Coronakrise

Eigene Kinder in der Kaserne – Offiziere sorgen für Kopfschütteln

tafi

7.4.2020

Schweizer Rekruten dürfen wegen der Coronakrise ihre Kaserne praktisch nicht verlassen, die Offiziere schon – das gefällt nicht jedem. (Symbolbild)
KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Urlaubssperre für die Rekruten, aber die Offiziere gehen nach Hause und bringen ihren Nachwuchs sogar mit in die Kaserne. Das Verhalten ihrer Vorgesetzten sorgt beim Fussvolk der Schweizer Armee für Unverständnis.

Das Ausgangsverbot gilt seit Anfang März, die Urlaubssperre kam kurze Zeit später dazu: Wegen der Coronakrise sind Rekruten der Schweizer Armee praktisch in der Kaserne eingeschlossen. Harte Zeiten erfordern harte Massnahmen, predigen die Offiziere. Für sich selbst liessen sie aber Ausnahmen zu, schreibt «20 Minuten» und beruft sich dabei auf die Aussagen eines nicht namentlich genannten Rekruten, der die Infanterieschule 11-1 in Herisau absolviert.

«Uns sagen sie, wir dürfen wegen der Ansteckungsgefahr nicht nach Hause. Gleichzeitig gehen sie nach Hause zu Frau und Kind» beschwert sich der Rekrut. Ein Oberstleutnant und ein Stabsadjutant hätten sogar «schon ihre Kinder auf Platz oder sogar in die Kaserne» mitgenommen. «Völlig ohne Schutzmassnahmen.»

Die Befürchtung des Rekruten, dass sich die Berufsmilitärs zu Hause anstecken und das Coronavirus in die Kaserne einschleppen, mag Armeesprecher Daniel Reist nicht uneingeschränkt teilen. «20 Minuten» zitiert ihn mit den Worten: «Berufsmilitär ist ein Beruf wie jeder andere. Da muss es auch möglich sein, am Abend nach Hause gehen zu können.» Berufsmilitärs würden zudem in der Regel nicht weit entfernt von der Kaserne wohnen und direkt nach Hause gehen.

Allerdings sei es nicht die Idee, «seine Kinder mit in die Kaserne zu nehmen», wird Reist deutlich. «Das ist ein Gesundheitsrisiko.» Menschen von ausserhalb in die Rekrutenschule zu bringen, sei alles andere als ideal. Wie andere Berufstätige auch, müssten Berufsmilitärs Lösungen finden, ihre Kinder zu Hause lassen.

Auch wenn die fehlbaren Berufsmilitärs nicht mit einer Bestrafung rechnen müssten, würden sie noch einmal sensibilisiert. «Als verantwortlicher Vorgesetzter kann man sich das in dieser Krise nicht rausnehmen», unterstreicht auch Stefan Holenstein, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, in «20 Minuten».

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