eher vorsichtig beim Berichten einer 75 Mal besseren Wirkung. In der Praxis dürfte der Effekt immer noch klar sein, aber nicht so hoch.»



Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist skeptisch und empfiehlt der breiten Bevölkerung noch keine FFP2-Masken. Der Grund: Die Maske könne nicht über einen längeren Zeitraum festsitzend getragen werden, schreibt der «Blick». «Da der Atemwiderstand beim Träger erhöht ist, müssen regelmässige Pausen vom Tragen eingehalten werden. Ausserdem ist ein eng anliegender Sitz bei Bartträgern generell nicht möglich», sagt ein BAG-Sprecher der Zeitung.

In der BAG-Medienkonferenz von Dienstag wurde Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, gefragt, warum man auf eine ausdrückliche Empfehlung verzichte. Man erachte es derzeit nicht nötig, überall eine FFP2-Maske zu tragen, sagte sie. «Will sich jemand besser schützen, muss er oder sie auch die Trage-Vorschriften sehr genau berücksichtigen.» 

Dem pflichtet Riediker bei: «Besonders im Bereich des Nasenrückens gehen oft noch sehr grosse Mengen Aerosole raus.»

Sicherheitsgefühl wird zum Problem

Ein weiteres Problem: Wer die vermeintlich sicherste Maske trägt, tendiert im Alltag nachlässig mit anderen Sicherheitsvorkehrungen umzugehen. «Das Nichteinhalten der übrigen Verhaltensregeln, zum Beispiel Abstand halten, kann sogar mehr Übertragungen zur Folge haben», so der BAG-Sprecher weiter.