«Je schneller man boostert, desto früher bricht die Welle»

uri

24.11.2021

Eine Medizinische Fachkraft spritzt Chandra Eberle eine Booster Impfung im Impfdorf in der grossen Halle des Hauptbahnhofs Zuerich, am Montag, 8. November 2021 in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Eine Patientin bekommt während der nationalen Impfwoche im Zürcher Impfdorf eine Booster-Dosis. (Archiv)
Bild: Keystone

Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus werden laut Impf-Chef Christoph Berger die Pandemie nicht beenden. Laut Experten könnten die sogenannten Booster allerdings zügig die vierte Welle brechen.

uri

24.11.2021

Das Schweizer Heimittelinstitut Swissmedic hat gestern grünes Licht für die Auffrischimpfung von Pfizer/Biontech ab 16 Jahren gegeben. Damit könnte das Boostern in der Schweiz an Fahrt gewinnen. Bislang bekamen nämlich nur Personen ab 65 Jahren, Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen und in Einzelfällen besonders gefährdete Personen unter 65 Jahren eine dritte Dosis.

Das Boostern ging Fachleuten wie dem Zürcher Infektiologen Huldrych Günthard so bedeutend zu langsam vonstatten. Er erklärte der «Sonntagszeitung», dass die über 65-Jährigen ihre Auffrischung eigentlich bereits hätten erhalten sollen. Die Kantone müssten nun alles unternehmen, um die «älteren und gefährdeten Personen jetzt und nicht erst bis Ende Dezember zu boostern.» Ebenfalls hätten die Jüngeren nun rasch eine Auffrischimpfung zu erhalten, wenn man nicht in eine Situation wie in Österreich kommen wolle, so Günthard.

Erste Wirkung auf die Lage nach einem Monat

Die Forderung des Infektiologen deckt sich mit einer aktuellen Einschätzung der Covid-Taskforce, über die zuerst der «Tages-Anzeiger» berichtete. Die Experten betrachten in ihrer aktuellen epidemiologischen Lagebeurteilung  die dritte Impfdosis als «effektives Werkzeug, die Zahl der Infektionen diesen Winter zu reduzieren.»

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Dabei stützt sich die Taskforce auf ein Positionspapier eines internationalen Wissenschaftler-Teams für Deutschland, wonach eine Booster-Kampagne bei einer Geschwindigkeit, die in etwa jener bei den Zweitimpfungen entspreche, «bereits nach einem Monat erste Wirkung auf die Ausbreitung der Infektionen zeigen könnte.»

Booster-Impfungen haben in Israel die Welle gebrochen

Laut den Verfassern des Papiers um die deutsche Physikerin Viola Priesemann konnte Israel etwa die letzte Corona-Welle brechen, indem hier 50 Prozent der Menschen eine Auffrischung bekamen. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass auch in anderen Ländern wie Deutschland «sehr wahrscheinlich eine ähnliche Wirkung» erzielt werden könne. Dabei gelte: «Je schneller man also boostert, desto früher kann die Welle gebrochen werden.»

Die Wirkung der Booster-Impfungen werde sich dann «sukzessive in der Inzidenz und auch der Aufnahme auf die Intensivstation zeigen», halten die Experten fest. Auch sei der Immunschutz «dann hoch genug, um mit Basismassnahmen über den Winter zu kommen».

Um die kritische Masse von 50 Prozent geboosterten Menschen noch vor Weihnachten zu erreichen, müssten in Deutschland – wo derzeit Fallzahlen und Impfquote ähnlich hoch wie in der Schweiz sind – bereits etwa sieben Prozent der Bevölkerung wöchentlich eine dritte Dosis verabreicht bekommen. Wie der «Tages-Anzeiger» vorrechnet, bedeute das für die Schweiz wöchentlich eine Auffrischung für eine halbe Million Menschen. 

«Boostern allein wird die Pandemie nicht beenden»

Auffrisch-Impfungen allein werden laut Christoph Berger, Präsident der eidgenössischen Impfkommission, die Pandemie indes nicht beenden. Im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» erklärte Berger, hierfür seien neben dem Schutz aller verletzlichen Personen über 65 Jahren durch Auffrischungen noch zwei weitere Punkte entscheidend: Eine hohe allgemeine Durchimpfung der Bevölkerung und die Immunisierung von vielen Menschen durch Infektionen im Winter.