Jahreszahlen

Passagierrekord und unpünktliche Züge prägen Meyers Abgang

gbi

10.3.2020

Bei der Pünktlichkeit hapert es, bei den Passagierzahlen gibt es ein Plus: Die SBB präsentieren die Zahlen für das Jahr 2019 – dem letzten mit Andreas Meyer als CEO. Verfolgen Sie die Medienkonferenz im Livestream.

13 Jahre sind genug: Andreas Meyer tritt in diesem Jahr als CEO der SBB zurück. Die Jahreszahlen 2019, die heute Dienstag präsentiert werden, sind also die letzten, die unter seinem Kommando eingefahren wurden. Als Meyers Nachfolger wurde Vincent Ducrot bestimmt, zuvor Direktor der Freiburgischen Verkehrsbetriebe. Er soll in gut einem Monat das Zepter übernehmen, wie an der Medienkonferenz erklärt wurde.

Über das Jahresergebnis 2019 informieren neben Meyer auch Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar und Finanzchef Christoph Hammer. Die Medienkonferenz können Sie ab 10:30 Uhr im Livestream verfolgen. 

So viele Passagiere wie noch nie

VR-Präsidentin Ribar sprach von einem «betrieblich anspruchsvollen Jahr», das aber auch durch steigende Nachfrage geprägt worden sei. Die SBB hätten 2019 täglich 1,3 Millionen Passagiere transportiert, ein Plus von sechs Prozent – und ein neuer Rekordwert. Hinzu seien 2'000 Extrazüge für den Eventverkehr im Sommer gekommen, auch dies ein Höchstwert. 

Mit der Pünktlichkeit könne man «nicht zufrieden» sein, so Ribar. Auch wenn verschiedene Faktoren dazu beigetragen hätten, könne man damit nicht zufrieden sein. Über alles gesehen liege die Pünktlichkeit bei 89,5 Prozent, ein Minus von 0,6 Punkte. Es habe sich gezeigt, dass das System an seine Grenzen stosse. 

Tödlicher Unfall und Pannenzug

Ribar zeigte sich auch betroffen vom tödlichen Unfall eines Zugchefs im letzten Jahr. Am 4. August 2019 war der 54-Jährige am Bahnhof Baden von einer Tür eines abfahrenden Zuges eingeklemmt und kilometerweit mitgeschleift worden. Der Einklemmschutz des Einheitswagens IV hatte komplett versagt. 



Beim anderen Problem – dem Pannenzug FV-Dosto von Bombardier – habe man Fortschritte gemacht, so Ribar. 

Die Verkehrserträge haben um 2,2 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken zugenommen. Das Ergebnis des Personenverkehrs betrug 215 Millionen Franken (Vorjahr: 241 Millionen). Das Konzernergebnis betrug 463 Millionen Franken, ein Minus von 18,5 Prozent.

Einbussen wegen Coronavirus

Meyer ging auf das Coronavirus ein. Man halte sich an die Vorgaben der Behörden und beobachte die Situation an der südlichen Landesgrenze genau. Generell, so Meyer, sei es bei den SBB nie langweilig geworden – und das bleibe auch in den letzten Monaten im Amt so. 

Im Verkehr nach Italien gebe es aktuell einen Nachfragerückgang von 90 Prozent, so Meyer. Auch beim anderen grenzüberschreitenden Verkehr gebe es Einbussen. Pro Tag beliefen sich die gesamten Einbussen durch die Coronavirus-Krise auf eine halbe Million Franken. Im Inland-Fernverkehr belaufe der Rückgang circa zehn Prozent.

Mit Blick auf den tödlichen Unfall eines Zugchefs sagt Meyer, man habe dadurch Sicherheitslücken beim älteren Rollmaterial erkannt. Zu Berichten in den Medien, wonach man den defekten Klemmschutz bereits frühzeitig aufgrund von Meldungen des SBB-Personals hätte erkennen können, sagt Meyer: Das wäre nicht möglich gewesen. Aber: Zu viele SBB-Angestellte hätten kein Feedback auf ihre Meldungen bekommen. 

Nachfrage nach Sparbilletten steigt

Bereits vorab wurde bekannt, dass die SBB 2020 Sparbillette im Wert von mindestens 100 Millionen Franken anbieten wollen. Das entspricht einer Mitteilung zufolge in etwa dem Niveau des Vorjahres.

2019 habe man über 8,8 Millionen Sparbillette verkauft, schreiben die SBB. Gegenüber dem Jahr 2018 sei die Nachfrage um rund 60 Prozent angestiegen.

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