Schweizer Alpen – Hitzesommer gefährdet den Lawinenschutz

Nicolai Morawitz

5.1.2019

Er erforscht die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald:  Andreas Rigling.
Bluewin/mn

Nördlich der Alpen war 2018 das wämste Jahr seit Messbeginn – am Schweizer Wald ist das nicht spurlos vorbeigegangen. Sollten auch 2019 und 2020 heiss werden, hätte das fatale Folgen für den Lawinenschutz, warnt der Waldforscher Andreas Rigling im «Bluewin»-Interview.

«Die Trockenheit hat massive Spuren im Wald hinterlassen»

«Die Trockenheit hat massive Spuren im Wald hinterlassen»

Viele Bäume im Schweizer Mittelland haben 2018 unter der Hitze und Trockenheit gelitten. Sollten sich solche Extremperioden in den kommenden Jahren wiederholen, könnten die Bäume massiv geschwächt werden, warnt der Waldforscher Andreas Rigling.

14.12.2018

Der Schnee knarzt unter den Stiefeln von Andreas Rigling. Der Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) geht über den Baumwipfelpfad im Toggenburg – ein 500 Meter langer Weg auf grossen Stelzen, der es den Besuchern ermöglicht, buchstäblich auf dem Dach des Waldes zu spazieren. 

Neben Rigling wachsen Birken, Weisstannen, Ahorne und Eschen in den Himmel. Im Glanz der Wintersonne könnte man den Eindruck gewinnen, dass es um den Schweizer Wald nicht besser stehen könnte. Doch der Eindruck täuscht.

Der sehr heisse Sommer 2018 hat vor allem dem Wald im Mittelland stark zugesetzt. In diesem Jahr seien die Blätter einiger Bäume schon Ende Juli verfärbt gewesen und sie hätten sogar Blätter verloren, sagt Rigling. «Das haben wir in den vergangenen Jahrzehnten in der Schweiz so noch nie erlebt.»



Bilanz steht noch aus

Derzeit seien sie daran, über Satellitendaten die möglichen Schäden zu ermitteln. «Doch erst in ein bis zwei Jahren können wir sagen, was die Folgen für die von Hitze und Dürre betroffenen Bäume sein werden», so der 54-Jährige.

Am stärksten betroffen sei der Wald in der Nordostschweiz gewesen. Doch auch im Berner Mittelland und im Jura wäre zum Beispiel an den Buchen nachzuweisen, wie sehr ihnen die Hitze zu schaffen gemacht habe. «Wenn Bäume ihre Blätter abwerfen», erklärt Rigling, «ist das zwar ein Schutz vor dem Verdursten, doch sie können dann keine Photosynthese mehr betreiben.» Ihnen fehlten also Kohlenhydrate und sie müssten von ihren Reserven leben, sagt der Schaffhauser. 

Folgt ein weiterer Hitzesommer? Für viele Bäume ist das eine überlebenswichtige Frage.
Bluewin/mn

Lawinenschutz beeinträchtigt

Ein Jahr lang könne den Bäumen dies gelingen – reihe sich jedoch Trockenjahr an Trockenjahr, laufe der Baum Gefahr, von Schädlingen befallen zu werden. Schon 2018 habe eine Million Kubikmeter Holz geschlagen werden müssen, weil die Bäume von Borkenkäfern befallen gewesen seien – das entspricht rund 15 Prozent der gesamten durchschnittlichen Jahresholznutzung in der Schweiz.

Sind die Bäume erst einmal geschädigt, können sie den Menschen schlechter vor Lawinen schützen. Rigling denkt dabei vor allem an die ausgedehnten Fichtenschutzwälder in den Schweizer Alpen. Würden sie grossflächig vom Borkenkäfer befallen, könnte ihre Schutzfunktion innerhalb von ein oder zwei Jahren «dramatisch abnehmen», so der Wissenschaftler.

Waldforscher Andreas Rigling untersucht verschiedene Stressfaktoren für Bäume.
Bluewin/mn

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