«Ich habe Zweifel, dass die Massnahmen der Schweiz genügen»

3.12.2021

Andreas Cerny leitet das Hepathologiezentrum Lugano.
blue News

Für Andreas Cerny hat der Bundesrat zu spät auf die sich aufbauende Welle reagiert und tut dies auch jetzt noch zu milde. Entspannte Weihnachten dürften so schwierig werden, befürchtet der Infektiologe. 

3.12.2021

Wo genau der Bundesrat an den Corona-Massnahmen nachbessern will, ist noch nicht bekannt. Die Vorschläge liegen aber auf dem Tisch – und gehen dem Infektiologen Andreas Cerny gehen zu wenig weit. «Ich habe Zweifel, dass die Massnahmen der Schweiz genügen», sagte er SRF. Im Vergleich zu Österreich seien die Massnahmen mild und es zeige sich nun, dass Österreich mit strengeren Regeln die Kehrtwende geschafft habe.

Anders sieht das dem Tessiner Klinikleiter zufolge in der Schweiz aus. «Jetzt haben wir eine Welle, die eigentlich relativ langsam auf uns zugerollt ist. Es gab klare Anzeichen, dass das auf uns zukommt und dass da Massnahmen wahrscheinlich früher hätten ergriffen werden sollen.»

Das Virus suche sich einen Weg, wo es offene Türen gebe – und diese fänden sich zurzeit bei den Kindern, erklärt Cerny. Die 10- bis 19-Jährigen zeigten den grössten Anstieg und fast doppelt so viele Fälle wie die anderen Altersgruppen. Unter den Kindern und Jugendlichen seien auch besonders viele Ungeimpfte.

«Es wird langsam eine Epidemie der Geimpften, die sich in den ersten Monaten dieses Jahres haben impfen lassen», beschreibt der Leiter des Hepatologiezentrums in Lugano, «deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt mit dem Boostern vorwärtsmachen.»

In Österreich flacht die Kurve der täglichen Neuinfektionen bereits wieder ab.
Bild: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

Andreas Cerny erinnert daran, dass es zwei bis drei Wochen dauert, bis Massnahmen einen Effekt haben, deshalb müsse man nun rasch weitergehende Regeln einführen. «Österreich hat es geschafft», meint er abschliessend. «In Österreich wird man wahrscheinlich etwas ruhiger Weihnachten feiern können als bei uns.»

Nicht die erste Rüge für den Bundesrat

Bereits am 24. November, als der Bundesrat noch auf die Verschärfung nationaler Massnahmen verzichtet hatte, war Cerni mit der Regierung hart ins Gericht gegangen: Zeit sei in dieser Phase der Pandemie «Mangelware», sagte er damals im Gespräch mit blue News. «Einfach zuzuwarten, halte ich für nicht verantwortungsvoll.»