Experten denken an Wochenend- und Nachtfahrverbot für Junglenker

uri

10.5.2019

Ein 20-jähriger Junglenker hat einen Unfall verursacht, bei dem  junge Frau eingeklemmt und schwer verletzt wurde. (Archiv)
Bild: Handout/Zuger Strafverfolgungsbehörden

Weil junge Erwachsene besonders häufig in der Nacht und am Wochenende Verkehrsunfälle bauen, denken Experten von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) über drastische Massnahmen nach.

In ihrem jüngsten Bericht zur Strassenverkehrssicherheit junger Erwachsener halten die Fachleute der BfU fest, dass junge Fahrzeuginsassen überdurchschnittlich häufig nachts verunfallen. Und das insbesondere am Wochenende. Als Gründe dafür gelten neben fehlender Fahrpraxis und Müdigkeit vor allem Alkoholkonsum und Imponiergehabe.

Um das «Unfallrisiko junger Erwachsener im Strassenverkehr zu senken», so die Autoren, würden sich einige Massnahmen als besonders vielversprechend erweisen. Darunter etwa «zusätzliche Restriktionen in der Probephase», wie das Verbot von Nachtfahrten, jeglicher Handynutzung oder die Untersagung der Mitnahme junger Passagiere. Vorstellbar sei auch eine Kombination von Restriktionen, beispielsweise ein Mitführverbot junger Passagiere an Wochenendnächten ohne Anwesenheit einer mindestens 25-jährigen Person.



Empfehlungen nur schwer umzusetzen

Den Experten ist dabei bewusst, dass einige der Empfehlungen nur schwer umzusetzen sein dürften. Vor allem bei Nachtfahr- und Passagierrestriktionen vermuten sie einen sehr geringen Zuspruch in der Bevölkerung. Deshalb solle ihre gesellschaftliche Akzeptanz und politische Machbarkeit zuvor geprüft werden.

Gegenüber «20 Minuten» äusserte sich der Fahrlehrerverband bereits positiv zu den Vorschlägen. Sein Geschäftsführer Daniel Menzi erklärte, die vorgeschlagene Massnahme sei «per se sicher zielführend», denn gerade junge Männer würden einem riskanten und gefährlichen Fahrverhalten zuneigen. Langfristig gelöst wird das Problem seiner Meinung jedoch vor allem durch eine längere und bessere Ausbildung der Fahranfänger.

Skepsis aus der Politik

Skeptische Töne für die Ideen fing «20 Minuten» hingegen aus der Politik ein. SP-Nationalrat Thomas Hardegger hält ein generelles Nachtfahrverbot für Junglenker in der Probezeit für unverhältnismässig, weil es eben auch diejenigen bestrafe, die sich verantwortungsvoll verhalten würden.

Für legitim hält der Grünen-Nationalrat Michael Töngi die Massnahmen, weil sie die Unfallzahlen reduzieren würden. Unterstützen will er sie aber trotzdem nicht, denn die Verbote seien nur schwer umzusetzen und zu kontrollieren. So stelle sich etwa die Frage, wie man dann mit Schichtarbeitern, die in der Nacht auf ein Auto angeweisen sind, umgehen solle. Zudem seien Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen wichtiger. Und hier müsse mit verstärkten Kontrollen auf Regeleinhaltung hingewirkt werden.

Bilder aus der Schweiz
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